Schulpädagogin Margret Rasfeld referiert an der IGS Oyten über neue Lernmethoden

Kritisches Denken schlägt vorauseilenden Gehorsam

Wie kann Schule positiv auf die Persönlichkeitsbildung einwirken? Referentin Margret Rasfeld leitete eine Reformschule in Berlin Zentrum. - Fotos: Hägermann

Oyten - Von Bernd Hägermann. Wenige Tage vor den Ferien und überhaupt werden Bestätigungen und Anerkennung für das eigene schulpädagogische Konzept gerne gehört. Am liebsten aus berufenem Mund. Am Mittwoch besuchte Margret Rasfeld die Integrierte Gesamtschule (IGS) Oyten. Sie war bis vor wenigen Monaten Schulleiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, einer „Reform-Schule mit radikalem Wandel der Lernkultur“ und dem Maßstab des christlichen Glaubens für Lernen und Handeln. Überregionale Bekanntheit erlangte Rasfeld als Gründerin der Initiative „Schule im Aufbruch“.

Die redet neuen Lehrmethoden das Wort und kritisiert zum Beispiel ständige Konditionierungen und Leistungsvergleiche. Etliche Kriterien für ein besseres Lernen sieht Margret Rasfeld an der IGS Oyten erfüllt. In einem Vortrag vor dreißig Schülerinnen und Schülern des neunten Jahrgangs der IGS gab die Pädagogin und Buchautorin vor allem Antworten auf die Frage „Welche Persönlichkeiten braucht die Gesellschaft?“ Vor allem solche, die den immensen globalen Herausforderungen gewachsen sind und gemeinsam mit anderen schnell wirksame Lösungen auf den Weg bringen, denn: „Wir beuten unseren Planeten aus.“ Und: „Der Einzelne kann sehr wohl etwas bewirken.“

Magret Rasfeld spricht nicht nur an Schulen, sondern auch in Unternehmen und vor deren Vertretern. Bei vielen Arbeitsdirektoren und Personalmanagern habe ein Umdenken eingesetzt, das angelernte Wissen an Bedeutung verloren. Schließlich seien zehn Jahre nach einem Abitur nur noch fünf Prozent des Schulwissens vorhanden, rechnete Rasfeld vor.

Die großen Ressourcen für die Zukunft hießen Kreativität und soziale Kompetenz. Unternehmenslenker erwarteten Eigeninitiative, Persönlichkeit sowie die Bereitschaft für Veränderungen. Das Einrichten in bequemer Routine sei ebenso nicht mehr zeitgemäß wie Denkblockaden, die sich durch die Angst, Fehler zu machen, immer mehr verfestigen.

Stoff zum Nachdenken lieferte Rasfeld den jungen Zuhörern an der IGS Oyten.

„In Deutschland herrscht eine große Fehlerangst“, weiß Margret Rasfeld, die in diesem Zusammenhang die Geschichte eines jungen Mannes erzählte, den die Personalverantwortlichen der Lufthansa ins Auge gefasst hatten. Es war keiner jener Elite-Studenten mit einem Eins-Komma-Null-Abschluss. Außerdem trug er Rasta-Locken, die ihm weit über den Rücken reichten. Das Einstellungsgespräch verlief erfolgreich. Hätte der junge Mann davor seine Haare gestutzt, wäre es gar nicht erst zum Gespräch gekommen. Authentizität ist ein wichtiger Wert. Genauso wie kritisches Denken und Kritikfähigkeit.

Oder ein ökologisches Gewissen. Wenn wie in Spanien drei Millionen Häuser leerstehen, aber für 800 Golfplätze Wasser verbraucht wird, mit dem 16 Millionen Menschen versorgt werden könnten, dann scheint es hohe Zeit für Umdenkungsprozesse und kreative Gegenmaßnahmen.

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