Christa Junge skizziert Flüchtlingssituation in Oyten

„Integration braucht Zeit“

Für die Integration geflüchteter Menschen wird in Oyten viel unternommen. Auch Kennlern- und Begegnungsfeste wie Ende April in Blocks Huus in Bassen gehören dazu. - Archivfoto: Hägermann

Oyten - Was sie sich wünscht? „Mehr Deutschkurse!“ Die sind das A & O, aber knapp bemessen und stehen deshalb für Christa Junge, Integrationsbeauftragte der Gemeinde Oyten, ganz oben an – vor allem mehr Deutschkurse in Folge, die aufeinander aufbauen, bis es im Alltag geflüchteter Menschen für Unterhaltungen reicht. Neben Spracherwerb als Schlüssel zur Gesellschaft braucht es „Verständnis“, so Christa Junge. Denn: „Integration braucht Zeit.“

„Der erste Schritt ist, in Sicherheit zu sein; der zweite, die Sprache und Kultur zu lernen; der dritte, in Arbeit zu gehen“, erläuterte die Integrationsbeauftragte am Montagabend in der Sitzung des Gemeinderates Oyten. „Die Menschen sind ja nicht freiwillig weggegangen. Mit dem Kopf sind sie noch zu Hause und hier sollen sie ganz schnell ganz viel auf einmal. Aber das braucht Zeit!“, warb Christa Junge um Geduld.

Welche Anstrengungen in Oyten unternommen werden, um geflüchteten Menschen das Ankommen und Einleben leichter zu machen und sie als Neubürger zu integrieren, schilderte die seit vier Monaten im Amt befindliche kommunale Integrationsbeauftragte dem Rat aus Anlass eines Fragenkatalogs, den die Grünen-Fraktion der Verwaltung zur Beantwortung vorgelegt hatte.

Seit Mitte 2015 sind in Oyten 208 geflüchtete Menschen neu angekommen; 85 leben bereits länger als ein Jahr hier. 30 bis 40 Ehrenamtliche aus dem direkten nachbarschaftlichen Umfeld unterstützen nach Christa Junges Worten die knapp 300 Neubürger mit Migrationshintergund bei der Bewältigung ihres Alltags. Untergebracht sind die Flüchtlinge in vier Häusern, die der Gemeinde gehören, sowie in 14 Häusern und Wohnungen, die die Gemeinde angemietet hat. Die Flüchtlinge verteilen sich auf alle Oytener Ortsteile, wobei Bassen mit 102 und Sagehorn mit 50 die meisten Zuzüge haben.

Drei Jugendliche besuchen zurzeit eine Sprachlernklasse an der IGS Oyten, zwei Flüchtlingskinder die Grundschule Sagehorn und drei die Grundschule Bassen. Zwei Flüchtlingskinder gehen in den ev. Kindergarten, drei in die Kindertagesstätte Bassen. Ab August werden in der Bassener Kita 14 Kinder aus Migrationsfamilien betreut: „Wir sind eine der wenigen Gemeinden, die Kinder aus geflüchteten Familien in den Kindertagesstätten unterbringen können“, betonte Christa Junge. Für die ersten Wochen komme ein Dolmetscher mit ins Haus und die Erzieherinnen erhielten von einer Landkreis-Fachstelle ein Coaching, ergänzte sie auf Nachfrage von Sandra Röse. „Ich bin beeindruckt“, sagte die CDU-Ratsfrau.

Bei den übergemeindlich organisierten Deutschkursen ist offenbar noch viel Luft nach oben. Die Heterogenität in Sprache und Bildungsgrad der geflüchteten Menschen sei sehr hoch, aber lerntechnisch gebe es das gleiche Unterrichtsangebot für alle, egal ob Analphabet oder Promovierter. „Die Angebote und ihre Koordination sind nicht ausreichend“, so Christa Junge. Sie drängt auf „vernünftige Prozessketten“. Denn die Sprachkenntnisse seien das Entscheidende bei der Arbeitsvermittlung.

Das Zusammenleben von Alt- und Neubürgern im Alltag bezeichnete die Integrationsbeauftragte als „überwiegend reibungslos, unkompliziert und nachbarschaftlich“. Belastend seien für die geflüchteten Menschen ihre ungewisse Zukunft, ihre geringen Deutschkenntnisse und die langen Wartezeiten im Antragsverfahren. Unterstützend tätig seien in Oyten rund 100 ehrenamtliche Helfer in verschiedensten Arbeitsbereichen bis hin zu Kleiderkammer, Sprachcafés und Fahrradinstandsetzungen. Von Pöbeleien und Übergriffen auf Flüchtlinge sei ihr nichts bekannt, erklärte Christa Junge abschließend.

„Mutbürger statt Wutbürger – was hier geleistet wird, da kann man nur den Hut vor ziehen“, dankte SPD-Fraktionschef Heiko Oetjen der Integrationsbeauftragten und den vielen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz. Der Rat applaudierte zustimmend. 

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