Grüne: „Nur einen Discounter wollte kein Mensch“

Rat streitet über neue Ortsmitte: „Herr Lidl“ und die Sahne

Die alte Hauptstraße samt Rat- und Heimathaus-Areal (oben rechts markiert) wird in das Sanierungsgebiet Oyten-Ortsmitte mit einbezogen. Das beschlossen SPD und CDU im Gemeinderat gegen den Willen von Grünen, AfD und FDP.

Oyten - Von Petra Holthusen. Eigentlich sollte der Gemeinderat am Montagabend nur das letzte Okay zu der monatelang vorberatenen Ausweitung des städtebaulichen Sanierungsgebiets Oyten-Ortsmitte bis in die alte Hauptstraße und zu der Fortschreibung des Entwicklungskonzepts geben. Das tat die große Mehrheit in Gestalt von SPD und CDU am Ende auch. Zuvor verstrickten sich die Ratsfraktionen jedoch in ein Streitgespräch über das eigentliche Herzstück der Neugestaltung: die für einen Mix aus Wohnen, Einzelhandel und Multifunktionsplatz reservierte Fläche hinter dem im Abriss befindlichen alten Aldi an der Hauptstraße.

Dass der Lidl-Markt in diese exponierte Lage umsiedeln will und die Vorstellung von schnuckeligen kleinen Läden rund um einen belebten Marktplatz samt künstlichem See Illusion bleiben wird, erzürnt die Grünen-Fraktion dermaßen, dass sie die gesamte städtebauliche Sanierung in Frage stellte. Was heute im Ortskern zu sehen und weiter geplant sei, spiegele in keinster Weise das, was vor elf Jahren an städtebaulichen Entwürfen mal vorgestellt worden sei, wetterte Björn Meyer, Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat der Oytener Grünen. 

Die neue Ortsmitte werde schlicht „ein Parkplatz mit Discounter“ - für parkähnliche Anlagen und grüne Verbindungen seien gar keine Flächen mehr da. Die für April von der Gemeindeverwaltung angekündigte öffentliche Veranstaltung zu der geplanten Bebauung hinter dem alten Aldi sei nur noch eine Information der Bürger, keine Beteiligung. „Aus Prinzip“ stimme seine Fraktion deshalb gegen die Fortschreibung des überarbeiteten Sanierungskonzepts im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau West“, so Meyer. Nur einen Discounter auf den Sahnegrundstücken im Ortskern, „das wollte 2008 kein Mensch“, ergänzte seine grüne Fraktionskollegin Marlies Gerken. Die „Sahne an der Stelle“ schöpfe jetzt nur „Herr Lidl“ ab.

„Das ist ein großartiges Projekt“, hielt Ralf Großklaus (SPD) empört dagegen, „ein Riesenprojekt, um unsere Ortsmitte attraktiv zu halten. Und der Bereich rund ums Rathaus ist noch das i-Tüpfelchen obendrauf jetzt.“

„Wir wollen was tun“, bekräftigte Bodo Becker (CDU), auch wenn sich manche ursprünglichen Pläne überholt hätten. Die Erweiterung des Sanierungsgebiets Richtung Rathaus sei sinnvoll, „da wollen wir weitermachen!“.

AfD-Sprecher Ingo Köhn hielt es ebenso wie die FDP mit den Grünen: Man müsse mal Prioritäten setzen in Oyten, und die Erweiterung des Sanierungsgebiets gehöre nicht dazu, meinte Köhn.

In das städtebauliche Sanierungs- und Attraktivierungsprogramm „Stadtumbau West“ für Kommunen zur Bewältigung des demografischen und wirtschaftlichen Strukturwandels war Oyten 2008 aufgenommen worden. Zwei Drittel der Investitionsmaßnahmen zahlen Bund und Land. Nach mehr als zehn Jahren Laufzeit hat sich Oyten jetzt entschlossen, die alte Hauptstraße mit ihrem Mix aus Wohnen, Gewerbe und öffentlichen Flächen auch mit ins Sanierungsgebiet zu holen und attraktiver zu machen - bis hin zum Rathaus, wo das Bürgerzentrum zu einem sozialen und kulturellen Zentrum entwickelt werden soll. Diese von der Ratsmehrheit bejahten Pläne werden jetzt zur Genehmigung der Förderfähigkeit dem Amt für regionale Landesentwicklung vorgelegt.

Kritik an der Entwicklung der neuen Mitte zwischen Haupt- und Jahnstraße wies Bürgermeister Manfred Cordes zurück: „Wir machen keine Pläne für die Schublade, sondern nur das, was der Markt auch hergibt.“ Immer wieder seien Expertisen eingeholt und Fachplaner zu Rate gezogen worden - mit dem Ergebnis: „Allen Einzelhandel im Zentrum zu konzentrieren, ist die reine Lehre. Und wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg.“ Bevor der Bebauungsplan aufgestellt werde, werde mit den Bürgern diskutiert, sicherte Cordes zu. Und was die Investitionskosten angehe, so werde der Drittel-Anteil der Gemeinde locker aus dem Flächenverkauf in dem Bereich finanziert. „Ich weiß nicht, was man noch machen soll, um den Ort voranzubringen. Andere Gemeinden würden sich nach so einem Förderprogramm die Finger lecken“, betonte Cordes.

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