Zeitungszusteller Kurt Mahnke will Autofahrer warnen / Maschendraht oder Fallen helfen

Marder breiten sich in Bassen aus

Sie machen Lärm, hinterlassen Dreck und knabbern Autokabel an: Marder sind für viele Menschen ein Ärgernis. Dieser Steinmarder kaut vermutlich kein Gummi – er sitzt in einem Gehege im Ottenzentrum Hankensbüttel.  
Foto: dpa
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Sie machen Lärm, hinterlassen Dreck und knabbern Autokabel an: Marder sind für viele Menschen ein Ärgernis. Dieser Steinmarder kaut vermutlich kein Gummi – er sitzt in einem Gehege im Ottenzentrum Hankensbüttel. Foto: dpa

Bassen – Wenn Kurt Mahnke frühmorgens mit dem Roller Zeitungen in Bassen verteilt, laufen ihm besonders zu dieser Jahreszeit kleine, flinke Tiere über den Weg. „Ich dachte erst, es wären Katzen. Konnte dann aber im Scheinwerferlicht erkennen, dass es Marder sind“, erzählt der Schaphuser. Gerade in Bassen sei verstärkt zu beobachten, wie die „Räuber“ unter Autos hervorlugen und rasch in die schützende Dunkelheit flüchten. Um die Anwohner, die ihre Autos Mahnke zufolge meist draußen stehen lassen, zu warnen, steckte er schon Zettel in seinem Verteilgebiet, am Lönsweg, Grenzweg und Heidkamp, in die Briefkästen. „Bei der heutigen Technik in den Autos können Marder erheblichen Schaden anrichten. Da können schon ein paar Hundert Euro an Reparaturen zusammenkommen“, so Mahnke.

Ob Benzinleitung oder Kühlwasserschlauch – Marder, die sich des Nachts in noch warmen Motorhauben einnisten, sind da anscheinend nicht wählerisch. „Es wird vermutet, dass das mit dem Weichmacher im Gummi zu tun hat. Aber ihre Lieblingsspeise sind Eier“, sagt Kuno Gätje, Obmann für die Jungjägerausbildung bei der Kreisjägerschaft Verden sowie selbst aktiver Jäger und Fallensteller aus Langwedel. Auch Futterneid gegenüber Rivalen könne beim Kabelverbiss eine Rolle spielen, ergänzt Gätje.

Während Baummarder nur im Wald vorkommen, sind die Steinmarder, auch Hausmarder genannt, „Kulturfolger“. Auf der Suche nach Nahrung begannen sie irgendwann an die Dorfränder vorzudringen und wurden in Dachböden oder Gärten mit Komposthaufen heimisch, erläutert Gätje. Oft nutzen die Tiere, die mühelos durch ein Loch vom Durchmesser einer Zigarettenschachtel schlüpfen können, auch den Motorraum eines Autos als vorübergehenden Unterschlupf.

Was aber können Autobesitzer gegen diese ungewollten Untermieter tun? Im Prinzip gibt es zwei Methoden: Vergrämen oder Fallenstellen. Zum einen können elektronische Geräte oder Sprays, die Schall- oder Geruchsreize absondern, die Marder abschrecken. „Das hilft vor allem dem, der es verkauft“, findet Gätje. „Wenn überhaupt, haben solche Mittel eine vorübergehende Wirkung, an die sich die Tiere schnell gewöhnen.“ Wirksamer sei es, das Auto in der Garage oder auf einem engmaschigen Maschendraht (Hühnerdraht) abzustellen. „Das betreten sie nicht gerne, weil sie sonst auf Wald und Wiese laufen.“

Wer im Fallenstellen geschult ist, kann auch eine Marderfalle aufstellen: laut Gätje eine längliche Kiste, meist aus leichtem Drahtgestell gebaut, in deren Mitte eine Wippe mit Köder platziert ist. Sobald diese ausgelöst wird, schnappt die Falle zu. „Wenn man einen Marder lebend fängt, muss er aber unversehrt sein, das heißt auch psychisch unversehrt“, erläutert Gätje. Denn Tierquälerei verstoße gegen das Tierschutzgesetz, nach dem man ein „Wirbeltier ohne vernünftigen Grund nicht töten darf“. Damit die gefangenen Marder nicht in Panik verfallen, wird daher empfohlen, das Drahtgestell, beispielsweise mit einem Jutesack, abzudunkeln.

Viele Jäger stellen tödliche Fallen auf, die sogenannten Ei-Abzugs-Eisen, die man sich wie eine überdimensionierte Mausefalle vorstellen muss – mit dem Unterschied, dass nicht ein, sondern zwei Bügel in der Mitte zusammenschlagen. „Nach 180 Sekunden ist das Tier tot, aber zuerst wird es bewusstlos“, so Gätje. Eine solche Konstruktion darf aber nicht offen aufgestellt werden; es besteht das Risiko, dass sich Haustiere oder gar Kinder verletzen. Als Schutz kann ein Bunker mit einem Eingang von höchstens acht Zentimetern dienen – für Katzen oder Arme eindeutig zu klein. Die Marder-Tötung berge aber noch einen anderen Nachteil für den Haus- oder Autobesitzer: „Wenn man einen umbringt, kommen in der Regel fünf zur Beerdigung“, umschreibt Gätje die Neigung der Artgenossen, ein Revier zu übernehmen.

In der Jungjägerausbildung stehe daher als sicherste Methode die Lebendfalle auf dem Lehrplan. Die Kreisjägerschaft hat laut Gätje als anerkannter Naturschutzverband die Aufgabe, die Bodenbrüter, darunter auch Singvögel, vor Prädatoren (Dachse, Marder, Füchse) zu schützen. „Die Jagd- und Schonzeiten sind dabei aber zu beachten.“

Von Lisa Duncan

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