Kunstverein Fischerhude würdigt die Lebenswerke dreier starker Persönlichkeiten

Sommerliches Füllhorn mit Frauenfiguren im Fokus

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Clara Rilke-Westhoff: Cato Bontjes van Beek, 1939

Fischerhude - Starke Frauen, in der Kunst wie im Leben, stehen im Mittelpunkt des Sommerprogramms beim Fischerhuder Kunstverein. Dagmar Brendecke hat die Geschichte der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek filmisch aufbereitet. Anlässlich der Ernennung des Frauen-Orts Fischerhude/Achim befasst sich der Kunstverein einen Abend lang damit. Darüber hinaus werden Fischerhuder und Hiddenseer Malerinnen in einer Schau gegenübergestellt. Und als absolutes Novum zeigt der Kunstverein Werke aus dem Nachlass von Marie Fritsch – erstmals im Malerort Fischerhude.

Am Sonnabend, 20. Juni, um 16 Uhr öffnet der Fischerhuder Kunstverein in Buthmanns Hof mit malerischen Flötentönen von Gudrun Wagner aus Ottersberg sein sommerliches Füllhorn, dem gleich drei Ausstellungs-Kostbarkeiten entströmen:

„Cato Bontjes van Beek (1920-1943) und ihr Umfeld“, begleitet von der Erstausgabe der Film-DVD „Gegen den Strom“ der Berliner Regisseurin Dagmar Brendecke; der „Hiddenseer Künstlerinnenbund und die Fischerhuder Malerinnen“ sowie und „Marie Fritsch (1877-1943)“, deren Nachlass dem Kunstverein brandfrisch anvertraut wurde. Die Eröffnungsrede hält Petra Hempel. Bürgermeister Horst Hofmann begrüßt das Publikum.

Seitdem bekannt wurde, dass Ottersberg in diesem Jahr einer der 25 Frauenorte Niedersachsens ist, ohne dass die Wanderausstellung hier Station macht, packte der Kunstverein zu und nahm zur Familie von Cato den Kontakt auf, um eine Dokumentation ihres kurzen Lebens mit dem künstlerischen Umfeld ihrer Mutter, ihres Vaters, ihrer Schwester und ihrer Tante zu verbinden.

Der gute Kontakt des Kunstvereins zur Regisseurin des preisgekrönten Cato-Filmes ließ weitere Ideen einer nachhaltigen Beschäftigung mit Cato sprießen: Der Kunstverein bestellte eine 45-minütige DVD, die während der Ausstellung gekauft werden kann, außerdem wird der Film am 24. Juni um 19.30 Uhr in Buthmanns Hof gezeigt.

An ihrem Todestag, dem 5. August, findet eine Lesung der Briefe statt, die zwischen Cato und ihrem Cousin Ulrich Modersohn hin und her gingen. Als Sprecher suchte der Verein zwei Schüler vom Gymnasium Ottersberg.

Bei seiner Beschäftigung mit der Fischerhuder Malerin Bertha Schilling stieß der Kunstverein auf Gemälde, die nicht in Fischerhude entstanden sein konnten. Die „Bismarck-Düne“ der Malerin wies eindeutig auf Hiddensee.

Mit Fischerhude und

Hiddensee verbunden

Zwei weitere Bilder aus Hiddensee aus den zwanziger Jahren tauchten auf, um die alte Vermutung eines Hiddensee-Experten zu belegen, dass die Fischerhuder Malerin und ihre Nachbarin Else Pauls Mitglied im Hiddenseer Künstlerinnenbund waren. Pauls war gebürtige Stralsunderin wie Elisabeth Büchsel – eine zentrale Figur des Künstlerinnenbundes.

Und schon war die Idee geboren, die wunderbare Bilderwelt der Hiddenseer Malerinnen mit den Fischerhuder Frauen gegenüber zu stellen. Dass die namhaften Hiddenseer Malerinnen Jüdinnen waren, denen teilweise unter den Nazis Malverbot und Tod im KZ beschert war wie Julie Wolfthorn, Clara Arnheim, Katharina Bamberg und Käthe Loewenthal, ist eine traurige Parallele zum Schicksal von Cato.

Die Fischerhuder Malerin Marie Fritsch bildet im Giebel den dritten Strauß im Wunderhorn. Die Nachlass- erben in Konstanz hatten bereits 2014 dem Kunstverein drei pralle Mappen mit Zeichnungen und Gemälden als Dauerleihgabe überreicht.

Noch nie hat es von der seinerzeit in der Fischerhuder Surheide lebenden Künstlerin eine eigene Ausstellung im Malerort gegeben. Mit der aus Berlin stammenden Zeichenlehrerin, die sich besonders auf Kinderbilder verstand, rundet sich der überbordende Sommerstrauß.

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