Tierliebe Dame aus Bassen ist verstorben

Wer kümmert sich nun um wild lebende Katzen?

+
Wild lebende Katzen hat jahrelang eine Dame im Oytener Industriegebiet gefüttert. Nach dem Tod der Tierliebhaberin muss den Tieren, gerade jetzt im Winter, eigentlich geholfen werden. Die Gemeindeverwaltung ist eingeschaltet worden.

Oyten - Von Lisa Duncan. Beinahe täglich, und das etwa zehn Jahre lang, kam eine tierliebe Bassenerin an die Lübkemannstraße im Oytener Industriegebiet, um dort neun wild lebende Katzen zu füttern. Nun ist die Frau, die in ihrer 70-Quadratmeter-Wohnung eigene Katzen (zuletzt 21 an der Zahl) versorgte, im Alter von 72 Jahren verstorben. Der Fall rief Melanie Windolf, Hobby-Tierschützerin und Vorsitzende des Vereins „Tierhilfe Achim“ auf den Plan. Sie fragt sich: Was passiert nun mit den wild lebenden Katzen? Wer kümmert sich um sie? „Man sollte sie entweder alle einfangen oder eine Futterstelle für sie einrichten“, findet die Achimerin.

Für die Hauskatzen hat die Gemeinde Oyten eine Nachlasspflegschaft beim Amtsgericht Achim in Auftrag gegeben, berichtet Axel Junge vom Fachbereich Bürgerservice in der Gemeindeverwaltung. Da es keine engeren Angehörigen gibt, die die Pflegschaft übernehmen könnten, kamen die Katzen ins Tierheim Verden. Dem Veterinäramt Verden sei diese Tierhaltung bekannt, sagt Junge. „Ich meine das nicht wertend. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Katzen vernachlässigt wurden“, fügt er hinzu.

Kann die Gemeinde eine Futterstelle für wild lebende Katzen einrichten? „Das habe ich noch nie gehört. Und wir würden sowas auch nicht machen“, sagt Junge. Stattdessen bringt er präventive Maßnahmen wie Kastration ins Spiel, mit dem sich eine übermäßige Vermehrung der Tiere eindämmen ließe. Letztlich sei die Gemeinde jedoch nur ordnungstechnisch verantwortlich. Für die Umsetzung solcher Maßnahmen bestehe ein Vertrag mit dem Tierheim Verden.

In Oyten sei dies auch kein nennenswertes Problem. Fälle von massenhaft wild lebenden Katzen „gibt es vielleicht in anderen Kommunen, aber bei uns nicht“, so Junge. Auch bei der Überführung der Tiere sei im aktuellen Fall „alles sauber gelaufen“.

Das sieht die „Tierhilfe“-Vorsitzende Melanie Windolf etwas anders: „Eine der Katzen befand sich zu der Zeit, als die Tierhaltung in der Wohnung aufgelöst wurde, draußen und wurde nicht mitgenommen.“

„Manchmal ist das sehr schwer zu unterscheiden“

Aber wo zieht man die Trennlinie zwischen wild lebenden und domestizierten Katzen? Laut dem Veterinäramt Verden, das sich zu dem Fall aus Bassen nicht äußern möchte, liegt hier genau das Problem. „Manchmal ist das sehr schwer zu unterscheiden“, heißt es von der Behörde. Denn sobald ein Mensch einen Futternapf rausstellt, um Streuner zu füttern, kommt das Tier in Obhut dieses Menschen. Das begründet zwar noch keinen Besitz, kommt dem aber schon nahe. Wie kompliziert die Gesetzeslage ist, verdeutlicht § 960, Absatz 3 des BGB: Demzufolge sind „gezähmte Tiere, d. h. Tiere die psychisch an den Menschen gewöhnt sind und deswegen an einen bestimmten Ort zurückkehren, nicht herrenlos. Sobald diese Tiere aber diese Gewohnheit ablegen, werden sie wieder herrenlos.“ Ein Problem der Zuständigkeiten: Denn sofern Haustiere vernachlässigt werden, muss das Veterinäramt eingreifen, doch bei wild lebenden Tieren bestehe diese Verantwortung nicht, gibt das Veterinäramt an. Die Einrichtung von Futterstellen sei vom Landkreis Verden ebenfalls nicht vorgesehen.

Die Krux: Die frei umherlaufenden Katzen sind laut Melanie Windolf krank. Sie leiden an Katzenschnupfen, was gerade für Jungkatzen sehr bedrohlich sein kann. Unter den streundenden Katzen befinden sich mindestens sechs Jungtiere. Aufgrund ihrer Erkrankungen könnten diese sich nicht selbst, etwa durch Mäuse fangen, versorgen, sagt Windolf.

Styroporboxen für Futter in anderen Kommunen

Futterstellen seien in anderen Kommunen üblich, weiß Windolf zudem. „Das sind Styroporboxen, in denen die Tiere vor Wind und Wetter geschützt sind.“ Um an die Futternäpfe zu kommen, sollten die Katzen sich einmal drehen und auch wieder herauskommen können. „Natürlich sollten die Tiere zuvor einmal gefangen, behandelt und kastriert werden“, räumt sie ein. Sofern man eine Futterstelle einrichten würde, könnte Melanie Windolf sich zunächst darum kümmern, „bis jemand anders dafür gefunden ist.“

Die Tierhilfe Achim, die sich nur als Berater und Überführer von in Not geratenen Tieren sieht, ohne ihnen dauerhaftes Asyl geben zu wollen, würde das Einfangen auch stellvertretend das Verdener Tierheim übernehmen. Geräte wie Lebendfallen oder Fangnetze seien vorhanden. Windolf könnte sich vorstellen, dass sich diese Katzen, sobald sie medizinisch versorgt sind, etwa als Mäusefänger auf einem Bauernhof vermitteln ließen. Was die vergessene Hauskatze angehe, handle es sich um ein zahmes Tier, das sicher vermittelt werden könne.

Das Vorurteil, dass wild lebende Katzen Schädlinge wie Ratten anziehen, möchte sie zudem entkräften. „Wir haben sechs Wochen lang täglich Kameras aufgestellt, die bei Bewegung Tag und Nacht auslösen. Dabei haben wir, außer den Katzen, nur Igel und vielleicht hin und wieder Elstern, beobachtet.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Werder-Wechsel zu Bayern

Werder-Wechsel zu Bayern

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Rope Skipping: Seilspringen liegt wieder im Trend

Rope Skipping: Seilspringen liegt wieder im Trend

Meistgelesene Artikel

Frühaufsteher sauer: Keine Brötchen mehr vor sieben Uhr

Frühaufsteher sauer: Keine Brötchen mehr vor sieben Uhr

Bedrängt und ausgebremst: Polizei sucht rücksichtslose Autofahrer

Bedrängt und ausgebremst: Polizei sucht rücksichtslose Autofahrer

Neujahrsempfang von Gemeinde und VDS in Dörverden

Neujahrsempfang von Gemeinde und VDS in Dörverden

Pro und Kontra: Soll das Podest vor dem Rathaus in Verden weg?

Pro und Kontra: Soll das Podest vor dem Rathaus in Verden weg?

Kommentare