„Sprache ist alles“

Oyten: Alina Schwarz-Rodiek geht als Leiterin der Kita Am Berg in Altersteilzeit

Neuer Lebensabschnitt für Alina Schwarz-Rodiek: Jetzt geht sie nach 24 Jahren als Leiterin der Kita Am Berg in die passive Altersteilzeit. Am Dienstag wird sie von Kollegen und Gemeindevertretern verabschiedet.
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Neuer Lebensabschnitt für Alina Schwarz-Rodiek: Jetzt geht sie nach 24 Jahren als Leiterin der Kita Am Berg in die passive Altersteilzeit. Am Dienstag wird sie von Kollegen und Gemeindevertretern verabschiedet.

Oyten – Das waren noch Zeiten, als Alina Schwarz-Rodiek 1997 die Leitung der noch neuen Oytener Kita Am Berg übernahm. Mit je drei Vormittags- und Nachmittagsgruppen sowie einer Ganztags- und einer Hortgruppe galt die Einrichtung an der Bergstraße als fortschrittlich, erinnert sich die 62-Jährige. Nach fast drei Jahrzehnten als Kindertagesstätten-Leiterin geht Schwarz-Rodiek jetzt in die passive Altersteilzeit.

Inzwischen ist die Hortgruppe Geschichte – 2016 gab es die letzten, vereinzelten Anmeldungen – und wurde in eine Kindergartengruppe umgewandelt. Aus vormals zwei Kita-Gruppen entstanden Krippengruppen. Aktuell verfügt die Kita Am Berg über vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen. Seit viele Schulen eine nachschulische Betreuung anbieten, hat auch das Interesse für die Nachmittagsgruppen an der Kita stark nachgelassen.

Doch nicht nur aufgrund seines für damalige Verhältnisse umfassenden Betreuungsangebots nahm die Kita Am Berg eine wegweisende Rolle ein. Lange Zeit war sie die einzige Kindertagesstätte in Oyten, in der die Gruppengröße auf 18 Kinder beschränkt war. „Wir wollen lieber kleinere Gruppen als mehr Personal“, erklärt Schwarz-Rodiek. „Denn die Kinder brauchen kompetente und kontinuierliche Zuwendung.“

Dieses Credo hat Schwarz-Rodiek immer wieder angetrieben. So hat sie unter anderem ein vielfältiges Sprachkonzept mit Gebärdensprache, Singsang und einer eigenen Bücherei entwickelt. Seit 23 Jahren können Eltern in der Kita Bücher ausleihen und zu Hause ihren Kindern vorlesen. Daraus entwickelte sich die Idee zu den Vorlese-Omas, die – von Corona zeitweise unterbrochen – regelmäßig den Kindergarten besuchen. Die singfreudige Kita erhielt zudem die Auszeichnung „Caruso“ vom Deutschen Chorverband.

Der Schwerpunkt auf Sprache kommt nicht von ungefähr: Das Einzugsgebiet der Kita Am Berg ist international. „Es heißt ja ‘Oyten ist Bunt’. Das leben wir hier“, sagt Kollegin Dana Grabeleu-Szczes, die seit fünf Jahren mit Schwarz-Rodiek das Leitungsteam bildet. 2011 ging das Sprachkonzept in das mit Bundesmitteln geförderte Projekt „Frühe Chancen“ über, dessen Ziel es ist, Sprachkompetenz mithilfe der Förderung der Muttersprache zu stärken. Das setzt die Kita Am Berg mithilfe von Kollegen mit türkischer, russischer und polnischer Herkunft sowie einer Fachkraft Sprache, die das Personal regelmäßig fortbildet, um. Dazu geben Eltern einmal pro Woche Vorleserunden in verschiedenen Sprachen. Kern des Projekts ist laut Schwarz-Rodiek die „alltagsintegrierte Sprachbildung“, denn: „Sprache ist alles“.

Alina Schwarz-Rodiek hat Deutsch ebenfalls als Zweitsprache erlernt: Geboren wurde sie bei Kattowitz in Polen. Als sie 13 Jahre alt war, flüchtete ihre Familie nach Deutschland. Zunächst lebte sie in Nordrhein-Westfalen, dann kam der Umzug nach Bremen, wo Schwarz-Rodiek ihr Abitur „glücklicherweise mit Polnisch als Fremdsprache“ ablegen konnte. Nach ihrem Studium der Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Behinderten- und Elementarpädagogik (Vorschule) arbeitete sie kurzzeitig als Stützpädagogin in Lilienthal, um dann die Leitung der Kita der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Hallacker in Bremen-Blockdiek zu übernehmen.

Prägend für ihre Arbeit als Kita-Leiterin in Oyten war neben dem Sprachenschwerpunkt die umfassende Umgestaltung des Außengeländes. Von 2005 bis 2009 haben Erzieher und Eltern in Eigenarbeit die Wege neu verlegt, Mäuerchen für die Beete und einen kleinen Hügel geschaffen. Unterstützt wurden sie von einem Landschaftsarchitekten der Holunderschule. Ein Prozess, der eine politische Entscheidung, die Erlaubnis der Gemeinde sowie das Akquirieren von Spenden beinhaltete. „Das geht aber nur mit der richtigen Elternschaft und einem guten Mitarbeiterteam“, betont Schwarz-Rodiek. Auch heute gibt es alle zwei Jahre einen Gartentag, an dem Eltern und Kinder gemeinsam etwas pflanzen oder anderweitig das Außengelände verschönern. Seit 2010 werden diese Aktivitäten von einem Förderverein organisiert und verwaltet. Schon zuvor hatte die Kita Am Berg immer wieder gemeinsame Ausflüge veranstaltet, etwa an die Nordsee. Dafür sorgt jetzt ebenfalls der Förderverein.

Ihre nun gewonnene Zeit will Schwarz-Rodiek für die Familie nutzen, besonders für die drei Enkelkinder. Zudem will sie mit ihrem Ehemann auf Reisen gehen. Schon nächste Woche geht es gemeinsam mit dem Wohnmobil nach Portugal. Auch mit Klavierspielen werde sie ihre Freizeit nun häufiger verbringen.

Offiziell wird Alina Schwarz-Rodiek am Dienstag von Kollegen – allen voran Co-Leiterin und Nachfolgerin Dana Grabeleu-Szczes – und Gemeindevertretern verabschiedet. Die 31 Mitarbeiter, davon 26 Erzieherinnen und Erzieher, sieht sie in guten Händen: „Ich bin sehr dankbar, dass wir die letzten fünf Jahre als gleichberechtigte Partner zusammengearbeitet haben. Ich habe Dana dafür begeistert, dass sie sozusagen mein Erbe übernimmt, und habe von ihr gelernt, dass man manche Sachen auch anders machen kann, und dass das gut so ist“, resümiert Schwarz-Rodiek.

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