„Wühlmäuse“ legen neben Streuobstwiese am Köbens nachhaltige Bienenweide an

Kleiner Raum, große Artenvielfalt

Die neu angelegte Bienenweide befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Streuobstwiese. Hans-Heinrich Grahl, Heinz Schmutzer, Reinhard Windler, Günther Begemann, Albin Siewert und Peter Uhlmann von den „Wühlmäusen“, Pia Brumme von der Volksbank Oyten, Oytens Bauhofleiter Heiko Steinhauer sowie Antje Mahnke-Rithoff (v.l.) von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises trafen sich dort, um den Fortschritt zu begutachten. Fotos: Duncan

Oyten – Ruhestand? Von wegen – sagen sich die Oytener „Wühlmäuse“, eine Gruppe von derzeit 15 Herren jenseits der 60, die sich seit den 90er Jahren für Naturschutz im Gemeindegebiet einsetzen. Das neueste Projekt ist eine Bienenweide am Köbens, direkt neben einer Streuobstwiese, die die fleißigen Ehreanamtler bereits im Herbst angelegt hatten. Aktuell trifft sich die Gruppe jeden Donnerstagvormittag und zusätzlich auf Zuruf zum Rasenmähen und Gießen der Jungbäume.

Auf der 800 Quadratmeter großen Wildblumenwiese wachsen zwei verschiedene Saatarten: zur einen Hälfte eine nachhaltige regionale Mischung, die erst im zweiten Jahr blüht, zur anderen Hälfte die Verdener Imkermischung, die bereits im ersten Jahr aufgeht, informiert Hans-Heinrich Grahl. Der Oytener ist neben seinem Engagement bei den Wühlmäusen auch ehrenamtlicher Landschaftswart des Landkreises Verden. „Mit der Blühwiese, die Bienen, Hummeln und Wildbienen als Nahrungsgrundlage dient, füttern wir auch andere Wildtiere, wie Hasen und Rehe, durch“, erzählt Grahl. Die suchten aus dem nahe gelegenen Wald oft diesen idyllischen Ort auf. Zudem gibt es zwei Sitzstangen, auf denen sich Greifvögel, etwa Sperber und Bussarde, niederlassen können.

„Im Herbst wird die Blühwiese gemäht. Die Mahd lassen wir dann ein paar Tage liegen und bringen sie an anderer Stelle wieder aus. Dort blüht es dann im nächsten Jahr ebenfalls“, erklärt Grahl. Wo das geschehen soll, steht aber noch nicht fest.

Laut Grahl komplettiert die Bienenweide ein Gesamtbiotop, das die ehemalige „Rentnergang“ im Herbst mit der Streuobstwiese dank Spenden der BINGO-Umweltstiftung begonnen hatte. Die Volksbank Oyten vermittelte und sponserte die Fläche (wir berichteten). Die Anlage umfasst 40 Obstbäume (alles alte Sorten), umgeben von einer Hecke aus Holunder, Schlehe und Weißdorn. Die Obstbäume trugen im Frühling schon Blüten und später sogar vereinzelt Früchte. Doch bis so klangvolle Obstsorten wie der Apfel namens „Malus Finkenwerder Herbstprinz“, „Morellenfeuer“, ein Kirschbaum, oder die Hauszwetsche Früchte tragen, geht mindestens noch ein Jahr ins Land. Die Hecke soll die Bäume auf lange Sicht gegen Pestizide aus dem benachbarten Maisfeld abschirmen – und dient Insekten und Vögeln als Unterschlupf. Noch steht die Hecke gegen Wildverbiss umzäunt und muss, wie die Obstbäume, noch bewässert werden. „Aber in zwei Jahren sind Bäume und Hecke hoch gewachsen“, so Grahl.

Um eine Blühwiese anzulegen, sei die Vorbereitung besonders wichtig. „Im Herbst haben wir die Fläche zweimal gefräst, im Frühjahr übernahm die Gemeinde das nochmal und wir haben mit Harken das übrige Wurzelwerk entfernt“, berichtet Grahl. Werner Windler hat die beiden Blühmischungen dann schließlich mit der Streuwanne von Hand ausgesät. Der ehemalige Zimmermann ist bei den Wühlmäusen für die Gerätebeschaffung zuständig, sagt Grahl.

Antje Mahnke-Rithoff von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden ist zufrieden: „Es macht Spaß, mit den Herren zusammenzuarbeiten und man kann den Erfolg sehen. Hier passiert auf kleinem Raum ganz viel für die Artenvielfalt.“ Auch für die Gemeinde sei es „vorteilhaft, dass Leute sich so engagieren“, sagt Bauhofleiter Heiko Steinhauer.

Derzeit nutzen die Wühlmäuse übrigens den Zuweg über die Baustelle am Köbens 58, wo Einfamilienhäuser gebaut werden. Sobald der Mais abgeerntet ist, sollen die Ehrenamtlichen am Feld entlang eine neue Zufahrt erhalten. Abhilfe will die Gemeinde schaffen, die feststellte, dass die Feldfrüchte derzeit zu dicht an die Hecke und somit an das Biotop heranwachsen. Als nächstes Projekt planen die Wühlmäuse für Streuobstwiese und Bienenweide eine Sitzgruppe einzurichten – für Spaziergänger und „damit wir Pflegefälle auch mal sitzen können“, scherzt Heinz Schmutzer.

Die „Wühlmäuse“

Seit den 1990er-Jahren engagieren sich die Wühlmäuse, die übrigens kein Verein sind, für Naturschutzprojekte in Oyten. Alles begann auf Initiative des mittlerweile verstorbenen Kurt Hormann, wobei die lockeren Treffen zur Landschaftspflege damals noch unter dem Titel „Rentnergang“ firmierten. Neben der Streuobstwiese mit Bienenweide am Köbens sind die Wühlmäuse noch auf weiteren „Baustellen“ in der Gemeinde unterwegs, laut Hans-Heinrich Grahl insgesamt 20. Darunter etwa die fünf Hektar große Heide im Königsmoor. Erst vor zwei Jahren haben die Wühlmäuse das Naturschutzgebiet durch Ausreißen der Birkentriebe und Neuaussaat verschiedener Heidepflanzen um rund 500 Quadratmeter erweitert. Es habe sich zum beliebten Ausflugsort für Spaziergänger entwickelt, wo es sich auf einer eigens installierten Sitzgruppe verweilen lässt. Die Wühlmäuse freuen sich über weitere Leute, die Lust haben, an den Arbeitseinsätzen und geselligen Treffen teilzunehmen.

Kontakt

Erhard Hopert, Tel. 04207/3077 oder 0175/ 5906898, E-Mail: erhard.hopert@t-online.de

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