Duo Kirchhof entführt auf historischen Instrumenten in Zeit der Renaissance und des Barock

Als die Musik noch unaufgeregt war

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Das Duo Kirchhof beglückte das Oytener Publikum.

Oyten - Ein ganz wunderbares Duo bilden Martina Kirchhof, Viola da Gamba, und Lutz Kirchhof, Laute, die auf historischen Instrumenten ihre Zuhörer in die vergangene Zeit der Renaissance und des Barock mitnehmen – eine Zeit, in der die Musik noch still, bedächtig und unaufgeregt war. Den berührenden und beruhigenden Klang des Duos Kirchhof erlebte das Konzertpublikum am Sonntagabend auf Einladung des Vereins Musikfreunde Oyten im Rathaussaal.

Lutz Kirchhof gab fundierte Erklärungen zu den Kompositionen und wusste auch so manche nette Anekdote zu erzählen, alles in seiner auffallend ruhigen und feinen Art. Der renommierte Lautenist spielt perlend; er erzählt, tanzt, lässt die Musik schimmern und singen. Martina Kirchhof ist eine großartige Gambistin, die passend zur Musik und ihrer Zeit ein entzückendes burgunderfarbenes Samtkleid trug. Durch ihre makellose Technik und ihren warmen Strich schafft sie sofort eine besondere Stimmung. Beide Künstler spielen einfühlsam und in größter Übereinstimmung.

Im ersten Teil des Konzerts bot das Duo Werke aus der Renaissance auf zeitgenössischen Instrumenten: der Renaissancelaute mit sieben Saiten und der Diskantgambe. Eine viersätzige Tanzsuite von Pietro Paolo Borrono (1490- 1563) bezauberte in der ruhigen und farbig gestalteten Spielweise, ebenso die subtile Wiedergabe der „2 Ricercari“ von Sylvestro Ganassi und das Preludium von Laurencini da Roma, ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert. Aus dem Notenband „Diletto Spirituale“ („Musik für Geist und Seele“) musizierte das Duo Kirchhof wunderbare polyphone geistliche Sätze.

Im zweiten Teil des Konzerts interpretierte das Duo Telemann-Sätze aus dem „Getreuen Musikmeister“, einer Notensammlung aus dem Barock. Jetzt stellte Lutz Kirchhof seine Barocklaute vor, ein dickbauchiges, schön klingendes Instrument mit 24 Saiten, das seinerzeit am liebsten mit Katzendarm bespannt wurde. Martina Kirchhof spielte dazu die barocke Bass-Viola mit sieben Saiten, deren Schnecke ein fein geschnitztes Gesicht ist.

Der Komponist Sylvius Leopold Weiss (1686-1750) war befreundet mit dem ein Jahr älteren Johann Sebastian Bach; beide liebten es, gemeinsam zu musizieren und zu improvisieren. Davon gibt es ein besonderes Zeugnis, denn Bach hat eine der Improvisationen aufgeschrieben, die das Duo Kirchhof interpretierte: Die Laute erzählte, die Gambe kommentierte mit feinsten Verzierungen – ein feines Hörerlebnis, perfekt geboten. Für den herzlichen Beifall bedankte sich das Paar mit etwas „Verbotenem“, wie Lutz Kirchhoff schmunzelte, nämlich mit einer Volte, einem unschicklichen Tanz aus der alten Zeit, bei dem der Herr der Dame ans Korsett fasste und sie mit hörbaren Juchzern hochhob. Die zauberhaft in Musik gesetzte Szene endete einfach mit diesem Jauchzer – und beschloss einen beglückenden Abend.

iw

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