Zu Besuch bei den Bürgermeister-Kandidaten

Björn Meyer (Grüne): Mit Heavy Metal und Querdenke 

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Der Grüne Björn Meyer (48) ist der Rockmusiker unter den Oytener Bürgermeisterkandidaten. Die Musik von Genesis begleitet ihn seit seiner Jugend, und Pink Floyd huldigt er als Keyboarder in einer Tribute-Band.

Oyten - Von Petra Holthusen. Wo Oma früher ihre gute Stube in dem alten Haus an der Hauptstraße hatte, ist heute Björn Meyers Reich. Sein Homeoffice. Auf wenigen Quadratmetern türmen und stapeln sich Sammelkisten, Ordner, Bücher, Hefte, Plakate, Bilder und CDs zwischen Rechnerarbeitsplätzen und Klavier – das Universum eines kreativen Kopfes. Björn Meyer liebt alles, was Tasten hat; als freiberuflicher Fachjournalist und Multimedialist vor allem seinen PC und als leidenschaftlicher Musiker von klein auf ganz besonders sein Keyboard. Seine dritte Passion ist die Politik – grüne Politik. Um Oyten grüner zu machen, will der 48-Jährige Bürgermeister werden. Ende November nominierten die Oytener Grünen ihren Gemeinderatsfraktionschef für die Wahl am 26. Mai.

Mit Wahlwerbung hält er sich bislang zurück: „Meine Plakate kommen erst zu Ostern“, sagt Meyer. Mit welchen Slogans er Aufmerksamkeit erzielen will, das „wird noch nicht verraten“. Nur soviel: Seine Idee „Heavy-Metal-Bürgermeister“ konnte Rockmusiker Meyer bei seinen Grünen nicht durchsetzen. Aber dass er einer ist, der „sich auch mal selbst nicht so ernst nimmt, kreativ und unkonventionell an die Dinge rangeht und um die Ecke denkt“, will Björn Meyer den Wählern schon gern vermitteln. Weil sowas Oyten seiner Ansicht nach fehlt. Zum Beispiel die Neubauten von Feuerwehrhaus Alte Hauptstraße und Kita Oyter Mühle: Die hätten allein von Lage und Umfeld her die Grundstücke tauschen müssen, meint Meyer, aber diese Grünen-Idee sei im Gemeinderat nicht durchgedrungen.

Politisch interessiert ist Meyer, „seit ich denken kann“. Vor allem dank seines Vaters, der als Seemann viel von der Welt sah und mit dem er als Kind schon politische Satire im Fernsehen guckte. Dann kam die Anti-Atomkraft-Bewegung, und spätestens seitdem „ist Grün für mich komplett logisch und alles andere absurd“.

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Aufgewachsen in Uphusen und Arbergen, machte Meyer 1990 in Achim Abitur und studierte bis 1996 Politikwissenschaften und Soziologie an der Universität Bremen. Nebenbei schrieb er als freier Mitarbeiter für die Verdener-Aller-Zeitung und arbeitete danach ein Jahr als Fachredakteur bei „Keys“, einer Fachzeitschrift für Musik und Computer in München.

In jungen Jahren als Freiberufler tätig

Seit 22 Jahren verdient Meyer seine Brötchen nun als Freiberufler und arbeitet unter anderem für Yamaha Music, für die er zum Beispiel Handbücher und Bedienungsanleitungen für Instrumente übersetzt. Sein zweitgrößter Auftraggeber ist ein medizinischer Informationsdienstleister, dessen Webmaster er ist. Der Vorteil des Freelancers: „Ich bin mein eigener Chef, kann meine Zeit frei einteilen und bin, weil ich alles von zu Hause aus machen kann, immer dicht an meinen Kindern dran.“ Tochter Amelie wurde 2001 geboren, Sohn Jannis 2004. 2002 war die junge Familie von Bremen zurück aufs Land gezogen: in das Oytener (Groß-)Elternhaus von Björn Meyers Ehefrau Bianca, die vor zwei Jahren an einer unheilbaren Erkrankung starb.

Als Neu-Oytener klopfte Meyer bei den Grünen in Sachen Mitarbeit an und rannte offene Türen ein. Erste Erfahrungen in der Kommunalpolitik sammelte er als Beratender Bürger im Sozialausschuss, bevor er 2016 in den Gemeinderat gewählt wurde und den Fraktionsvorsitz der Grünen übernahm. Als Bürgermeister Manfred Cordes voriges Jahr seinen Rückzug für November 2019 ankündigte und damit die Weichen auf Neuwahl stellte, „habe ich nochmal kurz überlegt und beschlossen zu kandidieren“, so Meyer. Als Grüner würde er „einiges anders machen“, zum Beispiel „Vorhaben Bürgern vorlegen und deren Ideen sammeln“. Bürgern fertige Pläne zu präsentieren, sei keine Bürgerbeteiligung, sondern bloße Information.

„Gestalten und kreativ sein, das macht mir Spaß“, unterstreicht Meyer. Das lebt er in Beruf und Politik – und vor allem als Kulturschaffender. Mit seinen Oytener „Theaterfroynden“ bastelt er gerade an einem neuen eigenen Stück: „IBAN“, so der Arbeitstitel, spielt in einer Bank auf dem Dorf und soll im November Premiere feiern. Mit der Power-Metal-Band „Eternal Reign“ ist Meyer nicht mehr on tour, dafür als Keyboarder mit der Pink-Floyd-Tribute-Band „Floyd Unlimited“. Und das ist für ihn genauso logisch wie Grüner zu sein, denn Pink Floyds „The Wall“ war Ende der 70er die Initialzündung für Meyers Rockmusikerlaufbahn: Nach ersten Anfängen auf Mutters Heimorgel kaufte er sich von seinem Konfirmationsgeld das erste eigene Keyboard.

Acht schnelle Fragen – acht spontane Antworten:

Wie würde am Freitag, 1.   November 2019, Ihr erster Arbeitstag als Bürgermeister im Rathaus der Gemeinde Oyten aussehen?

Ich würde durch alle Abteilungen gehen, guten Tag sagen, die Mitarbeiter fragen, wie sie heißen und was sie machen.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Oyten? Was zeigen Sie Gästen?

Unser Garten ist sehr schön. Und der Oyter See. Wo Wasser ist, fühle ich mich wohl.

Wenn Sie überraschend einen ganz freien Tag hätten, wie würden Sie ihn verbringen?

Ich würde den ganzen Tag Musik machen! Das ist pure Freude. Das ist einfach Sein.

Welche Berühmtheit würden Sie gerne mal persönlich treffen?

Einen Tag mit Peter Gabriel verbringen und Musik machen, am besten in seinem Studio – das wäre ein Traum.

Was wären Sie als ganz junger Mensch gern geworden?

Als kleiner Junge Lokführer, als junger Mann Journalist und Nachrichtensprecher im Fernsehen.

Oyten 2030 – welche Visionen verbinden Sie damit?

Dass Oyten mehr als eine Schlafstadt ist, dass es als Lebensort ein bisschen mehr lebt. Dass der Durchgangsverkehr reglementiert ist, sodass man sich an der Hauptstraße unterhalten kann. Und dass Oyten grüner ist.

Wem oder was können Sie nicht widerstehen?

Es ist schwierig, eine angefangene Tüte Chips liegen zu lassen...

Was mögen Sie an sich selbst – und was nicht so gern?

Ich bin ein treuer Hund; wenn ich erstmal bei etwas bin, bleibe ich auch dabei. Sportlich bin ich, bedingt durch Asthma, nicht so fit, wie ich gern wäre. Aber Schwimmen geht.

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