„Bufdi“ Lisa Kasparek findet an Likedeeler Schule neue Perspektive / Nachfolger gesucht

„Die Kinder machen es einem leicht“

Mathestunde: Konzentriert arbeiten Klassenleiterin Eike Kandulski (rechts) und Bundesfreiwilligendienstlerin Lisa Kasparek mit Florian, Philip und Emilia in der Mittelstufenklasse der Likedeeler Schule in Oyten am Thema Uhrzeiten. Foto: Holthusen

Oyten - Von Petra Holthusen. „Ich finde, wir haben heute gut gearbeitet!“ Resolut schiebt Florian seine Mathesachen beiseite. Lisa Kasparek nickt – die Pause ist verdient. Fast eine intensive Stunde lang hat sie mit Florian die Uhrzeiten trainiert. Die Begleitung des Unterrichts, in dem die Kinder individuell für sie geplante Inhalte umsetzen, gehört zu den Aufgaben der Bundesfreiwilligendienstlerin in der Likedeeler Schule unter dem Dach des Oytener Schulzentrums. Seit November unterstützt Lisa Kasparek (30) hier das pädagogische Team der Mittelstufenklasse für zehn- bis zwölfjährige Schüler. Früher als geplant beendet sie jedoch ihr „Bufdi“-Jahr und wechselt jetzt zur Lebenshilfe nach Dauelsen – Nachfolgerin oder Nachfolger für Oyten dringend gesucht...

Acht Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen werden in der Mittelstufe von Klassenlehrerin Eike Kandulski, der pädagogischen Mitarbeiterin Gabi Jürgens, der angehenden Heilerziehungspflegerin Pauline Malecki, die im zweiten Ausbildungsjahr ist, und von einem Freiwilligendienstler durch den Unterricht und den Tag begleitet – vom Abholen am Bus morgens kurz vor acht bis zum Schulschluss nachmittags um drei.

Im Klassenraum nebenan ist die Hauptstufe der 12- bis 15-jährigen Likedeeler-Schüler zu Hause. Beide Klassen der Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe arbeiten im Haus der IGS kooperativ mit der Regelschule zusammen: In hauswirtschaftlichen und sportlichen Neigungskursen, beim Faschings- oder Lichterfest feiern und lernen Schüler mit und ohne Behinderung mit- und voneinander.

Auf Lisa Kasparek muss das Team jetzt verzichten. „Das ist für uns sehr schade“, bedauert Gabi Jürgens. Auch Lisa Kasparek fällt der Abschied nicht leicht: „Hier entstehen intensive Beziehungen. Und es wird einem leicht gemacht von den Kindern; sie sind sehr offen, haben keine Vorbehalte“, hat die Daverdenerin erlebt. Die 30-Jährige hatte sich bewusst für einen Freiwilligendienst entschieden, um sich beruflich ganz neu zu orientieren und den sozialen Bereich für sich zu entdecken: „Mir hat immer irgendwas in meinem Beruf gefehlt“, erzählt die gelernte Bürokauffrau, „der Sinn dahinter; die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun.“ Im Management-Bereich der Lebenshilfe wird sie künftig Kaufmännisches und Soziales miteinander verbinden.

Die vier Monate als „Bufdi“ haben Lisa Kasparek „gezeigt, dass ich Sachen schaffen kann, die ich mir nicht zugetraut habe und bei denen ich große Berührungsängste hatte – und dass es sich lohnt, neue Menschen kennenzulernen und neue Dinge zu machen“. In der Unterrichts- und Alltagsbegleitung der behinderten Schüler – dazu gehört auch Hilfestellung bei Mahlzeiten und Toilettengängen – habe sie gelernt, „aufmerksamer zu sein, genauer zuzuhören und hinzusehen“. Das nimmt Lisa Kasparek aus ihrer „Bufdi“-Zeit mit für neue Aufgaben und fürs Leben überhaupt.

Die nächste Mathestunde der Likedeeler-Kinder findet dann schon ohne sie statt. Vielleicht werden die Uhrzeiten wiederholt oder Minus-Aufgaben mit Abzähl-Steinchen gelöst. Oder die Schüler hantieren mit Euro und Cent: „Wir orientieren uns mit den Lerninhalten so nah wie möglich am Alltag und was man dafür braucht“, erklärt Klassenleiterin Eike Kandulski. Denn oberstes Ziel ist es, die Kinder so aufs Leben vorzubereiten, dass sie es so eigenständig und selbstbestimmt wie möglich leben können.

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