Freispruch im Landgericht

Lautes Gebrüll im Gericht: „Mann, die da waren das!“

Sagehorn/Verden - Turbulente Berufungsverhandlung am Landgericht Verden: Es ging um den Diebstahl eines Kühlschranks und einer Küchenzeile. Der Eigentümer will einem fahrenden Schrotthändler aus Bremen erlaubt haben, diverses Altmetall mitzunehmen, aber nicht diese beiden Teile. Am Ende waren sie doch weg, und der 67 Jahre alte Geschädigte aus Sagehorn ist nach mehr als einem Jahr immer noch wütend.

Das war bei seiner Aussage deutlich zu merken. Ein 28-jähriger Schrotthändler aus Bremen war in erster Instanz vom Amtsgericht Achim wegen Diebstahls zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Anders als damals behauptete er jetzt in der Berufungsverhandlung, dass er gar nicht vor Ort gewesen sei. Das seien seine beiden jüngeren Brüder gewesen.

Davon habe er in erster Instanz nichts gesagt, weil sein Vater ihn darum gebeten habe. Grund sei der damals noch prekäre Aufenthaltsstatus der Brüder gewesen.

Die Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe habe ihn überrascht und zum Umdenken gebracht. „Drei Jahre lang darf nichts passieren, sonst bin ich drei Monate weg“, war dem Angeklagten klar. Das Risiko wolle er nicht eingehen. „Er wollte den Kopf nicht mehr hinhalten für seine Brüder“, verdeutlichte der Verteidiger.

Vier Brüder, die sich ähnlich sehen

Gleichzeitig zeigte sich der Angeklagte davon überzeugt, dass seine Brüder nichts gestohlen hätten. Daran konnte auch der Hinweis des Vorsitzenden Richters Lars Engelke nichts ändern, dass sich der 28-Jährige selbst und möglicherweise noch andere Familienmitglieder in die Gefahr einer weiteren Strafverfolgung bringen könnte, denn beim Amtsgericht hatte er zumindest eingeräumt, in Oyten gewesen zu sein.

In Achimer hatte sich mit ihm ein weiterer Bruder verantworten müssen. Dieser war freigesprochen worden, nachdem der Geschädigte den auf dem Flur wartenden Bruder als zweiten Täter identifiziert hatte. Zumindest Ähnlichkeiten unter den insgesamt vier Brüdern waren nach der Vorlage von Familienfotos unstrittig.

Als der Sagehorner als Zeuge gehört wurde, war das Chaos perfekt. Der 67-Jährige wirkte von Beginn an ziemlich gereizt. Er schilderte, wie er damals mehrfach angerufen worden sei. Er habe sich breitschlagen lassen und erlaubt, einige Teile mitzunehmen, aber nicht die wertvolleren Sachen. Von 500 Euro sprach der 67-Jährige.

Der Vorsitzende versuchte, ihm die Problematik zu erklären. doch dem älteren Mann platzte der Kragen. „Mann, die Beiden waren das. Verdammte Kiste. Das letzte Mal haben sie da den Falschen hingesetzt.“

Der Zeuge wurde immer lauter. Der Angeklagte konterte. Das Gebrüll wurde plötzlich von dem Vorsitzenden übertönt. „Ruhe! Schluss jetzt! Raus!“, rief der Richter und sorgte für Ruhe. „Jetzt sind wir wieder Freunde“, signalisierte er dem danach deutlich entspannteren Zeugen.

Die Verurteilung in erster Instanz stützte sich insbesondere auf die Aussage einer Augenzeugin, die damals ein Firmenfahrzeug der allesamt als Schrotthändler tätigen Angeklagten gesehen haben will. Im Landgericht bestätigte sie nicht mehr, dass die Schrotthändler noch einmal zurückgekehrt seien.

Der Angeklagte war daher freizusprechen und die Frage, wer die Diebe waren, bleibt ungeklärt.

wb

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Sommerfest der SPD in Verden 

Sommerfest der SPD in Verden 

Einweihung des Feuerwehrhauses Leeste

Einweihung des Feuerwehrhauses Leeste

Zeremonie für Friedens-Buddha in Bremen

Zeremonie für Friedens-Buddha in Bremen

Meistgelesene Artikel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

Weinfest in Achim: „Königin“ gibt sich die Ehre

Weinfest in Achim: „Königin“ gibt sich die Ehre

Wildwest im Steinweg

Wildwest im Steinweg

Seehund beißt Schwimmer in den Arm

Seehund beißt Schwimmer in den Arm

Kommentare