Jahresabschlusskonzert in Oyten

Vierhändig die Tasten zum Glühen gebracht

Wenn Axel Zwingenberger (li.) und Henning Pertiet gemeinsam in die Tasten greifen, kann sich niemand der Faszination entziehen.

Oyten - Wenn Henning Pertiet und Axel Zwingenberger zusammen am Klavier sitzen, scheinen sie wie füreinander gemacht. Noten brauchen sie nicht, um die Tasten des Flügels vierhändig zum Glühen zu bringen, und einen Taktgeber auch nicht, weil ihre Füße in hochelegantem Schuhwerk unaufhörlich auf den Boden hämmern.

Das Publikum im Oytener Rathaussaal ließ sich am Samstagabend von der Leidenschaft dieser beiden Ausnahmemusiker in Sachen Boogie Woogie und Blues gerne einfangen und anstecken. Vom ersten Song an wippten die Konzertbesucher mit den Füßen, schnippten mit den Fingern und applaudierten, was das Zeug hielt. Hier und da waren sogar „Bravo“-Rufe zu hören. Pertiet und Zwingenberger, von Haus aus Solo-Pianisten, zeigten ein derart perfektes Zusammenspiel, als seien sie eineiige Zwillinge.

Den Einstieg ins Jahresabschlusskonzert zelebrierten beide zusammen, dann überließ Zwingenberger zunächst Pertiet das Instrument, der ihm Töne entlockte, die es an dieser Stelle sonst nicht zu hören gibt. „New House Blues“, „Blue Monk“ oder „Some Dollar“ schienen den Publikumsgeschmack zu treffen – was nicht verwunderte, denn der in Hamburg geborene Verdener gehört zu den ausdrucksstärksten Blues- und Boogie-Woogie-Pianisten Europas. 

Erinnerung an Gottfried Böttger

Mit angenehmer Stimme, immer locker und charmant, führte der Neffe des kürzlich verstorbenen Musikers Gottfried Böttger durch das Programm. Er erinnerte an seinen Onkel, mit dem er vor ein paar Jahren im Oytener Rathaussaal gemeinsam konzertierte und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Pertiet brachte seinen Fans darüber hinaus die Verbindung zu Zwingenberger nahe. 

Eine von dessen Schallplatten hatte es ihm im Alter von 23 Jahren derart angetan, dass er fortan alles daransetzte, Boogie-Pianist zu werden. Zwingenberger wurde sein großes Vorbild und er war es auch, der Pertiet 1993 auf die Wiener „Mojo Blues Band“ aufmerksam machte. Als fester Bestandteil dieses Ensembles tourte er dann als Bandpianist immerhin vier Jahre durch ganz Europa von Erfolg zu Erfolg.

Mit German Blues Award ausgezeichnet

Inzwischen hat Pertiet schon lange die Pfade des reinen Boogie-Players verlassen und individuelle Wege eingeschlagen, die ihm sogar den German Blues Award 2017 einbrachten. Eine hörenswerte Verquickung von Blues, Boogie und Jazz ist es, die seinen Stil so besonders macht. In sein musikalisches Spektrum, das er ständig erweitert, flossen und fließen stets neue Ideen und Stilelemente, die auch einen gepflegten Rock nicht außen vor lassen. Wenn Pertiet spielt, ist er ganz eins mit seinem Instrument und holt alles aus diesem heraus. Er verausgabt sich, genießt den Applaus, steht auf und plaudert lächelnd mit dem Publikum.

Zwingenberger pflegt einen ähnlichen Stil. Wenn er in die Tasten greift, hat er immer sein Publikum im Blick. Ist ein Stück serviert, springt er auf, bedankt sich für den Beifall, wobei ihm seine wilde Haarpracht ins Gesicht fällt. Er ist Hamburger, seit 1973 Boogie-Pianist und gilt als der weltweit bekannteste. Seine Liebe zu Eisenbahnen hat er in den „Honky Tonk Train Blues“ einfließen lassen. 

kr

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