Hegerundfahrt im Norden des Landkreises / Schwund von Wirtschaftswegen macht Jägern Sorgen / Engagement für Blühstreifen

Seltene Einblicke in die Landschaft hoch oben vom Trecker

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Ein anschauliches Experiment verdeutlichte den Schwund von Wirtschaftswegen.

Otterstedt - Jagdhörner erklingen nicht alle Tage auf dem Hof Albers in Otterstedt. Jetzt jedoch kamen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung in diesen seltenen Genuss, der als Begrüßung zur traditionellen Hegerundfahrt des Hegerings Achim und der Jägerschaft des Landkreises Verden diente. Die Gastgeber hatten den Hof Albers als Ausgangspunkt einer Ausfahrt in den nördlichsten Teil des Landkreises gewählt und, damit die Gäste nicht zu Fuß gehen mussten, zwei Trecker mit Anhängern als Transportmittel bereitgestellt.

Jürgen Luttmann, Vorsitzender der Jägerschaft, und Kreisjägermeister Hilmar Kruse freuten sich, neben Politikern aus Bundes-, Land- und Kreistag sowie Gemeinderat auch Vertreter der Landwirtschaftskammer und viele andere Gäste begrüßen zu können. Bestandteil der interessanten Revierbesichtigung war ein Abstecher nach Quelkhorn zu den Natur- und Artenschutzprojekten der vergangenen Jahre. Landschaftswart Wolfgang Mohr moderierte die Besichtigung und hielt für die Gäste allerlei Überraschungen bereit. Das Biotop Schnackenberger See, angelegt vor etwa fünf Jahren, hochgeschossene Hecken und Feldgehölze und Blühstreifen wurden gezeigt, wobei die Blühstreifen mit bunt gemischter Aussaat der Jägerschaft besonders am Herzen lagen. Diese seien für den Erhalt der Artenvielfalt von immensem Wert und würden in Absprache mit den Landwirten von der Jägerschaft gefördert, sagte Wolfgang Mohr. Er erklärte den Gästen die stetigen Bemühungen, diese Blühstreifen vermehrt anlegen zu lassen, um der Mais-Monokultur entgegen zu wirken.

Leider, so Mohr, stehe eine strenge Kosten-Nutzen-Rechnung der Landwirte dem oft im Wege. Dabei ließen sich Wirtschaftswege bestens dafür nutzen, und um das anschaulich zu demonstrieren, hatte sich der Landschaftswart etwas Besonderes einfallen lassen: Einen Wirtschaftsweg sperrte er mit einem langen Seil in der ursprünglichen Breite des Weges ab. Zwei Helfer, an jedem Seilende einer, gingen mit weißen Fähnchen in den hoch gewachsenen Mais zu beiden Seiten und winkten daraus hervor. Sichtbar wurde, dass der Weg um zwei Drittel eingepflügt und bebaut worden ist und das offenbar schon seit sehr langer Zeit. „Wenn man diese Flächen für den Artenschutz nutzen könnte, wäre der Flora und Fauna sehr geholfen“, erklärte Wolfgang Mohr. Leider sei es eine etablierte Vorgehensweise, Wirtschaftswege den Ackerflächen zuzuschlagen. Wo niemand dagegen Einspruch erhebe, könne es durchaus auch geschehen, dass Wege mit den Jahren ganz verschwinden würden.

Ein absolutes Highlight war die Begehung von Biotopen entlang der Walle. Versteckt im hohen Gras, gesäumt von Erlen, präsentierte Jürgen Luttmann einen von mehreren kleinen Teichen, die von Gräben gespeist werden und ein absolutes Paradies für Kleintiere sind, aber auch florale Ausbreitungsmöglichkeiten bieten. Schilf, Wasserdost, wilder Knöterich, alles darf dort ungehindert wachsen und bietet, von Spaziergängern kaum erreichbar, Lebensraum für Flora und Fauna, wie man es in dieser Form nur noch selten findet. „Wir haben diese Biotope mit eigenen Mitteln der Kreisjägerschaft und mit Hilfe von Mitgliedern angelegt und verstehen die Anlage als ein nachhaltiges Projekt zum Wiederaufbau der gewachsenen Landschaft, die an vielen Stellen Handlungsbedarf zeigt“, sagte Jürgen Luttmann.

Die Fahrt auf dem Trecker in erhöhter Position zeigte in der Tat Missstände in der Landschaft auf. Aufgegebene Melkstände, die seit vielen Jahren in den Weiden vor sich hin rosten, alte landwirtschaftliche Geräte, rostige Stacheldrahtrollen, entsorgte Autoteile, die in der Landschaft gar nichts zu suchen haben – all das macht der Jägerschaft große Sorgen, wie mehrfach zu hören war.

Mit einem weiteren stimmungsvollen musikalischen Beitrag der Bläsergruppe und einem gemeinschaftlichen Essen auf Albers Hof ließ die Kreisjägerschaft die Hegerundfahrt ausklingen, nicht ohne die Gelegenheit der Versammlung zu nutzen, sich gegenseitig auszutauschen.

kr

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