Bürgermeisterwahl in Oyten

CDU-Kandidatin Sandra Röse praktiziert bei Lueßens Bürgerdialog

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Sandra Röse und Gäste bei ihrem „Wohnzimmerkonzert“ in Lueßens Altenpension.

Oyten - Von Lisa Duncan. Was braucht die Gemeinde Oyten jetzt und was steht tendenziell weiter hinten auf der Wunschliste? Mit den griffigen Anglizismen „Must-Haves“ und „Nice-to-Haves“ benannte die CDU-Bürgermeisterkandidatin Sandra Röse diese beiden Themenbereiche vor Besuchern ihres jüngsten Wohnzimmer-Schnacks.

Bei der lockeren Runde in Lueßens Altenpension erläuterte sie, was sie als Bürgermeisterin in Oyten ändern würde. Anschließend widmete sich die Ratsfrau den interessierten Nachfragen und Diskussionsbeiträgen der Besucher.

Straßenbau, Verkehrsentlastung und Leben im Alter gehören zu den Themen, die Sandra Röse ganz oben auf die Prioritätenliste setzen würde. Nicht ganz so dringend, aber wichtig, sei es etwa, die Öffentlichkeitsarbeit des Rathauses zu verbessern, die Jugendarbeit des Freiraums besser zu begleiten und mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Die maroden Straßen auf Vordermann zu bringen, sei eine notwendige, aber auch teure Angelegenheit. „Aber mit der Kostenbeteiligung kann es so nicht weitergehen“, so Röse. Sie nannte es nicht hinnehmbar, dass Anwohner der Straße „Am Moor“, viele davon Eigentümer großer Grundstücke, 10 000 bis 15 000 Euro Beteiligung für die Straßensanierung zahlen müssten. Andere Kommunen in Deutschland hätten die Straßenausbaubeiträge schon durch andere, etwa steuerfinanzierte Modelle, ausgetauscht. Zudem sei die Landesstraße 168 durch zunehmende Geschäftsansiedlungen im Gewerbepark Oyten A1 zu bestimmten Tageszeiten „dem Kollaps nahe“. Da wolle sie Entlastung schaffen.

Mehr als die Hälfte der Oytener seien älter als 50 Jahre – und bereits jetzt fehle es in den Seniorenheimen an Wohnplätzen. Zwar ließe sich das Problem, das sich auch im Fachkräftemangel in der Pflege gründe, nicht allein durch politische Beschlüsse lösen. „Aber wir können die Rahmenbedingungen schaffen, uns mit Experten zusammensetzen und Bebauungspläne ausweisen.“ Neben dem klassischen Zimmer im Altenheim findet die 48-Jährige es denkbar, Wohnformen zu fördern, die Alt und Jung zusammenbringen.

Röses Wahl-Slogan „Unser Mann für Oyten“ polarisiert. Das zeigt sich, wie sie erzählte, an zahlreichen (überwiegend weiblichen) Reaktionen, die sie per E-Mail erreichten. Auch in der Runde kam die Frage auf. Gesellschaftskritik („Muss der Bürgermeister ein Mann sein?“) sei eine Sache. Die CDU sei „schon lange nicht mehr altbaksch und konservativ“. Während sie Kritikern auch schon mal selbstironisch entgegnete „kratzbürstig, kompetent und kurvenreich war schon vergeben“, hat die Wahlkampflinie offenbar noch einen anderen Kern. „Ich übernehme gerne, was gut ist“, so Röse. In diesem Fall stammt der Spruch aus der Hamburger Wahlkampagne von Katja Suding (FDP). Die Bereitschaft zum Konsens mit anderen im Rat und dass man bei der Problemlösung das Rad nicht neu erfinden müsse, zog sich ebenfalls wie ein roter Faden durch den Abend.

Ob Mann, Frau oder Person – Röses Wesen entpricht es offenbar nicht, mit vollmundigen Wahlversprechen zu locken. Zum Beispiel im Bezug auf Abstimmungen. „Der Bürgermeister hat nur eine Stimme im Rat, genau wie alle anderen Ratsmitglieder“, stellte sie klar.

Im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass sich die Gesprächsrunde aus zwar interessierten, aber zum Teil in politischen Abläufen noch unerfahrenen Bürgern zusammensetzte. Einige fühlten sich von der Art und Weise, wie die politischen Sitzungen im Rathaus ablaufen, nicht angesprochen und damit von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Gesprächsteilnehmer kritisierten den Umgang der Politiker miteinander und mutmaßten, ob es sich bei einer Ratssitzung um eine Alibiveranstaltung handle. Röse räumte ein, dass die Diskussionskultur in den politischen Gremien grundsätzlich verbesserungswürdig sei. Dass diese mangelnde Transparenz in der Politik auch das Anwachsen populistischer Kräfte, wie etwa der AfD, erklären könne, wies sie nicht von der Hand.

Oyten habe zu wenig bezahlbaren Wohnraum, bemerkte eine Frau, die sich für Geflüchtete engagiert. Daneben stellte sie auch Vorbehalte der Vermieter als Hindernis für das Zustandekommen von Mietverträgen fest. „Da sieht man, wie schnell Politik funktioniert“, meinte Röse. Schon bei der vorangegangenen Wahl hätten sich nahezu alle Parteien auf die Fahnen geschrieben, sich für sozialen Wohnungsbau einzusetzen. Passiert sei in der Zwischenzeit: nichts. Ein Patentrezept legte Röse nicht vor, aber Ideen. Bekannte hätten vor vielen Jahren selbst eine Genossenschaft gegründet und sich als Bauherren für mehrere Mieter betätigt. Eine Gemeinde im Landkreis Diepholz kooperiere mit einer Wohnungsbaugenossenschaft aus Bremen. Vakant gewordene Flächen im Ort könnten als Baugrund dienen.

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