Politik bringt neue Kita in Oyten auf den Weg / Dritte Fachkraft soll Gruppen schon vorher entlasten

Mehr Erzieher, weniger Kinder

Die Kita Oyter Mühle hinter der Wehlacker-Kreuzung hat die Gemeinde 2018 eingeweiht. Eine neue Kita könnte nun nach einem Vorschlag der Verwaltung auf der Sportanlage des TV Oyten entstehen. 
ARchiv
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Die Kita Oyter Mühle hinter der Wehlacker-Kreuzung hat die Gemeinde 2018 eingeweiht. Eine neue Kita könnte nun nach einem Vorschlag der Verwaltung auf der Sportanlage des TV Oyten entstehen. ARchiv

Oyten – Oyten braucht eine weitere Kindertagesstätte. So lautet die Quintessenz der Fachausschuss-Sitzung vom Montagabend. Bei der Frage, ob sie den Bau einer neuen Einrichtung wirklich angehen wollen, taten sich die Kommunalpolitiker aber schwer.

Zuerst stellte Daniel Moos, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste, Zahlenspiele vor, sprich: den Kindertagesstättenbedarfsplan für die nächsten Jahre. Demnach würden die Plätze bei einer Vollbelegung (25 Kinder pro Gruppe) für die nächsten zwei Jahre ausreichen. Bei einem errechneten Bedarf von 493 Plätzen stehen im Kita-Jahr 2021/22 insgesamt 508, also 15 freie Plätze zur Verfügung. Im Kindergartenjahr 2023/24 werden die Plätze nicht reichen (vier Plätze zu wenig), 2024/25 entspanne sich die Entwicklung wieder (voraussichtlich 498 Plätze, Bedarf: 485, also 14 freie Plätze). Bei den Krippengruppen ist laut Moos zu erwarten, dass die vorhandenen Plätze den Betreuungsbedarf nicht decken können. 210 Plätze stehen zur Verfügung, wobei der Bedarf bereits 2021/22 auf 214 geschätzt wird, dann also bereits vier Plätze fehlen.

Die räumlichen Erweiterungsmöglichkeiten an den sieben Oytener Kitas seien beschränkt (laut Moos nur denkbar an der Kita Sagehorn und dem katholischen Kindergarten). Zudem plant die Gemeinde, das Nebenhaus zur Kita Pestalozzistraße mit Ende des Mietzeitraums aufzugeben. Auch an der Kita Oyter Mühle fällt Mitte 2032 eine halbe Gruppe wegen befristeter Nutzung weg.

Verschärfend wirkt die politisch gewollte Platzreduzierung in den Kindergartengruppen. Demnach soll für einen besseren Betreuungsschlüssel die Gruppengröße auf 20 Kinder gesenkt werden. Dies sei im Bedarfsplan noch nicht berücksichtigt. „Um alle Kindergartengruppen auf 20 Plätze und die Kindergartengruppe Am Berg auf 18 Plätze zu reduzieren, werden 92 weitere Plätze in neu zu schaffenden Kindergartengruppen benötigt“, rechnete Moos vor.

Als Lösungsansatz präsentierte Moos zum einen den Einsatz einer dritten Fachkraft in den Kindergartengruppen. Dafür sprechen sich auch die Kita-Leitungen aus. In bis zu sieben Gruppen könne auf eine Platzreduzierung verzichtet, also weiterhin bis zu 25 Kinder betreut werden. So müssen Moos zufolge nur 33 Kita-Plätze geschaffen werden. Lösungsansatz Nummer zwei wäre der Bau einer weiteren Kindertagesstätte mit sechs Gruppen. Das Raumkonzept könne kostensparend an den Bau der Kita Oyter Mühle angelehnt werden. Als Standort sei die Sportanlage des Sportzentrums Oyten vorstellbar. So sei ein konzeptioneller Schwerpunkt auf Bewegung naheliegend. Eine Kooperation mit dem TV Oyten ist angedacht. Dem Wunsch der Kita-Leiterinnen entsprechend, sollen die Gruppen in großer Altersmischung organisiert werden. Als Übergangslösung für die Platzreduzierung würde die Gemeinde bereits ab Sommer 2021 vier neue Erzieherinnen an ihren bestehenden Kitas einstellen. Die Einstellung dieser „dritten Kräfte“ würde die Gemeinde 170 000 Euro kosten und 409 500 Euro Folgekosten ab 2022 nach sich ziehen.

„Keiner weiß, welche Auswirkungen Covid-19 hat“, sagte Bürgermeisterin Sandra Röse (CDU). Klar sei aber, „dass die Abhängigkeit von und die Erwartungen an die Kitas seitens der Eltern steigen wird“. Für die Gemeinde sei es daher zwingend erforderlich, mit guten Arbeitsbedingungen zu punkten, um Fachkräfte zu binden.

Ingo Köhn (AfD) führte auch das Coronavirus ins Feld: „Wir wissen nicht, was Corona für wirtschaftliche Auswirkungen haben wird.“ Er plädierte für ein ÖPP-Modell zur Finanzierung. In diesem Fall würde ein Investor die Einrichtung bauen und die Gemeinde sie über einen Nutzungszeitraum abzahlen.

„ÖPP ist sowas von 90er,“ entgegnete der Ausschussvorsitzende Ralf Großklaus (SPD). In Zeiten niedriger Zinsen sei es viel günstiger, selbst zu investieren. Hubert Dapper (Die Grünen) teilte diese Meinung: „Besser kann man nicht investieren als jetzt.“ Auch Nicola Beneke (SPD) appellierte: „Wir sollten jetzt anfangen zu planen, um nicht später in Zeitverzug zu kommen.“

Cornelius Traupe (CDU) wollte zuerst eine Einschätzung von Kämmerin Cordula Schröder zu den finanziellen Folgen. „Wie können wir das finanzieren, ohne dass wir in die Verschuldung geraten?“, fragte auch Reinhard Lueßen (CDU). Er schlug vor, nur über die dritte Fachkraft abzustimmen und die restlichen zu beschließenden Punkte wieder in die Fraktionen zu geben. Diesem Antrag hätten sich beinahe weitere Fraktionen (Grüne, FDP) angeschlossen.

Auf Drängen von Ralf Großklaus, die Beschlussvorlage von „es wird eine weitere Kindertagesstätte gebaut“ in „benötigt“ zu ändern, kam es doch noch zum Votum. Das Gremium stimmte mehrheitlich dafür, den Kita-Standort auf der Sportanlage zu prüfen und eine dritte Kraft einzustellen. Der Vorschlag, zur Finanzierung einer Kita ein ÖPP-Modell zu prüfen, wurde abgelehnt.

Beraten wird darüber erneut im Fachausschuss am 16. November, das letzte Wort hat der Rat am 23. November.

Von Lisa Duncan

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