After-Christmas-Konzert in St. Petri

Mitreißend fröhlich – und mit sehr viel Tiefgang

Coche Ballesteros und Ulli Simon (rechts) sangen und spielten in traditionellen chilenischen Ponchos Weihnachtslieder aus Südamerika beim After-Christmas-Konzert in St. Petri Oyten. - Foto: Keppler
+
Coche Ballesteros und Ulli Simon (rechts) sangen und spielten in traditionellen chilenischen Ponchos Weihnachtslieder aus Südamerika beim After-Christmas-Konzert in St. Petri Oyten.

Oyten - Der chilenische Sänger und Liedermacher Ulli Simon ist eine feste musikalische Größe in der Region – und auch im Veranstaltungsprogramm von „Domino“, dem Arbeitskreis für Kunst und Musik in der ev. St.-Petri-Kirchengemeinde Oyten. Wenn Ulli Simon mit Melodien und Rhythmen aus Lateinamerika angekündigt ist, ist eine volle Kirche garantiert. So auch am Montagabend in St. Petri Oyten.

Für das diesjährige After-Christmas-Konzert zum Ausklang der Weihnachtsfeiertage hatte Ulli Simon seine langjährigen musikalischen Weggefährten Coche Ballesteros (Gitarre) und Ramón Gorigoitia (E-Piano) mitgebracht – und das Trio hatte ein mitreißendes Programm lateinamerikanischer Weihnachtslieder im Gepäck.

Mit einer Hommage an ihre geliebte Heimatstadt Valparaíso in Chile stiegen die Musiker in ihre Darbietung ein und schafften es aus dem Stand, dem Publikum südamerikanische Lebensfreude zu vermitteln. Als Meister auf der Zampona, einem Instrument, das der Panflöte sehr nahe ist, begleitete Ulli Simon die Gitarre und das E-Piano und holte damit die typischen Klänge seiner Heimat in die Oytener Kirche.

Auch Coche Ballesteros erwies sich als stimmgewaltig. Zusammen gelang es ihnen mühelos, das Kirchenschiff auszufüllen, so dass sie eigentlich keine Mikros gebraucht hätten. In ihren handgewebten Ponchos, die feinbestickt aus Chile stammen, verbreiteten die Tonkünstler am geschmückten Christbaum in dem von Kerzen erleuchteten Gotteshaus festliche Stimmung.

„Ay, Para Navidad“ und „La Anunciacion“, zwei Weihnachtslieder aus Argentinien, setzten das Programm fort, wobei Ulli Simon dafür zur Bombo Leguero, der großen Trommel, griff. Der Wahl-Bremer, der schon seit vielen Jahren an der Weser lebt, ist ein instrumentales Multitalent und baut viele lateinamerikanische Instrumente wie die Chachas aus Ziegenhufen oder die Kena, eine Flöte ohne Mundstück, selbst.

Natürlich durfte das berühmte „Feliz Navidad“ („Frohe Weihnachten“), die südamerikanische Weihnachtshymne, an dem Abend nicht fehlen. Es ist ein modernes Stück, das durch die Interpretation von José Feliciano zu großer Popularität gelangte und in der Weihnachtszeit aus allen Radios dudelt. Ulli Simon und seine Musiker sangen das Lied jedoch gefühlvoller, leidenschaftlicher und ohne dass dabei künstliche Weihnachtsbäume mit buntem Flitter vor dem geistigen Auge auftauchten.

„Duerme Negrito“, „Ojos Azules“ und „Papel de Plata“ waren im Bereich der Folklore angesiedelt, wobei weihnachtliche Melodien aus Südamerika in der Regel von schnellem Rhythmus und ansteckender Fröhlichkeit geprägt sind. Dem Publikum gefiel es – es belohnte die Musiker mit anhaltendem Applaus.

Ulli Simon wurde 1952 in Casablanca bei Valparaíso (Chile) geboren. Schon im Alter von zehn Jahren bewies er sein Talent als Solosänger im Dom von Valparaíso. Außerdem besuchte er das Konservatorium von Viña del Mar und war Mitglied des Kammerchors der „Universidad de Chile“ von Valparaíso. Ab 1968 war er Mitglied von „Los Andariegos de Pancho“. Als Vertreter der „Nueva Canción Chilena“ gaben sie zahlreiche Konzerte in ganz Chile. 1973 wurde der Name der Gruppe („Los Andariegos“ bedeutet „Die Umherziehenden“) zur bitteren Wirklichkeit: Der Militärputsch zwang Ulli Simon zur Emigration in die Bundesrepublik Deutschland, einige Bandmitglieder wurden inhaftiert. In Deutschland war Ulli Simon weiterhin aktiv. 1975 veröffentlichte er seine erste LP und brachte mit dem Erlös zwei Mitglieder von „Los Andariegos de Pancho“ nach Deutschland. 1983 gründete Ulli Simon mit Exilchilenen und Deutschen die Folkloregruppe „El Copihue“ in Bremen. Damit schuf er ein Forum, in dem traditionelle chilenische Folklore, Lieder und Tänze aufrechterhalten wurden. 

kr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Flüchtlingen droht Obdachlosigkeit

Flüchtlingen droht Obdachlosigkeit

Flüchtlingen droht Obdachlosigkeit
Glasfaser in Verden: Hausbesitzer reagieren irritiert

Glasfaser in Verden: Hausbesitzer reagieren irritiert

Glasfaser in Verden: Hausbesitzer reagieren irritiert
Serie Hinterm Tresen: Dogan Can vom „Kebap House“ in Verden

Serie Hinterm Tresen: Dogan Can vom „Kebap House“ in Verden

Serie Hinterm Tresen: Dogan Can vom „Kebap House“ in Verden
Wo im Kreis Verden die Hotspots liegen

Wo im Kreis Verden die Hotspots liegen

Wo im Kreis Verden die Hotspots liegen

Kommentare