Schriftstellerin Kirsten Boie erzählt von Swasiland und liest aus Thabo-Krimi

„...und deshalb bewundere ich diese Kinder so“

Eine lange Schlange bildete sich nach der Lesung von Kirsten Boie in der Aula der Grundschule Sagehorn – viele wollten ein Autogramm der bekannten Kinderbuchautorin. - Foto: Holthusen

Oyten - Von Petra Holthusen. Sie schreibt viel und sie kann alles: witzig und traurig, spannend und anrührend; für Kleinkinder, Teenies und Erwachsene. Die verblüffende Bandbreite hat einen einfachen Grund: „Immer die gleichen Geschichten zu schreiben – das wäre mir viel zu langweilig“, erzählte Kirsten Boie am Dienstagnachmittag ihrem Publikum in der Sagehorner Grundschulaula. Die mehrfach ausgezeichnete Kinderbuchautorin aus Hamburg, Erfinderin des vielseitig begabten Meerschweins King-Kong, des kleinen Ritters Trenk, der vergnügten Kinder aus dem Möwenweg und vieler anderer Figuren, stellte in der Lesung nicht nur ihren ersten Thabo-Kinderkrimi vor, sondern auch ihren Einsatz für Aids-Waisen im afrikanischen Swasiland. Beides hat viel miteinander zu tun.

Veranstalter der Lesung war der Verein der Eltern und Freunde der Pflege- und Adoptivkinder im Landkreis Verden, kurz Pivke. Pivke hat eine besondere Beziehung zu der Schriftstellerin Kirsten Boie. Die heute 67-Jährige ist nämlich selbst Mutter von zwei – längst erwachsenen – Adoptivkindern, und beim Füttern ihres damals kleinen Adoptivsohnes, so erzählte sie, kam ihr die Idee zu ihrem allerersten Buch: „Paule ist ein Glücksgriff“. Das war für die Literaturwissenschaftlerin und Lehrerin der Start in eine erfolgreiche Karriere als Schriftstellerin mit bis heute über 100 Buchveröffentlichungen, die in zahlreiche Sprachen übersetzt und teils verfilmt wurden – der Name Boie steht für anspruchsvolle, phantasiereiche und einfühlsame Kinderliteratur.

Zwei Jahre „bettelte“ Pivke-Vorständler Matthias Westerholt aus Oyten nach eigenen Worten bei Kirsten Boie um einen Lesungsbesuch. Anfragen von Schulen kommt sie kaum noch nach („Ich hab' einfach so viel um die Ohren“), und in Oyten hatte sie jetzt „ehrlich gesagt nur zugesagt, weil die Einladung von Pivke kam: Der Verein macht ja Sachen, die wir früher auch gemacht haben“, sagte die Adoptivmutter.

Um alleingelassene Kinder sorgt und kümmert sie sich immer noch – seit zehn Jahren im afrikanischen Swasiland: „Hier gibt es mehr Aids-Kranke als sonstwo auf der Welt. An der Krankheit sterben ganz viele Eltern: Fast die Hälfte aller Kinder hat mit fünfzehn keine Eltern mehr.“ Pflegeeltern oder Waisenhäuser oder auch nur finanzielle Unterstützung gebe es in Swasiland nicht.

Möwenweg-Stiftung betreut Aids-Waisen

Deshalb gründete Kirsten Boie mit ihrem Mann und Freunden die Möwenweg-Stiftung und baute in Swasiland Dörfer für Aids-Waisen, in denen einheimische Frauen zumindest für die Kinder kochen und sich ein bisschen kümmern. Bis zu 4000 Aids-Waisen betreut die Möwenweg-Stiftung in dem Projekt.

Wie die Kinder dort in den Lehmhütten leben, Vieh hüten, ihr Wasser aus dem dreckigen Fluss holen, Gebasteltes an Touristen verkaufen und mit selbstgestopften Fußbällen spielen, zeigte Kirsten Boie auf mitgebrachten Bildern. „Sicher sind die Kinder oft traurig und auch hungrig, aber sie sind auch fröhlich und lachen viel“, erzählte die Hamburgerin, „deshalb bewundere ich diese Kinder so.“ Und deshalb hatte sie auch „große Lust gekriegt, Geschichten zu schreiben, die in Afrika spielen und von diesen tollen Kindern erzählen“. So entstand 2016 die Kinderkrimi-Reihe von „Thabo, Detektiv und Gentleman“. Ich-Erzähler ist der Waisenjunge Thabo, der seinem Onkel bei Fotosafaris für Touristen hilft – und mit seinen Freunden nebenbei Kriminalfälle löst und Verbrecher dingfest macht. Neben der spannenden Handlung erfahren die jungen Leser viel über Afrikas Facetten. Im „Nashorn-Fall“ des ersten Thabo-Krimis, aus dem Kirsten Boie zwei fesselnde Kapitel vorlas, geht es um ganz Aktuelles: die verbrecherische grausame Tötung eines Nashorns, dessen abgesägte Hörner dem Täter hunderttausende von Euros einbringen sollen... Gerade durch die vorherigen Erzählungen der Autorin vom realen Swasiland und seinen Kindern war Thabo den Zuhörern beim Vorlesen besonders nah.

In ihrer ungekünstelten, offenherzigen Art und Weise kam Kirsten Boie am Ende mit Kindern und Müttern über sich und ihre Arbeit ins Gespräch und gab geduldig Autogramme. Und nicht wenige werden im Anschluss einen Buchladen angesteuert haben, um auf jeden Fall noch mehr von Thabo zu erfahren...

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Barnstorfer Ballonfahrer-Festival mit Happy End

Barnstorfer Ballonfahrer-Festival mit Happy End

Künstlertreffen in Kirchlinteln

Künstlertreffen in Kirchlinteln

Friedens-Buddha in Bremen eingeweiht 

Friedens-Buddha in Bremen eingeweiht 

„La Strada“ in Rotenburg - der Sonntag 

„La Strada“ in Rotenburg - der Sonntag 

Meistgelesene Artikel

Oldie-Treffen in Vethem: Ein Mekka der Trecker-Fans 

Oldie-Treffen in Vethem: Ein Mekka der Trecker-Fans 

Scharnhorst: Vor 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Scharnhorst: Vor 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Kommentare