Offene Ateliers in Oyten-Schaphusen: Agnes Gerken-Lüllmann und Renate Kablitz widmen sich der Farbe, die eigentlich keine ist

Schwarz ist nicht gleich schwarz

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Schwarzer Ton hat Renate Kablitz zu ungewöhnlichen Arbeiten inspiriert.

Oyten-Schaphusen - In der Mode hat Schwarz sich durchgesetzt, in der Autoindustrie ist Schwarz führend, in der Kunst hat Schwarz jedoch nur hin und wieder einen Stellenwert. In den diesjährigen Adventsausstellungen der Schaphusener Künstlerinnen Agnes-Gerken-Lüllmann und Renate Kablitz aber stand am Wochenende Schwarz im Mittelpunkt und zwar in ganz unterschiedlicher Aussage. Während Agnes Gerken-Lüllmann immer mal wieder mit Schwarz gearbeitet hat und von 1993 bis heute damit in der bildlichen Aussage wichtige Erfahrungen sammeln konnte, entdeckte Renate Kablitz Schwarz für sich als Keramikerin ganz neu.

„Schwarz ist wie eine Abkühlung des Relativen auf den Nullpunkt. In dieser ambivalenten Deutung von Ruhe und Aktivität liegt für mich das Prinzip Schwarz wie ein großer Atem“, zitiert Renate Kablitz, Betreiberin der Erdwerkstatt in Schaphusen, den Künstler Reiner Rutenbeck und präsentierte schwarze Keramikobjekte von intensiver Aussagekraft. Dabei fiel eine Büste ins Auge, die an einen Pharaonenkopf erinnerte. Ein gelassener Gesichtsausdruck, gleichmütig dreinblickende Augen und ein schlichter, aber dominanter Kopfputz ließen Betrachter noch mal und noch mal hinsehen. Schwarz präsentierten sich auch Lichtobjekte, in deren zylindrische Körper durchsichtige Glasperlen eingelassen waren. Kleine Schalen, wie eine halb geöffnete Frucht gestaltet, natürlich auch aus schwarzem Ton, waren im Innern mit Gold ausgemalt. Sowohl das Schwarz als auch das Gold wurden durch den Kontrast hervorgehoben und strahlten eine gewisse Kostbarkeit aus.

Bei Agnes Gerken-Lüllmann, die ihr Haus wieder zur Galerie umfunktioniert hatte, wurde das Schwarz von Weiß begleitet. Feine Bleistiftzeichnungen, einem großformatigen Strichcode ähnlich, zeigten durch die filigranen Linien Töne von Grau. „Kein Maler kommt an Schwarz-Weiß vorbei. Es ist immer wieder Thema, besonders in der grafischen Ausrichtung. Wenn man neue und ältere Arbeiten nebeneinander sieht, wird der spannende künstlerische Prozess sichtbar“, sagte die Malerin. Die etwa 30 ausgestellten Arbeiten setzten sich aus Grafik, Gegenständlichkeit und Abstraktion zusammen. Bei den Abstraktionen waren Arbeiten dabei, die einen beeindruckenden Blick auf die schier unerschöpfliche Kreativität von Agnes Gerken-Lüllmann zuließen.

Das Wohnzimmer, auch als Galerieraum genutzt, war Heinz-Hermann Lüllmann vorbehalten. Von Haus aus Schauwerbegestalter, bewies er sich bei verschiedenen Ausstellungen als exzellenter Fotograf mit sicherem Gefühl für den richtigen Bildausschnitt. „Ich bearbeitete meine Fotografien nicht. Da ist nichts geschönt, nichts weich gezeichnet. Die Bilder sind so, wie das Auge das Motiv sieht“, erklärte er seine Arbeitsweise. Das Wohnzimmer der Lüllmanns, geschmackvoll und puristisch eingerichtet mit Sofa, Sessel, Teppich, hatte ihm diesmal als Steilvorlage gedient. In den an den Wänden gruppierten Bildern spiegelten sich Einzelheiten aus der Realität. Die Wölbung der Sofalehne, ein Ausschnitt aus dem Teppich und weitere Details, die sich in natura entdecken ließen, wenn man nur genau hinschaute, verrieten Heinz-Hermann Lüllmann als Künstler hinter der Kamera.

kr

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