Moritz Hartmann ist Freiwilligendienstler in Likedeeler Schule

„Ich bin glücklich, dass ich hier gelandet bin“

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Moritz Hartmann (20), hier zwischen Silas und Katja an der Werkbank, leistet elf Monate Bundesfreiwilligendienst in den Klassen der Likedeeler Schule der Lebenshilfe in Oyten. Inzwischen hat sich sein Berufswunsch herauskristallisiert: „Ich will Heilerziehungspfleger werden.“ 

Oyten - Von Petra Holthusen. Hasen und Hühner gibt’s ja immer zu Ostern. Also sägt die kleine Werkgruppe mal was anderes: Pinguine. Das vorgezeichnete Motiv auf dem eingespannten Brett fest im Blick, setzen Janne (10), Katja (11) und Silas (11) die Laubsägen an. Wenn’s irgendwo klemmt oder die Ausdauer gerade erlahmt, ist Moritz Hartmann zur Stelle. Mit Zuspruch, helfender Hand und offensichtlich hohem Beliebtheitsfaktor bei den Kindern. Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit: „Ich bin glücklich, dass ich hier gelandet bin“, strahlt Hartmann. Der 20-jährige Oytener leistet Bundesfreiwilligendienst in der Likedeeler Schule der Lebenshilfe, die mit zwei Kooperationsklassen unter dem Dach des Schulzentrums Oyten zu Hause ist.

Nach dem Realschulabschluss machte Moritz Hartmann sein Fachabitur – und danach „war ich ziemlich planlos“. Den Anstoß, sich in einem sozialen Jahr zu engagieren und zu orientieren, gab die Familie: „Komm, mach mal, du warst doch immer so ein sozialer Typ...“, schubste seine Mutter ihn an, wie Hartmann erzählt. Also machte er, bewarb sich als Bundesfreiwilligendienstler („Bufdi“) bei der Lebenshilfe und unterstützt seit Ende August vorigen Jahres die Pädagogen in den Klassen der Likedeeler Schule in Oyten.

In seiner 39-Stunden-Woche hilft der 20-Jährige den Schülern mit geistiger Behinderung bei der Bewältigung ihres Lernpensums im Unterricht, begleitet sie auf Ausflügen und zum Schwimmen ins Rotenburger Ronolulu und demnächst auf Klassenfahrt nach Lüneburg. Auch Wickeln und die Begleitung der Kinder zur Toilette gehören zu seinen Aufgaben. Ebenso die Mithilfe in der Küche. „Jeder Tag ist ein bisschen anders“, hat Moritz Hartmann festgestellt. Die Lernprozesse sind ebenso wie die Persönlichkeiten der Kinder höchst individuell, der Kontakt und die persönliche Bindung entsprechend intensiv. Das verlangt Einfühlungsvermögen, stellt eine immer neue Herausforderung dar, zum Beispiel bei der Betreuung eines autistischen Schülers – und es macht Moritz Hartmann hoch zufrieden. Die persönliche Beziehung zu den Kindern und was von ihnen zurückkommt – „das ist eine tolle Bestätigung, besser als der Kontostand am Monatsende“, sagt der 20-Jährige.

Bis Ende Juli ist er noch im Freiwilligendienst – am 1. August will er eine Ausbildung anfangen. Das mit der Planlosigkeit hat sich erledigt, weil sich dank der Erfahrungen in der Likedeeler Schule sein Berufswunsch geformt hat: „Ich will Heilerziehungspfleger werden“, sagt Moritz Hartmann. Seine Bewerbungen um einen Schulplatz laufen.

Zurzeit ist Hartmann einer von vier „Bufdis“ und FSJlern in den beiden Oytener Klassen der Likedeeler Schule. Und ohne die wäre der Alltag schwierig zu bewältigen. „Wir sind schon fest eingeplant und kriegen auch Verantwortung übertragen“, erzählt Moritz Hartmann. Eigenverantwortlich betreut er seine kleine Werkgruppe mit Janne, Katja und Silas, die im Rahmen der Kooperation immer dienstags zusammen mit Fünftklässlern der IGS Oyten im Werkraum hantieren. Und wenn die Pinguine fertig sind, geht’s hier übrigens weiter mit solargetriebenen Wackelkäfern...

Wie es dann ab Sommer weitergeht mit den Freiwilligendienstlern in der Likedeeler Schule, ist noch unklar – neue „Bufdis“ und FSJler dringend gesucht...

Die Likedeeler Schule

Die Likedeeler Schule der Lebenshilfe im Landkreis Verden ist eine anerkannte Tagesbildungsstätte für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung und eine Schule unter vielen Dächern: Die fünf Grundstufen und sechs Mittel- und Hauptstufen arbeiten mit sieben verschiedenen Regelschulen im Grundschul- und Sekundarbereich im Landkreis Verden zusammen – darunter mit dem Schulzentrum in Oyten. Die Likedeeler Schule betrachtet das gemeinsame Lernen in Form von Kooperation als den idealen Weg hin zum zentralen Ziel der Inklusion. Die Kooperation mit den Partnerschulen hat seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert: „Schulische Kooperation ist für uns das gemeinsame Leben, Spielen, Lernen und Arbeiten von behinderten und nicht behinderten Schülern im Rahmen von Schulleben und Unterricht“, heißt es in einer Information der Lebenshilfe. Eine Klasse der Likedeeler Schule besteht in der Regel aus acht Schülern, die von zwei Pädagogen sowie Unterstützungskräften unterrichtet und gefördert werden. Unverzichtbar sind dabei Freiwilligendienstler. Für alle Schulstandorte sowie für ihre Kitas sucht die Lebenshilfe stetig „Bufdis“ und FSJler. Für Auskünfte und Bewerbungen steht Diana Heise unter Telefon 04231-965647 und per E-Mail an: d.heise@lebenshilfe-verden.de zur Verfügung.

Bundesfreiwilligendienst und FSJ

Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren – im sozialen, ökologischen, sportlichen oder kulturellen Bereich. Die pädagogische Begleitung bereitet Freiwilligendienstler („Bufdi“) auf ihren Einsatz vor und bietet ihnen die Gelegenheit, außerhalb der praktischen Arbeit in der Einsatzstelle mal innezuhalten. Die „Bufdis“ erhalten neben kostenlosen Seminaren ein Taschengeld, dessen Höhe je nach Einsatzstelle unterschiedlich ist.

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bietet jungen Menschen nach der Schulzeit die Möglichkeit auszuprobieren, ob der angestrebte Beruf in verschiedensten Bereichen der Gesellschaft ihren Vorstellungen und Interessen entspricht. Neben den klassischen Einsatzfeldern in allen sozialen Bereichen wie in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten wird das FSJ mittlerweile auch in den Bereichen Sport, Kultur, Denkmalpflege und Politik angeboten. Eine wichtige Säule des FSJ ist die pädagogische Begleitung. Diese umfasst nicht nur die Anleitung durch Fachkräfte in den Einsatzstellen, sondern auch die Durchführung von Bildungsseminaren. Das FSJ ist somit als Bildungs- und Orientierungsjahr zu sehen. Dafür bewerben können sich junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren.

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