Grundschule Oyten ermöglicht 95 Kindern professionelles Tanzprojekt

„Jeder hat etwas zu bieten“

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Was wild durcheinander zu gehen scheint, folgt einer klaren Ordnung: In Wellenbewegungen richten sich die Kinder zur Musik von Jean-Philippe Goude auf. Thema des Tanzprojekts ist das Element Wasser.

Oyten - Von Lisa Duncan. Tänzerin Amaya Lubeigt lässt ihre Schultern abwechselnd kreisen. Am Anfang gebeugt, streckt sie jeweils am Ende der Bewegung einen Arm nach vorn. Leicht zu erkennen, dass sie Schwimmbewegungen imitiert – und die rund 95 Dritt- und Viertklässler in der Turnhalle der Grundschule Oyten ahmen hochkonzentriert nach, was die kleine drahtige Frau vorgibt. Doch mit Schwimmen hat diese Unterrichtsstunde nur am Rand etwas zu tun. Die Kinder nehmen teil an einem Tanzprojekt der niederländischen Gruppe „De Loopers“, die eigens Choreographien zum Thema Wasser zusammengestellt hat.

Mit ihrem Projekt „dance2gether“ ist die professionelle Tanzgruppe, bestehend aus Lubeigt, Gregor Dreykluft und Wilhelm van Poppel, international gefragt. „Zuletzt waren wir an einer Schule in Spanien, in San Sebastián. Das liegt am Atlantik und dort wird Walfang betrieben“, erzählt van Poppel. Das brachte die Tänzer auf die Idee, das Thema Wasser für eine Choreographie aufzugreifen. Zudem sei das Element so vielseitig: „Mit Wasser kann man Wellen machen, es trinken, sich waschen, schwimmen. So lassen sich abstrakt realistische Bewegungen umsetzen.“ Als musikalische Grundlage dienen Kompositionen des zeitgenössischen Komponisten Jean-Philippe Goude. „Das ist sehr zugängliche Musik, sehr modern.“

Fünf Klassen, drei dritte und zwei vierte, kamen größtenteils zum ersten Mal mit modernem Tanz in Kontakt. 95 Grundschulkinder in fünf Tagen fürs Tanzen begeistern – das klingt wie eine unlösbare Aufgabe. Doch auch bei „ernster Musik“ (die als Gegensatz von Unterhaltungsmusik gilt) habe er keine Berührungsängste bei den Kindern festgestellt. Von dem ungarischen Komponisten Béla Bartók etwa seien sie begeistert gewesen. „Das ist, als ob man eine neues Kochrezept ausprobiert. Entweder sagen die Kinder danach: ‚Mutti, niemals wieder‘ oder ‚Morgen nochmal‘“, erläutert van Poppel.

Schulleiterin Elke Pawellek war sofort Feuer und Flamme, als sie die Aufführung der „De Loopers“ mit Schülern an der IGS Oyten sah und sagte sich: „Das will ich auch an meiner Schule.“ Womit sie sich offenbar in guter Gesellschaft befindet: Als nächstes plant die Tanztruppe Gastspiele an Schulen in Bruchhausen-Vilsen und Langwedel.

Obgleich es ebenfalls auf Bewegung basiert, habe Tanzen einen anderen Lerneffekt als der reguläre Sportunterricht, findet die Pädagogin. „Beim Sport lassen die Schüler ihre Energie raus. Aber beim Tanzen müssen sie sich auf sich selbst konzentrieren.“ Es fördere bewusstes Bewegen, das im heutigen Alltag oft zu kurz komme. „Immer häufiger stellen wir bei der Einschulung motorische Schwierigkeiten der Kinder fest“, so Pawellek.

Zudem fördere das Tanzen in der Gruppe das Gemeinschaftserlebnis und eine positive Selbstwahrnehmung, ergänzt van Poppel. „In der Youtube-Generation ist es doch so: Je blöder man ist, desto mehr Erfolg hat man.“ Beim Tanzen hingegen müsse man sich Mühe geben, aber am Ende komme etwas Gutes dabei heraus und man stelle fest: „Jeder hat etwas zu bieten, nicht nur einer!“

Das ist wohl auch ein Grund, warum die Stiftung der Kreissparkasse Verden dieses 3000 Euro teure Schulprojekt zu einem Viertel (750 Euro) unterstützt. Weitere Spenden kommen vom Schulverein „Kleine Strolche“ und diversen Oytener Unternehmen. Zudem sammelte Pawellek von den Schülern einen symbolischen Beitrag von jeweils drei Euro ein. Gestern zeigten die Kinder vor der gesamten Schule samt Eltern ihr tänzerisches Können.

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