Zu Besuch bei den Bürgermeister-Kandidaten

Sandra Röse (CDU): „Ich trau' mir grundsätzlich viel zu“

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Bürgermeisterkandidatin Sandra Röse (47) ist nie ohne Buch und selten ohne Tee im Haus unterwegs.

Oyten - Von Petra Holthusen. Als „hängender Rechtsaußen“ vom SV Blau-Weiß Galgenmoor stürmte sie bis in die Cloppenburger Kreisauswahl – Fußball hat Sandra Röse schon immer geliebt: „Ich wurde auf der Straße und dem Bolzplatz sozialisiert, wie man so schön sagt.“ Ein Meniskusriss stoppte die verheißungsvolle Karriere früh.

Heute pflegt sie „lebenslang grün-weiß“ im Herzen und taktische Fachsimpeleien mit ihrem kickenden Sohn. Mit dem Profifußball wurde es also nichts, stattdessen studierte sie Betriebswirtschaft, ist seit Jahren selbstständige Unternehmensberaterin – und aktuell „Unser Mann für Oyten“. So bewirbt die CDU auf den Wahlplakaten ihre unübersehbar feminine Bürgermeisterkandidatin. Sandra Röse kann sich über den Slogan, der schon für einige Furore sorgte, köstlich amüsieren: Dass ihre konservative Partei mit altbackschen Parolen und Rollenklischees spielt und sich selbst auf die Schippe nimmt, spiegelt den Humor der fast 48-Jährigen, die Oytens erste Bürgermeisterin werden will.

Es hätten übrigens auch die Grünen werden können, als sich Sandra Röse in Oyten nach der politischen Partei umsah, in der sie für sich die besten Mitwirkungsmöglichkeiten sah. „Wir können nicht immer nur reden, wir müssen auch mal machen“, hatte die von Haus aus „leidenschaftliche Diskutantin“ zusammen mit ihrem Mann beschlossen, als die Familie – ihre Tochter ist 16, ihr Sohn 11 Jahre alt – ab 2009 in Oyten heimisch wurde. Trotz „vieler gemeinsamer Inhalte und guter Kontakte zu den Grünen“ entschied sich Röse für eine Mitarbeit bei der CDU: Fraktionschef Grönke hatte sie angesprochen, „aber man muss mich nicht locken – ich will ja mitgestalten“.

Seit 2011 im Gemeinderat

2011 wurde sie in den Gemeinderat gewählt, 2016 erneut. Ein Thema war für sie von Anfang an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, denn „2010/11 gab es noch nicht überall Ganztagsbetreuung“. Für sich selbst brachte sie Mutter sein und Berufstätigkeit durch unternehmerische Selbstständigkeit mit entsprechender Flexibilität unter einen Hut. Politisch ist sie ins kalte Wasser gesprungen: „Ich wurde nicht so sehr an die Hand genommen – das machen wir heute in der Partei anders –, aber ich trau' mir grundsätzlich auch viel zu.“

„Frauen in der Politik diskutieren anders“, hat Röse festgestellt, „Frauen sind neugieriger auf die Meinung anderer, interessierter am Austausch von Argumenten und versuchen nicht gleich, die Richtung vorzugeben.“ Von der Kunst des Zuhörens hält Röse viel, und „brüsk in eine Diskussion zu gehen, das bin nicht ich“. Fast immer könne sie Verständnis für verschiedene Positionen aufbringen, und „Freundlichkeit und Respekt schaden dabei nie“.

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„Etwas Integratives zu haben, hat Vorteile in allen Bereichen des Lebens: Je breiter das Podest, je sicherer der Stand und umso mehr Leute kann man mitnehmen.“ So handhabte Röse Führungsverantwortung in verschiedenen Unternehmen: „Das ist nicht neu für mich, das kann ich. Auch unter widrigen Umständen.“ Sie kommuniziere immer sehr offen, sagt sie von sich, neige aber auch zu Ungeduld: „Wenn mir was nicht schnell genug geht oder wenn jemand dreimal das selbe sagt, das nervt mich.“

Wohnen und Pflege im Alter sind ihr wichtig

Ein wichtiges Thema ist ihr Wohnen und Pflege im Alter: „Wir müssen uns auf den demografischen Wandel vorbereiten. Wer pflegt uns? Was machen wir mit den Alten? Dafür braucht es eine Lösung.“ Sandra Röses eigene Eltern leben in Cloppenburg, ihrer Heimatstadt, und „ich hänge sehr an ihnen“.

„Mit Leidenschaft“ sei sie selbst Mutter geworden. „Meine Familie ist sportlich – ich hingegen esse gerne“, erzählt Röse lächelnd. „Aber ich versuche, viel zu Fuß zu gehen – jeden Tag so acht Kilometer.“ Unter anderem den Weg zum Sagehorner Bahnhof. Außerdem geht sie gerne mit ihrem Mann spazieren: „Dabei führen wir die besten Gespräche.“ Genauso gerne geht sie essen: „Das ist so was schönes Gemeinschaftliches mit Genuss.“ Ihre größte Leidenschaft ist das Lesen: „Ich bin eigentlich immer mit einem Buch im Haus unterwegs, um bei jeder Gelegenheit ein paar Seiten zu schaffen. Ich würde auch das Kölner Telefonbuch lesen – Hauptsache, es ist was zu lesen da...“

Von langfristigen Plänen hält die Bürgermeisterkandidatin nicht viel: „Ich plane nicht mein Leben – ich plane Projekte oder die Woche oder meine Arbeit. Und dann gibt es immer Ereignisse, die den nächsten Schub geben.“ So einen erhofft sich Sandra Röse dann am 26. Mai.

Acht schnelle Fragen – acht spontane Antworten:

Wie würde am Freitag, 1.   November 2019, Ihr erster Arbeitstag als Bürgermeisterin im Rathaus der Gemeinde Oyten aussehen?

Als erstes werde ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich begrüßen und für später zu ausführlichen Einzelgesprächen zum Kennenlernen einladen.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Oyten? Was zeigen Sie Gästen?

Ich gehe sehr gerne um den Oyter See.

Wenn Sie überraschend einen ganz freien Tag hätten, wie würden Sie ihn verbringen?

Ich würde nach dem Frühstück wieder ins Bett gehen und eine Stunde lesen, dann was richtig Tolles kochen, wieder lesen und später in die Sauna fahren.

Was wären Sie als ganz junger Mensch gern geworden?

Profifußballerin oder Schriftstellerin.

Oyten 2030 – welche Visionen verbinden Sie damit?

Immer noch viele Grünflächen, nicht alles versiegelt und bebaut. Und ein Miteinander von Jung und Alt.

Welche Berühmtheit würden Sie gerne mal persönlich treffen?

Die Schriftsteller Daniel Glattauer und Diana Gabaldon. Wer so wunderbare Wortschöpfungen hervorbringt und so spannend erzählt, muss sehr interessant sein.

Wem oder was können Sie nicht widerstehen?

Meinen Kindern kann ich nicht widerstehen, und das wissen sie leider auch.

Was mögen Sie an sich selbst – und was nicht so gern?

Ich mag meine Haare und meinen Humor. Aber ich neige dazu, ein bisschen rechthaberisch zu sein. Und dass man mir am Gesicht ablesen kann, was ich denke, mag ich auch nicht so.

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