Bürgerinitiative „Keine Windräder am Bultensee“ will Bau mit allen Mitteln verhindern

„Mag mir nicht vorstellen, wie die Vögel ins Windrad fliegen“

Kein Windrad am Bultensee: Dafür kämpfen (v.li.) Werner Martin, Stephan Hagemann, Joerg Dudziak und Erika Habekost. Das Land Bremen plant die Zulassung einer rund 180 Meter hohen Windkraftanlage mitten im Landschaftsschutzgebiet an der Landesgrenze zum niedersächsischen Oyten. Die Grenze markiert ungefähr die Hecke hinter den letzten Strohrollen im Hintergrund. - Foto: Holthusen

Oyten - Von Petra Holthusen. Zu Tausenden ziehen Kanadagänse, Störche, Kraniche, Schwäne und Graugänse im Frühjahr und Herbst über das Haus von Werner Martin. Seit 27 Jahren lebt Martin an der Straße „Zum Behlingsee“ im Oytener Westen an der Landesgrenze zu Bremen.

Und so lange beobachtet er die Schwärme von Zugvögeln, die vielfach im geschützten Überschwemmungsgebiet auf Bremer Seite Rast machen. „Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie diese Vögel in das Windrad fliegen“, graust es Martin. Das grausame Vogelsterben droht, wenn Bremen die geplante Mega-Windkraftanlage im Schutzgebiet Bultensee bauen lässt, sagt Martin. Er und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative „Keine Windräder am Bultensee“ wehren sich vehement gegen das Vorhaben.

Der Initiative gehören sowohl Oytener wie Werner Martin und sein Fast-Nachbar Joerg Dudziak an als auch quasi in Sichtweite wohnende Bremer wie Stephan Hagemann und Erika Habekost von der Nachbarschaft Bultenweg. Die kennt sich aus mit dem Schutz der feuchten Niederung zwischen Bremer Bultensee und Oytener Königsmoor, seit hier 2002 der Bau einer Schrebergartenkolonie verhindert wurde.

Jetzt weist der Flächennutzungsplan der Stadt Bremen auf dieser unter Schutz gestellten, oft gefluteten Niederung in unmittelbarer Nähe von Schutzgebieten wie dem Königsmoor und den Wümmewiesen sowie Naherholungsgebieten wie dem Behlingsee eine Vorrangfläche für Windenergienutzung aus. Nach Kenntnis der Bürgerinitiative ist ein Windrad mit 180 Metern Gesamthöhe geplant. „Doppelt so hoch wie der Bremer Dom“, veranschaulicht Martin. Den Gegnern gehe es aber nicht um Einschränkungen für Anwohner, betont Dudziak, sondern um den massiven Eingriff in das Landschaftsschutzgesetz.

Laut Erläuterungen im Bremer Flächennutzungsplan – gegen den in punkto Windkraft an der Landesgrenze die Gemeinde Oyten und die Naturschutzbehörde des Kreises schon 2013 Einwände geltend gemacht haben – ist den Bremern bewusst, dass besagte Fläche im ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet und im Landschaftsschutzgebiet liegt – und Bauvorhaben dort grundsätzlich untersagt sind. Bremen gewichtet jedoch die Erfüllung seiner Klimaschutzziele höher und erwartet für den Bau einer Windenergieanlage auf dieser als geeignet ausgemachten Fläche eine „Ausnahme von den Verboten“. Die zuständigen Fachbehörden hätten eine Befreiung in Aussicht gestellt, sofern im immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren „das überwiegende öffentliche Interesse“ an der Anlage festgestellt werde, heißt es in den Planunterlagen.

Das Windrad werde zwar im Landschaftsschutzgebiet sichtbar sein, stelle aber keine Beeinträchtigung der Schutzziele dar, meinen die Bremer Planer. Gleichzeitig jedoch räumen sie „erhebliche Beeinträchtigungen von Rastvögeln sowie Konflikte mit Fledermäusen“ ein. „Scheuchwirkungen und Schlagrisiken“ für die Tiere solle mit Abschaltzeiten begegnet werden, heißt es.

Aktivisten fordern vom Senat Stopp der Pläne

Das halten Martin und seine Mitstreiter für Unsinn: Die zahllosen Vögel in der Region melden ihren Überflug schließlich nicht vorher an. Ungeheuerlich finden sie die Aussage der Bremer, dass zugegebene „Informationslücken über die Flugbewegungen von Rastvögeln“ ja im Genehmigungsverfahren geschlossen werden könnten. „Sowas muss doch vorher geklärt werden!“, kritisiert Dudziak. Hagemann befürchtet noch weitergehende Beeinträchtigungen für die vielen Vögel und Wildtiere – wie hochfrequente Geräusche, die von der Anlage ausgingen, und Schwingungen, die das Fundament mit seinen 30 Metern Durchmesser auf den Boden übertrage.

Die Bürgerinitiative verlangt vom Bremer Senat, die Pläne zum Ausbau der Windenergie, die sie grundsätzlich unterstützt, „an einem besser geeigneten Standort umzusetzen“. Martin hat auch bei Bau- und Umweltsenator Lohse um einen Gesprächstermin gebeten – aber bis heute keine Rückmeldung.

Intensiv suchen die Aktivisten nach Verbündeten bei Naturschutzverbänden und bei hiesigen Behörden. Aus dem Oytener Rathaus verlautete allerdings zuletzt, dass die erforderliche verkehrliche Erschließung der Windkraftanlage über die Gemeindestraße „Zum Behlingsee“ aus rechtlichen Gründen nicht versagt werden könne.

Auch eine Unterschriftenliste hat die Bürgerinitiative in Arbeit. Ansprechpartner sind Werner Martin unter Telefon 04207-5614 und Joerg Dudziak unter Telefon 04207-687634 sowie per E-Mail an: keinewindraeder-bultensee@gmx.de. „Wir sind festen Willens, alles Erdenkliche zu tun, um den Schaden für diese wichtige Region abzuwenden – wenn es sein muss, auch mit gerichtlicher Hilfe“, kündigt Martin an.

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