Nachmittags auch Unterricht – und nicht bloß Betreuung

Pädagogisches Konzept der angehenden Ganztagsgrundschule Bassen spaltet Eltern

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Um die von der Grundschule Oyten für ihren Ganztagsbetrieb benötigten zusätzlichen Räume zu schaffen, soll auf den Gebäudetrakt hinter dem Mehrzweckraum an der Jahnstraße ein drittes Geschoss gesetzt werden. Die Kostenschätzung stieß jedoch auf Unbehagen im Schulausschuss. 

Oyten  /  Bassen - Als letzte der drei Grundschulen in der Gemeinde Oyten macht sich die Grundschule Bassen auf den Weg zur Ganztagsschule (GTS). Weil die Lehrkräfte nach vielen Diskussionen und Hospitationen die offene Form „nur als Ganztagsbetreuung, nicht als Ganztagsschule“ bewerten, so Rektorin Birgit Bruelheyde, habe sich das Kollegium für den Aufbau einer teilgebundenen GTS mit zwei verpflichtenden Nachmittagen ausgesprochen. Der Schulvorstand, je zur Hälfte mit Lehrern und Eltern besetzt, habe beschlossen, sich mit dieser Konzeption auf den Weg zu machen. Die pädagogisch ambitioniertere Variante stößt bei einigen Eltern aber auf Widerstand.

In Bassen hat sich gegen die Pläne eine Initiative gebildet, deren Sprecher am Montagabend im Oytener Rathaussaal mobil machten. Hier tagte der Schulausschuss des Gemeinderates, der auf der Tagesordnung die erste Konzeptvorstellung durch Schulleiterin Bruelheyde hatte.

In der Bürgerfragestunde kritisierten zwei Elternpaare von künftigen Schulanfängern das teilgebundene Konzept: Sie wollten ihre Kinder mittags am Familientisch zu Hause haben und nicht zwangsverpflichtet in der Schule. Die Eltern forderten ein offenes Ganztagsangebot und beklagten, nicht in die Diskussion einbezogen worden zu sein. Eine Mutter, die auch dem Schulvorstand angehört, schilderte die Entscheidungsfindung als kontrovers und die Bassener Elternschaft als gespalten. Eine andere Elternvertreterin betonte jedoch, dass der kleinen Anti-Initiative eine große Gruppe Eltern gegenüberstehe, die konstruktiv und von dem Kozept angetan mit der Schule zusammenarbeite.

Das Ganztagskonzept mit zwei verpflichtenden und zwei freiwilligen Nachmittagen bis 15.15 Uhr soll in Bassen den „Pädagogischen Mittagstisch“ ablösen, der wegen der räumlichen Bedingungen vom Kultusministerium nur für 60 Kinder genehmigt ist. Die Betreuung spielt sich im Container ab – laut Bruelheyde „grenzwertig“. Außerdem ist das Angebot kostenpflichtig, weshalb auch Bassener Eltern ihre Kinder an den Ganztagsgrundschulen Oyten und Sagehorn anmelden, wo die Betreuung nach Unterrichtsende umsonst ist.

Teilgebunden – für mehr pädagogische Arbeit

Bruelheyde stellte die geplante Tagesstruktur der teilgebundenen GTS vor, die durch Verlagerung von Unterrichtsstunden in den Nachmittag die Lehr-, Lern- und Entspannungszeiten entzerre, so ein differenziertes Fördern und Fordern aller Kinder ermögliche und mehr Zeit für pädagogische Arbeit biete. Unterricht am Nachmittag sei aber nur möglich, „wenn alle Kinder in der Schule sind“, betonte Bruelheyde. Das solle an zwei Nachmittagen bis 15.15 Uhr der Fall sein, und diese Tage seien danach hausaufgabenfrei. An den beiden offenen Tagen könnten die Familien wählen, ob sie die Betreuung nach Unterrichtsende samt Mittagessen, Hausaufgabenbegleitung und Freizeitangeboten wahrnehmen wollten. Freitags ist – wie an Ganztagsschulen üblich – ohnehin mittags Schluss.

Als teilgebundene GTS starten will die Grundschule Bassen „frühestens mit dem Einschulungsjahrgang 2020“. Zunächst müsste die Gemeinde durch bauliche Erweiterung der Schule die räumlichen Voraussetzungen schaffen: neben einer Mensa auch Räume für Kleingruppen und als Rückzugsmöglichkeit – damit „die Kinder sich wohlfühlen können“, so Bruelheyde.

Eltern arbeiten in Planungsgruppen 

Die Schulleiterin erklärte, dass in den Planungsgruppen der Schule Eltern mitarbeiteten, die Kinder an der Schule hätten, dass eine Befragung von Eltern jüngerer Kinder aber kein Thema und auch nicht verpflichtend gewesen sei. Das kam bei den Schulpolitikern nicht gut an. Sprecher aller Fraktionen forderten bei der Elternbeteiligung eine Nachbesserung und die Vorstellung auch eines alternativen offenen Ganztagskonzepts beim großen Bassener Elterninformationsabend am 1. März.

Auszeiten- und Kleingruppenräume braucht auch die schon länger als offene Ganztagsschule arbeitende Grundschule Oyten. Im Moment „schummelt man sich so durch“ und werde den Kindern nicht gerecht, sagte Schulleiterin Elke Pawellek. 150 Kinder am Nachmittag mit Bedürfnissen nach Ruhepausen, Hausaufgabenhilfe, Spiel- und Bewegungsangeboten – „es ist Zeit, räumlich dafür zu sorgen, dass die Schule Ganztag und Inklusion realisieren kann“, appellierte Pawellek im Schulausschuss an die Gemeinderatsvertreter. Die erkannten zwar den Bedarf an, zuckten aber vor den Baukosten von 695 000 Euro zurück, die Architekt Klaus Ciellas für die bauliche Aufstockung plus einen barrierearmen Schulumbau samt Fahrstuhl ermittelt hatte. Der Ausschuss verständigte sich darauf, später intensiv zu diskutieren, was ab Sommer 2019 im Detail für wieviel Geld gebaut werden soll, und zunächst mal 50 000 Euro für die weitere Planung freizugeben. 

 pee

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