„Alter Krug“ geschlossen

Schluss nach 350 Jahren Gasthaus-Tradition: „Mit Tränen in den Augen verabschiedet“

Gut zu tun hatte das Team um Küchenchef Matthias Bitter am allerletzten Öffnungstag des „Alten Krugs“ in Oyten.
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Gut zu tun hatte das Team um Küchenchef Matthias Bitter (4.v.r.) am allerletzten Öffnungstag des „Alten Krugs“ in Oyten.

Der „Alter Krug“ in Oyten ist geschlossen. Nach rund 350 Jahren ist das Gasthaus nunmehr Geschichte. Zum Abschied war das Haus brechend voll.

Oyten – Das Technische Hilfswerk ist an diesem Montag mit einem Transporter am „Alten Krug“ vorgefahren und lädt Berge von Essgeschirr ein. Jeder Teller für einen Euro. Andere stöbern beim Gastro-Flohmarkt im Saal nach Deko, Gläsern oder Tischdecken. Das Personal räumt die Küche aus und stellt haltbare Lebensmittel zum Verschenken bereit. „Heute Abend wird ausgewischt“, sagt Matthias Bitter leise. Am letzten Arbeitstag seiner Leute im „Alten Krug“ ist Kehraus und danach Feierabend – für immer. Das rund 350 Jahre alte Gasthaus an der Hauptstraße in Oyten ist geschlossen und Geschichte.

Offiziell läuft das renommierte Restaurant mit Clubräumen, Kegelbahn und Saalbetrieb bis zum Jahresende, macht aber ab sofort Betriebsferien. Das erste Mal seit ewigen Zeiten werden Gastwirt Matthias Bitter, seine Frau Sabine und ihre Angestellten über Weihnachten frei haben. So recht darüber freuen kann sich keiner von ihnen. Weniger bedrückend wäre der Abschied vom „Alten Krug“ nach 28 Jahren unter Regie von Inhaber Bitter, wenn sich eine Nachfolgeregelung gefunden hätte.

Letzter Saalbetrieb und Vereinslokal im Ortskern geschlossen: „Für Oyten eine Katastrophe“

Der Verlust des letzten Saalbetriebs und Vereinslokals im Ortskern sei „für Oyten eine Katastrophe“, weiß der Wirt. Aber trotz monatelanger Bemühungen konnte er keinen Betriebsnachfolger für das Gasthaus finden und bis heute auch keinen passenden Käufer für die Immobilie. Corona erschwerte das Unterfangen zusätzlich. „Wir hängen immer noch in der Luft“, sagt Bitter.

Einige Stammgäste seien vorige Woche nochmal extra jeden Tag zum Essen ins Lokal gekommen. Und am Samstag, dem letzten Öffnungstag, „war es brechend voll“, erzählt der 63-jährige Wirt und Küchenmeister, dessen Ruhestandspläne durch die Pandemie beschleunigt worden waren (wir berichteten). „Die Leute haben sich mit Tränen in den Augen von uns verabschiedet, aber die meisten haben auch Verständnis für die Schließung“, schildert Bitter und hat selber Tränen in den Augen. „Bis Sonntag früh um vier“ dauerte das Abschiednehmen im „Alten Krug“.

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Jetzt atmen Bitters erstmal durch, und Anfang des neuen Jahres geht das große Ausräumen weiter. „Wir bleiben im Haus, bis alles abgewickelt ist“ – erst danach will das Ehepaar aus seiner Wohnung über den geschlossenen Gaststättenräumen ausziehen. Was die Zukunft des historischen Gebäudes betrifft, „muss Anfang des Jahres eine Entscheidung her“, weiß Matthias Bitter. „So habe ich mir meinen Abschied auch nicht vorgestellt“, sagt er mit Blick auf insgesamt 49 Jahre Arbeit in der Gastronomie, davon 28 Jahre als Inhaber des „Alten Krugs“. Aber irgendwie, so findet Bitter, passt die Tristesse dieser Tage ins Bild der letzten zwei Jahre, in denen Corona die gesamte Branche gebeutelt hat.

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