TSV Bassen und TV Oyten im Lockdown

Oyten: Hoffnungsschimmer für Breitensportler

Trainingsstart beim Jugendfußball, hier am 9. März beim Verein „Germania Dörnigheim“ (Stadt Maintal). Auch der TV Oyten und der TSV Bassen beginnen wieder mit dem Training für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre.
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Trainingsstart beim Jugendfußball, hier am 9. März beim Verein „Germania Dörnigheim“ (Stadt Maintal). Auch der TV Oyten und der TSV Bassen beginnen wieder mit dem Training für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre.

Oyten/ Bassen – Nach der jüngsten Bund-Länder-Schalte ist klar: Größere Öffnungen für den Breitensport sind erst ab einem Inzidenzwert von unter 50 wieder vorgesehen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die Ansage der Niedersächsischen Landesregierung, dass seit dem 8. März ab einem Inzidenzwert von 100 Outdoor-Sport für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre wieder erlaubt ist. 20 Nachwuchssportler und zwei Übungsleiter dürfen nun wieder zusammen trainieren. Wie haben die beiden großen Oytener Sportvereine das Krisenjahr wahrgenommen und welche Perspektiven sehen sie für den Breitensport?

„Viel wahrzunehmen war nicht, es war ja ein sehr ruhiges Jahr“, sagt Marcus Neumann, Vorsitzender des TSV Bassen. „Zum Glück konnten wir die meisten unserer Mitglieder trotzdem bei der Stange halten.“ Bei rund 1100 Vereinsmitgliedern verzeichnete der Verein 40 Austritte – „erstmals mehr als Eintritte“, so Neumann.

Den verminderten Einnahmen standen weiter laufende Strom- und Heizkosten gegenüber. „Netterweise haben manche Übungsleiter auf ihre Aufwandsentschädigung verzichtet“, berichtet der Vereinschef.

„Vor einem Jahr und drei Monaten konnten wir das C-Wort kaum aussprechen“, blickt Günter Klann, Vorsitzender des rund 2000 Mitglieder starken TV Oyten, zurück. Fünf Plätze, drei Hallen und ein neues Vereinsheim lagen den Großteil des Jahres 2020 brach. „Auch wir haben Mitglieder verloren“ – laut Klann bewegt sich der Verlust mit rund fünf Prozent im kreisweiten Durchschnitt.

Schon im Oktober, als Präsenzsport noch möglich war, habe der TV Oyten sein Online-Angebot vorbereitet. Besonders über zwei Altersgruppen, Kinder und Senioren, habe sich der Vorstand Gedanken gemacht. „Denn die Kinder waren durch den Wegfall von Kita und Schule an zu Hause gefesselt“, so Klann. Bei den Senioren stelle die Technik eine Barriere für den Online-Sport dar. „Viele ältere Vereinsmitglieder haben keine E-Mail oder ein Smartphone und wollen auch keins.“ Aus Respekt vor dieser Altersgruppe habe der TV Oyten Briefe verschickt und die Adressaten um Geduld gebeten.

Denn um wirtschaftlich zu bleiben, könne der TV Oyten nicht auf Mitgliedsbeiträge verzichten. Um Mitglieder zu entlasten, entfiel die sonst übliche Beitragserhöhung zum Jahreswechsel 2020/21. Dank der Mitarbeit der Übungsleiter bietet der TV Oyten zudem kostenlos Kurse über Videochat an – vom Turnen für 4- bis 6-Jährige über Dance für die Altersgruppe 7 bis 11 bis hin zu diversen Fitnesskursen und Reha-Sport für Erwachsene.

Beim TSV Bassen gab und gibt es Online-Sportkurse nur vereinzelt, etwa einen Yoga-Kurs mit 20 Teilnehmern und den sportlichen Adventskalender mit täglichen Übungen für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre. Zum einen sei es schwierig gewesen, Übungsleiter zur Aufnahme von Videos oder Kommunikation über den Bildschirm zu motivieren, zum anderen sei die Resonanz der Mitglieder nicht so hoch gewesen, sagt Neumann.

Dass die Inzidenzwerte innerhalb der Öffnungsstrategie nicht stärker regionalisiert werden, könne man einserseits kritisch sehen, findet Marcus Neumann: „Der Landkreis Verden steht ja mit einem Wert von 35 nicht schlecht da.“ Andererseits spreche gegen eine Regionalisierung die Grenzlage zu Bremen sowie Wettbewerbe, die landkreisübergreifend ausgetragen werden.

Perspektiven für den Breitensport hängen laut Günter Klann stark von den Vorgaben der Verbände ab. Auch sei zu bedenken, dass die Politik Lockerungen bei steigenden Infektionszahlen zurücknehmen könne. „Gerade können wir nur eins tun: Unser Online-Angebot ausdehnen“, so Klann. Vereinzelt habe der Verein dadurch auch Neumitglieder geworben.

Die landesweite Öffnung für die Jugend sei „ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“. Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) wies kürzlich darauf hin, „welche fatalen Folgen Kontaktbeschränkungen und dauerhafter Bewegungsmangel gerade für Kinder und Jugendliche haben“.

Mit 420 Mitgliedern stellen Fußballer laut Marcus Neumann im TSV Bassen die größte Gruppe. „Ich würde den Fußballern eine weitere Öffnung des Spielbetriebs ab dem 22. März gönnen, sehe es aber noch nicht“, so Neumann. Um die Saison zu Ende spielen zu können, müsse das Training spätestens Ostern losgehen – oder die Saison bis zum Beginn der Sommerferien (21. Juli) verlängert werden. Für diese Verlängerung spricht sich auch der NFV aus.

Schon vor Corona seien Jugendliche immer weniger sportlich aktiv gewesen: „Es fehlt die Zeit, um Sport zu treiben“, so Neumann. Mitverantwortlich sei das Nachmittagsangebot der Ganztagsschulen. „Da trifft man sich in der Freizeit lieber zum Daddeln.“ Vor diesem Hintergrund will sich der TSV Bassen um eigene E-Sport-Angebote bemühen. Das will auch der TV Oyten langfristig angehen.

Angesichts der aktuellen Öffnung für die Jugend ist Neumann gespannt auf die Fortführung des Kurses Jugend-Leichtathletik, der sich erst kurz vor Corona formiert hatte. Beim Eltern-Kind-Turnen bleibe der Verein noch zurückhaltend. Zu groß sei die Ansteckungsgefahr unter Erwachsenen. „Kinder gelten ja als weniger empfänglich für das Virus.“

Auch Schnelltests seien fürs Training keine Patentlösung. „Antikörper lassen sich erst ab dem fünften Krankheitstag nachweisen, aber in der Zwischenzeit kann ein negativ Getester ansteckend sein. Von daher macht das nur Sinn bei einmaligen Gelegenheiten, wie etwa Wettbewerben.“

Neumann hofft aber auf eine baldige Öffnung auch für den Erwachsenensport, sofern die Inzidenzwerte es zulassen. „Die soziale Teilhabe fehlt einfach. Und wenn man nur in kleinen Gruppen ,Ball über die Schnur" spielt und etwas Spaß zusammen hat.“ Ähnlich sieht es auch Günter Klann: „Sport ist die eine Sache, aber es geht auch sehr viel um das gesellschaftliche Beisammensein.“

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