Moyn-Moyn-Veranstalter wehren sich vor Gericht gegen Festivalverbot

„Das ist nicht mehr fair“

Temporäre Kunst, spektakulär ins rechte Licht gesetzt, gehört zum Moyn-Moyn-Konzept. Dass die vierte Auflage des Festivals dieses Jahr am Backsberg über die Bühne gehen kann, gilt als unwahrscheinlich. Foto: Abro Team GmbH

Oyten - Von Petra Holthusen. „Dafür, dass wir eigentlich nur Kunst und Kultur machen wollen, und das halbwegs ehrenamtlich, ist das alles hanebüchen.“ Jannes Bohmfalk, einer der drei Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Abro Team GmbH aus Hannover, und seine Mitstreiter können nicht verstehen, warum der Landkreis Verden ihnen das nächste Moyn-Moyn-Festival am Oytener Backsberg aus baurechtlichen Gründen untersagt hat. Die mit den Jahren stetig angezogenen Daumenschrauben seien unverhältnismäßig und einfach „nicht mehr fair“, sagt Bohmfalk im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb haben sich die Festivalveranstalter zur Klage vor Gericht entschlossen: „Wir wollen uns wehren. Und wir haben Aussicht auf Erfolg. Sonst würden wir das gar nicht machen, allein wegen der massiven Kosten.“

Das aus dem Verein Wanderzirkus erwachsene und soziokulturell ambitionierte Abro-Team mit laut Bohmfalk sechseinhalb Festangestellten und bundesweit rund 700 Ehrenamtlichen entwickelt nach eigenen Angaben Visionen, Konzepte, Strukturen und Beratungsangebote für Kunst-, Kultur-, Unterhaltungs-, Bildungs- und Gastronomieveranstaltungen. Kultur und Kunst treffen auf Emotion, Bewegung und Meinung, sollen Räume bieten für Kreativität und Inspiration – als „großes Abenteuerland für Erwachsene“, das vor allem ein „positives Lebensgefühl“ befördern soll, ist auch das viertägige Elektromusik-Festival Moyn Moyn konzipiert, das Abro seit 2017 jeden August auf den Wümmewiesen an der Gaststätte am Backsberg veranstaltet. Bei der dritten Auflage vorigen Sommer tummelten sich an die 3500 Szene-Fans, Mitwirkende und ehrenamtliche Helfer auf dem Gelände zwischen Sagehorn und Fischerhude.

Dass dieses Jahr das vierte Moyn Moyn über die Bühne gehen könnte, ist Bohmfalk zufolge wegen der Corona-Pandemie sowieso „eher unwahrscheinlich“. Ausgebremst wurde das Festival aber bereits im Dezember von dem Veranstaltungsverbot, das der Landkreis Verden aus baurechtlichen Gründen verhängte (wir berichteten). Die wiederkehrende Nutzung eines Geländes als Festplatz sei baugenehmigungspflichtig; eine solche Genehmigung liege nicht vor und könne derzeit aufgrund der Außenbereichslage des Grundstücks auch nicht in Aussicht gestellt werden, argumentiert die Bauordnungsbehörde. Gegen diese Entscheidung erhob das Abro-Team Klage beim Verwaltungsgericht Stade. Mit einer Entscheidung noch in diesem Jahr rechnet aber niemand.

So ein Verfahren könne auch leicht zwei, drei Jahre dauern, argwöhnt Bohmfalk. „Einfach hinschmeißen“ oder sich nach einem anderen Festivalgelände umgucken kam für sein Team aber nicht in Frage. Zum einen „kommen wir aus dem Norden und haben in den vergangenen Jahren viele Freunde in Oyten gewonnen“, und zum anderen sei das Ganze inzwischen „so unfair, dass wir uns wehren wollen“.

„Von Anfang an“, so Bohmfalk, „haben wir mit der lokalen Ordnungsbehörde bei der Gemeinde Oyten zusammengearbeitet; haben wir, wie woanders auch, ein umfassendes Sicherheits- und Planungskonzept vorgelegt.“ Und das sei erfolgreich gewesen. Von dem „guten Feedback“ motiviert, sei man ins zweite Jahr gegangen und habe wegen einiger Beschwerden aus Fischerhude auch ein Lärmschutzkonzept entworfen: „Wir wollen ja niemanden stören.“

„Wir haben viel investiert und viel optimiert“, erinnert Bohmfalk. Das werde nicht honoriert. Stattdessen habe sich die Bauordnungsbehörde des Landkreises eingeschaltet und eine Baugenehmigung angemahnt: „Warum? Das war gar nicht klar.“ Abro zog einen Anwalt zu Rate, legte Widerspruch ein, bat um Akteneinsicht, „und dann haben wir nichts mehr gehört“. Die Ruhe hielt nicht lange, auch vor dem Festival 2019 drängte die Behörde, und für 2020 kam dann das Veranstaltungsverbot.

Unter anderem werde für das Moyn Moyn jetzt ein befestigter Parkplatz statt der abgezirkelten Wiesen verlangt, berichtet Bohmfalk. Das sei unverhältnismäßig. Obendrauf kämen noch die „Missverständnisse“ mit der Gemeinde Oyten hinsichtlich der Lesart der Lärmmessergebnisse vom vorigen Sommer. „Wir fühlen uns so blockiert“, sagt Bohmfalk, „das ist sehr unschön.“ Unschön vor allem auch deshalb, weil das Ganze auch andere Veranstaltungen auf dem Gelände der Gastwirtsfamilie Thran am Backsberg in Gefahr bringe: „Das ist nicht mehr fair.“

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