Auf dem Arbeitsmarkt angekommen

Integrationsarbeit in Oyten

Auszeichnung von Geflüchteten nach absolvierter Berufsausbildung
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Metalltechniker Natnael Teklay (li.) und Maler Yaya Amadinho Kone (re.) waren vor anderthalb Jahren die ersten Geflüchteten in der Gemeinde Oyten, die nach erfolgreicher Berufsausbildung ihre Gesellenprüfungen bestanden hatten. Als Anerkennung gab’s damals von Bürgermeister Manfred Cordes kleine Präsente. Inzwischen haben sechs Neubürger nach handwerklicher Lehre ihre Gesellenbriefe erworben.

Oyten – Integration braucht Zeit. Das hat die hauptamtliche Integrationsbeauftragte der Gemeinde Oyten, Christa Junge, seit Beginn ihrer Arbeit vor fünf Jahren immer wieder betont: „Es braucht etwa zehn Jahre, um gesellschaftlich anzukommen und eine neue Lebensperspektive für sich zu finden.“ Daran gemessen ist die Integration von Bürgerinnen und Bürgern, die seit der Flüchtlingswelle 2015 in Oyten ein neues Zuhause gefunden haben, weit fortgeschritten.

Wie es aktuell um Migration und Teilhabe in der Gemeinde bestellt ist, wie Integrationsarbeit unter pandemischen Bedingungen läuft und wie sich diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe zukünftig ausrichten muss, darüber berichtete Christa Junge vorige Woche den Politikern im Sozialausschuss des Gemeinderates.

Zurzeit begleitet die Gemeinde 163 Neubürger, darunter 24 Familien, beim Ankommen in Alltag, Sprache und Gesellschaft: 80 Männer, 34 Frauen und 49 Kinder. Die Zahl der in Oyten lebenden Geflüchteten hat sich in fünf Jahren fast halbiert. Die meisten leben in eigenen Wohnungen, nur fünf Gemeinschaftsunterkünfte sind noch in Betrieb. Die Zahl der Ehrenamtlichen, die in dem Netzwerk „Oyten hilft“ Neuankömmlinge auf vielfältige Weise unterstützen, hat sich von anfangs fast 100 auf zurzeit 25 verkleinert.

95 Prozent der zugewanderten Männer können sich nach Worten von Christa Junge mindestens auf dem Sprachlevel A2 gut im Alltag auf Deutsch verständigen, viele sogar auf fortgeschrittenem Niveau. Auch bei den den Frauen variiere der Sprachstand von A1 bis C1, allerdings hätten auch acht von ihnen noch gar keine Deutschkenntnisse erwerben können. Dass Deutschkurse wegen der Corona-Pandemie derzeit ruhen, erschwere die Situation zusätzlich.

Eine Oytener Erfolgsgeschichte ist die Integration von Neubürgern in den ersten Arbeitsmarkt: 80 Prozent der Männer haben Junge zufolge eine feste Arbeitsstelle. Teil der Berufswelt zu sein und Geld zu verdienen, sind gute Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und neue Lebensperspektiven – in diesem Wissen haben die Flüchtlingsbetreuer von „Oyten hilft“ viel Arbeit in die Unterstützung der Berufsorientierung und die Vermittlung von Praktikums- und Arbeitsplätzen gesteckt. Das trägt Früchte. Unter anderem haben bislang sechs junge Männer eine handwerkliche Ausbildung absolviert und ihre Gesellenbriefe in der Tasche. Bei den Frauen sind laut Junge 30 Prozent berufstätig; eine von ihnen meisterte zuletzt den Qualifizierungslehrgang als Pädagogische Mitarbeiterin an Schulen.

Neben den ausfallenden Sprachkursen haben im vorigen Jahr auch die persönlichen Treffen und Gemeinschaftsangebote schwer unter den Kontaktbeschränkungen infolge der Coronakrise gelitten. Das Mietverhältnis für den in dieser Zeit ungenutzten Treffpunkt der Kulturen im evangelischen Gemeindehaus kündigte „Oyten hilft“ 2020 auf. „Pandemiebedingt gab es nur fünf Frauen-Treffen im Bürgersaal, ein Familienfest am Oyter See und zweimal Boulespielen mit der Männergruppe“, resümierte die Integrationsbeauftragte. Aber die Fahrradkammer an der Achimer Straße laufe am Montagnachmittag, und für Kleinkinder seien Basteltüten an den Haustüren abgegeben worden.

Auch für die zukünftige Integrationsarbeit, so Junge, sei eine Anlaufstelle im Rathaus unerlässlich. Die Neubürger bräuchten Hilfe bei Antragstellungen, Begleitung zu Behörden sowie Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen, bei der Entwicklung einer (beruflichen) Perspektive, beim Finden von Ausbildungs- und Arbeitsstellen und von Schul- und Qualifizierungsangeboten.

Eine weitere Anforderung an die Arbeit sei die Wiederaufnahme und Vertiefung interkultureller Angebote – wie Spielplatz-Picknicks, Boulespielen für Männer und Malen für Frauen, außerdem eine Mutter-Kind-Gruppe in Zusammenarbeit mit der Landkreisstelle „Frühe Hilfen – Gleiche Chancen“ sowie sportliche Angebote und Kurse zum Schwimmenlernen. Ein Hauptaugenmerk müsse weiter auf Sprach- und Integrationskursen in Abstimmung auch mit dem Jobcenter liegen. Im Test befindet sich laut Junge gerade eine WhatsApp-Online-Lerngruppe für Frauen – die Sprachlehrerin finanziert „Oyten hilft“.

Wie Junge weiter berichtete, hat das Land Niedersachsen die Kommunen aufgefordert, bis Mitte 2021 eine Bestandsaufnahme Migration und bis Mitte 2022 ein Handlungskonzept zu erarbeiten. An welcher Stelle und für wen welche Form von Angebot zu organisieren sein wird, darüber will sich Christa Junge zunächst mit dem Landkreis Verden abstimmen.

Christa Junge

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