Oytener Geflügelzüchter Helmut Böse unterstützt Petition / Hahnenkrähen soll erlaubt bleiben

„Kikeriki ist ländliches Kulturgut“

Geflügelzüchter Helmut Böse mit einem Maran-Hahn. Für Böse ist Krähen, zumindest auf dem Dorf, etwas Natürliches.
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Geflügelzüchter Helmut Böse mit einem Maran-Hahn. Für Böse ist Krähen, zumindest auf dem Dorf, etwas Natürliches.

Oyten – Frankreich und der Hahn Maurice haben es bereits vorgemacht. Die Französische Nationalversammlung hat Ende Januar 2020 das sinnliche Erbe der Landschaft, und damit die typischen Geräusche der ländlichen Gebiete in einem Gesetzentwurf unter Schutz gestellt. Dieser Entwurf wurde nun am 21. Januar 2021 im Senat einstimmig beschlossen und als Gesetz zum Schutz des sinnlichen Erbes der Landschaft als Kulturgut festgesetzt.

„Landlärm“ sei somit kein Lärm, sondern Kulturgut, welches zu schützen und zu erhalten sei, heißt es in Frankreich. Auch in Deutschland gibt es Bestrebungen, diesen Schutz für Geräusche des ländlichen Raums zu erreichen, und es läuft in dieser Angelegenheit eine Petition. Diese möchte der Oytener Rassegeflügelzüchter Helmut Böse unterstützen. Böse züchtet seit 1956 Geflügel und betreibt einen kleinen Futterhandel Am Moor in Oyten-Sagehorn.

Diesen Straßenzug kann man durchaus noch als ländlich betrachten. Ein abgeerntetes Maisfeld liegt gegenüber dem Bösehof, auf dem man immer mal wieder den Hahn krähen hört. Derzeit hat Helmut Böse hauptsächlich Maran-Hühner, eine Rasse, die einzigartige rötlich-tiefbraune Eier legt. „Diese Hühnerzucht muss erlaubt bleiben, auch wenn mal ein paar Hähne krähen“, sagt Böse. Deswegen unterstützt er die Petition und sammelt fleißig Unterschriften. Noch bis Ende Juni kann unterschrieben werden. Zwar sind schon mehr als 30.000 Unterschriften der geforderten 50 .000 zusammengekommen. Aber Böse weiß, dass es aufgrund der Pandemie-Lage keine Treffen von Geflügelzüchtern gibt und es vor allem für ältere Züchter, die nicht online abstimmen können, schwierig ist, sich daran zu beteiligen. Deswegen macht Helmut Böse bei seinen Kunden ordentlich Werbung und bittet um Unterschriften. Rund 30 hat er davon in kurzer Zeit schon gesammelt.

Helmut Böse hört immer wieder aus vielen Richtungen, dass es Probleme mit Nachbarn von Geflügelzüchtern und -haltern gibt. Sie stören sich am Hahnenkrähen. Böse: „Häufig handelt es sich dabei um Zugezogene aus Stadtgebieten, die auf dem Dorfe ihre ländliche Ruhe suchen. Vor dem Erwerb eines Baugrundstückes oder eines Hauses ist das Umfeld Nebensache. Erst viel später wird wahrgenommen, dass auch ein Dorf seine eigenen Geräusche hat – und so entstehen Streitigkeiten.“

Sollte Deutschland den gleichen Weg beschreiten wie die französischen Nachbarn, könnten solche Streitigkeiten bald ein Ende finden. „Gerade unser schönes Hobby verliert durch diese Verbote und Einschränkungen in Sachen Hahnenkrähen an potenziellen Züchtern und Haltern. Der Sinn der Arterhaltung vieler schöner Rassen bleibt dann auf der Strecke. Ich kann mir das nicht vorstellen, und möchte so eine Entwicklung nicht miterleben“, sagt Böse, der seit seiner Kindheit mit der Geflügelzucht eng verbunden ist und ausgebildeter Bewertungs- und Zuchtrichter ist.

Böse berichtet weiter, dass sich Amtsgerichte, Landesgerichte und sogar Oberlandesgerichte mit Dingen befassen müssen, für die sie eigentlich gar keine Zeit haben dürften. Böse erzählt von einem noch landwirtschaftlich geprägten Ortskern in Hofheim-Marxheim (Mischgebiet) vor den Toren von Frankfurt am Main. Dort beschäftigte Hahn Flecko drei Jahre das Amtsgericht, da Nachbarn sich von dessen „Kikeriki“ am Tag gestört fühlten. Die Klage wurde kurz vor einer Entscheidung zurückgezogen.

„Wieder kein Präzedenzfall“, bedauert Helmut Böse. „Nur mit klaren rechtlichen Vorgaben kann der dörfliche Charakter und Charme alter Ortskerne sowie ländlicher Gebiete erhalten bleiben. Das wünsche ich mir auch für Sagehorn und natürlich andere Orte.“

Im Internet kann man online abstimmen unter www. openpetition.de. Außerdem liegen bei Helmut Böse Unterschriftenlisten aus, die aber auch die meisten Geflügelzuchtvereine der Region zur Verfügung stellen.  ha

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