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Nachhaltige Entwicklungen an der IGS Oyten

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Von: Lisa Duncan

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Website mit Projektbeschreibung und Grundriss, 3D-Drucker und selbst entworfene Visitenkarten in Hausform: Die Schülergruppe um Merlin Hankel (links) will einen Anbau aus nachhaltigen Materialien für die IGS Oyten schaffen.
Website mit Projektbeschreibung und Grundriss, 3D-Drucker und selbst entworfene Visitenkarten in Hausform: Die Schülergruppe um Merlin Hankel (links) will einen Anbau aus nachhaltigen Materialien für die IGS Oyten schaffen. © -

Oyten – Während die einen mit ihrem eigenen 3D-Druckhaus einen Anbau für die Schule planen, kooperieren die anderen mit brasilianischen Kleinbauern für den Klimaschutz. Im Themenorientierten Projektunterricht (TOP) beschäftigen sich Schüler aus dem elften Jahrgang der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten intensiv mit einem selbst gewählten Thema aus den Bereichen „Soziale Ungleichheit und Gerechtigkeit“, „Digitalisierung“, „Krieg und Frieden“ sowie „Globale Entwicklung und Nachhaltigkeit“.

Die Ergebnisse präsentierte die Schule jetzt der Öffentlichkeit im Oytener Rathaus – nach einer digitalen Version 2021 nun erstmals in Präsenz, also 3D.

Ziel des TOP ist es laut Benjamin Viering, leitende Lehrkraft für den TOP an der Oytener IGS, Schüler zu motivieren, im Unterricht ihren Interessen nachzugehen. Dies spiele auch für die Berufsfindung eine Rolle. Beginnend ab Jahrgang fünf, soll der Themenorientierte Unterricht (TO) die dafür notwendigen Fähigkeiten nach und nach aufbauen. Im TOP widmen sie sich schließlich eigenen Ideen mit Sinn und Ziel. „Wir wollen dazu beitragen, die Welt ein bisschen besser zu machen“, formulierte eine Schülerin beim Auftakt zur Präsentation. So sollen sich die Projekte Viering zufolge „den Global Goals der Vereinten Nationen, also den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, schrittweise annähern“. Das habe auch für die Schule einen langfristigen Effekt: „Die Projekte können über Jahre hinweg fortgeführt werden.“

Teilweise geht es auch gar nicht anders, weil die Projekte so langfristig angelegt sind, dass sie sich in einem Schuljahr nicht abschließen lassen. Mit ihrem „Nachaltigen 3D-Druckhaus“ wollen Merlin Hankel und seine Mitstreiter einen Anbau für das IGS-Gebäude drucken – aus nachhaltigen Materialien wie Lehm, und nach Möglichkeit in einem Stück, so „3D-Experte“ Hankel. „Ein 3D-gedrucktes Haus verbraucht weniger Ressourcen“, fährt er fort. Genutzt werden soll der Anbau als Kreativraum („Creative Space“), „um Ideen zu entwickeln, die für die Gemeinschaft von Vorteil sein könnten“. Da die Schüler ihre Idee unter anderem über Crowdfunding finanzieren wollen, hat die „IT-Abteilung“ des Druckhauses eigens eine Website erstellt: www.the-creative-space.org. In Italien steht übrigens bereits ein Lehmhaus, das ein 3D-Drucker fabriziert hat: das sogenannte Tecla-Haus. „Das haben sie im Prinzip dort aus der Erde direkt in die Maschine reingeschaufelt“, erzählt Hankel begeistert. Doch zurück zum Oytener Bauprojekt. Für den Bauantrag haben sich die Schüler von Claus Marx, Fachbereichsleiter in der Oytener Gemeindeverwaltung, und einem Architekten beraten lassen. Demnach würden die Kosten inklusive Versorgungsleitungen, Zufahrtswege und Solarpanel auf dem Dach bei mindestens 35 000 Euro liegen – so blieben, sofern das Crowdfunding-Ziel von 5 000 Euro erreicht wird, mindestens 30 000 Euro Baukosten. Dafür wollen die Schüler einen Finanzierungsantrag an die Gemeinde stellen.

„Klimaretten selber machen“ und Elektroschrott-Recycling mit dem Oytener Nabu: Beyoncé Nowak sowie Anna, Lisa und Jana Nientkewitz (v.l.).
„Klimaretten selber machen“ und Elektroschrott-Recycling mit dem Oytener Nabu: Beyoncé Nowak sowie Anna, Lisa und Jana Nientkewitz (v.l.). © -

Ein paar Tische weiter haben Beyoncé Nowak sowie die Schwestern Anna, Jana und Lisa Nientkewitz gleich zwei Projekte am Start: Das erste kombiniert Aufforstung mit nachhaltiger Landwirtschaft in Brasilien, das zweite ist eine Zusammenarbeit mit der Oytener Gruppe des Naturschutzbunds (Nabu) für nachhaltiges Recycling von Elektroschrott. „Pro Jahr produzieren wir 25 bis 50 Millionen Tonnen“, zeigt Lisa Nientkewitz die Schattenseiten der Konsumgesellschaft auf. Alte Handys, Laptops und Co. würden in afrikanische Länder verschifft und dort auf Müllhalden abgeladen – und schädigen Gesundheit und Grundwasser der dortigen Bevölkerung. Der Schutz des Regenwalds steht im Projekt „Klimaretten Selbermachen“ im Fokus. „In einer Minute werden circa 42 Fußballfelder Regenwald gerodet“, berichtet Beyoncé Nowak. Zunächst hatten die Schülerinnen über Videocall Kontakt zu brasilianischen Kleinbauern in einem Agroforst aufgenommen. Ihnen kaufte die IGS im Schatten der Bäume gewachsene Rohkakao-Blöcke und Pfefferkörner ab, „um faire Vertriebswege in Deutschland aufzubauen“. Im Rathaus konnten die Produkte nun erstmals – neben von den Schülern hergestellten Pralinen – erworben werden. Der Erlös geht nach Brasilien, um den Regenwald aufzuforsten. Auch mithilfe von Baumpatenschaften kann jeder das Projekt über die Website www.klimaretten-selbermachen.com unterstützen.

Ausgehend vom Ukraine-Krieg, der leider nur ein Krisenherd von vielen ist, widmeten sich Lea Marie Hälßig sowie Alyssa und Chelsea Hadrian den Konflikten dieser Welt. Neben einer Stellwand, die über die Weltsicherheitslage informiert, teilten sie für je einen Euro selbst gebastelte Herzen in Flaggenoptik und frisch gebackene Waffeln aus. „Das Herz symbolisiert Zusammenhalt“, sagt Hälßig. 130 Euro spendeten die Schülerinnen noch während der Veranstaltung an die Achimer Tafel. „Wir stellen jedes Jahr bis zu sechs Bufdis ein, kommt gerne jederzeit in den Ausgabestellen in Bassen oder Achim vorbei“, so der stellvertretende Vorsitzende Bruno Kroehn.

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