Kita-Streik spitzt sich zu / Gestern Mahnwache vor Ottersberger Rathaus

Für Erzieherinnen, Eltern und Kinder eine Herausforderung

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Mit Trommeln Sprechchören, aber auch jeder Menge Informationsmaterial warben Ottersberger Erzieherinnen gestern vor dem Rathaus für eine Aufwertung ihres Berufsstands.

Ottersberg - Bereits seit zweieinhalb Wochen streiken die Beschäftigten der öffentlichen Kindertagesstätten (Kitas). Dabei gerät das Anliegen des Ausstands teilweise aus dem Blickfeld: Eine gesellschaftliche Aufwertung des Berufes sei dringend notwendig, damit sich junge Menschen auch künftig dafür entscheiden, findet Heike Intemann. Die Erzieherin organisierte mit rund 20 Kolleginnen gestern eine Mahnwache mit Info-Stand vor dem Rathaus, zu dem auch Eltern und deren Kinder willkommen waren.

„In der Regel sind zwei Erzieher für 25 Kinder zuständig – und da sind auch Unter-Dreijährige mit drin“, erzählt Heike Intemann, Erzieherin an der Kita Ottersberg-Bahnhof. Kinder mit Auffälligkeiten und notwendige Elterngespräche machten es immer schwieriger, den Tagesablauf mit der Gruppe zu gestalten. „Der Beruf ist anstrengend und verantwortungsvoll und doch kommt am Ende für eine angemessene Rente nicht genügend zusammen“, erklärt Intemann, die diesen Beruf bereits seit 30 Jahren ausübt.

Unterdessen wird der Zustand für Eltern zunehmend belastender. Denn ein zunächst an der Kita Posthausen eingerichteter Notdienst kann aus Krankheitsgründen seit Anfang der Woche nicht mehr angeboten werden.

„Der Notdienst verlief nicht so reibungslos“, sagt Ivonne Sonnenwald, die mit ihrer Kollegin Stefanie Morgenroth Teil des aus fünf bis sechs Erzieherinnen bestehenden Notdienst-Teams war. Eine relativ feste Gruppe von 30 bis 35 Kindern wurde jeweils betreut, davon etwa elf Kinder im Krippenalter. Doch der „Betreuungsschlüssel“ habe nicht gestimmt, so Sonnenwald. Sprich: Es gab keine Betreuer, die auf Krippenkinder spezialisiert sind und auch die Räume waren nicht durchweg geeignet, um Kleinstkinder zu versorgen.

„Für Erzieherinnen, Kinder und Eltern war das eine Herausforderung“, berichtet Sonnenwald. „Immer waren wir mit den Eltern in Verhandlung, wie es am nächsten Tag verlaufen sollte.“ Was die Angelegenheit noch erschwerte: Will eine Erzieherin streiken, meldet sie sich nicht bei der Kita, sondern beim Arbeitgeber, der Gemeinde Ottersberg, ab. „Ich habe zeitweise die stellvertretende Leitung übernommen. Da ging der erste Frust der Eltern immer an uns“, berichtet Stefanie Morgenroth.

Doch das Verständnis, vor allem derjenigen Eltern, die an der gestrigen Mahnwache teilnahmen, überwiegt: „Ich habe auch Erzieher in der Familie und habe daher schon mitbekommen, unter welchem Druck sie stehen und mit welchen Mitteln sie arbeiten müssen“, erzählt Sarah Kunze, die ihre Kinder Darian (4 Jahre) und Mira (1 Jahr) mitgebracht hat. In der Kita Ottersberg-Bahnhof würden mittlerweile 14 Krippenkinder betreut. Als Kunze ihre Tochter Mira erstmals dorthin brachte, musste sie auf einem Stuhl Platz nehmen, der nicht für ihr Alter geeignet war.

Kinder kommen aus

gewohntem Rhythmus

Dörte Keller, stellvertretende Elternsprecherin bei der Kita Ottersberg-Bahnhof, unterstützt zum ersten Mal eine Streik-Aktion. Dass die Gemeinde den Eltern die Gebühren für die Zeit des Streiks erstatten soll, wie es in Nachbargemeinden gefordert wird, stehe derzeit nicht im Vordergrund. „Einige Elternvertreter wollten ein Schreiben an die Gemeinde aufsetzen“, weiß die Angestellte. Aufreger Nummer Eins sei aber im Moment noch die Änderung der Gebührenordnung (wir berichteten).

Die Streikzeit zu überbrücken, fällt der jungen Familie auch nicht leicht: „Wir kämpfen ganz schön.“ Anfangs hatten noch die Großeltern Babysitter für die beiden Töchter gespielt. Nun wechselt sich das Elternpaar ab, um die Kinder im Schichtsystem zu betreuen. Wie sehr die Kleinen ihre vertraute Umgebung in der Kita vermissen, schwanke fast täglich. „Wenn der Rhythmus erstmal drei Wochen raus ist, kommt keine Ruhe mehr rein.“

Über „Whatsapp“ haben 34 Eltern der Kita Posthausen eine Gruppe gegründet, in der sie sich über Streik-Neuigkeiten austauschen. Die Elternvertreterin Andrea Loew-Meyer stellte schon erfolgreich eine Anfrage an die Gemeinde, um das Essensgeld für die Streikzeit zurückzuerhalten und meint: „Ich finde es wichtig, selber den Mund aufzumachen, statt sich immer nur zu beklagen.“ Es gäbe zudem auch Eltern, die Rechnungen an die Gemeinde schickten, welcher wirtschaftliche Schaden ihnen während der bisherigen Streikzeit entstanden sei. „Eine Mutter hat eine Summe von 7000 Euro errechnet, inklusive Verdienstausfall, entgangener Aufträge und doppelter Betreuungskosten“, nennt sie ein Extrembeispiel.

ldu

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