Anwohner kritisieren Maßnahme

Unnötige Versiegelung? Grünstreifen weicht in Bassen Pflasterung

+
Steinpflaster statt Grünstreifen: Andreas Ulrich ist empört, weil die Baumaßnahme eine weitere Bodenversiegelung bedeute. Den selbst gesetzten Walnussbaum hat er jedenfalls erst mal in Sicherheit gebracht.

Bassen – Am Mittwoch fanden Anwohner des Grenzwegs in Bassen ein Informationsblatt der Gemeinde in ihren Briefkästen: Ab Mitte der Woche werde aufgrund wiederholter Beschwerden der Grünstreifen entlang des Fußweges entfernt und gepflastert. Unterzeichnet war das Schreiben vom ausführenden Bauunternehmen aus Rotenburg und Oytens Bürgermeister Manfred Cordes (SPD).

Auch Sandra Kublenz und Andreas Ulrich haben den Brief bekommen, und sind entsetzt. „Als wir hierhergezogen sind, haben wir uns über die Grünstreifen sehr gefreut“, sagen die Hausbesitzer. Sie selbst und einige andere Anwohner schätzen ihre Grünstreifen vor dem Garten; sie pflanzen dort Büsche, Blumen oder kleine Bäume. Die Pflege übernehmen die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke oder einmal im Jahr der Bauhof der Gemeinde. Die Anlieger können die Maßnahme, die schon im vollen Gange ist, nicht nachvollziehen und stören sich daran, dass hier ohne Rücksprache Fakten geschaffen werden.

Wolfgang Röttjer vom Fachbereich Bauen und Planung im Oytener Rathaus hätte ihnen auf Nachfrage erklärt, dass die Fußwege zu schmal seien und nicht der Richtlinie entsprächen, deshalb würden diese nun umgesetzt. „Ich bin schwerstens empört darüber, wie das hier vonstattengeht“, sagt Andreas Ulrich. „Wenn irgendjemand Beschwerde einreicht, heißt das noch lange nicht, dass dieser die Mehrheit repräsentiert.“ Er kritisiert, dass die Anwohner nicht dazu befragt wurden, keine Information erhalten und keine Gespräche im Vorfeld stattgefunden hätten.

Das entspricht laut Axel Junge, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice und Wirtschaftsförderung, nicht ganz der Wahrheit: „Beschwerden, dass der Fußweg zu klein ist, gibt es schon lange und immer wieder.“ Und die seien nicht nur von einer Einzelperson ausgegangen. Die Planungen für den Gehweg inklusive Grüninseln liegen 40 Jahre und mehr zurück – nach Richtlinien, die heute veraltet sind. Die Frage, wie breit Gehwege heute sein müssen, konnte der Verwaltungsvize zwar nicht beantworten. Ausschlaggebend ist Junge zufolge aber, dass der Gehweg in seinem jetzigen Zustand keine Verkehrssicherheit gewährleiste.

In Abwägung zwischen der Erhaltung von Grünflächen und Verkehrssicherheit habe die Politik beschlossen, den Grenzweg auf die Prioritätenliste für Straßenerhaltungsmaßnahmen zu setzen und dort 2019 neu zu pflastern. „Das war keine Eigenentscheidung der Verwaltung, sondern die Politik hat das mitbestimmt“, stellt Junge klar. Seit etwa zwei bis drei Jahren beschäftige das Thema Gemeindeverwaltung und -rat. Zunächst habe sich ein Arbeitskreis mit dem Thema befasst, wo Straßen und Fußwege nachgebessert werden müssen, danach sei im Ausschuss für Umwelt- und Gemeindeentwicklung (AUGE) abgestimmt worden, dass der Grenzweg „dran“ ist.

Der Fußweg am Grenzweg sei somit nur einer von vielen Baustellen, die Oyten nach und nach in Angriff nehme: „Die Gemeinde gibt sehr viel Geld dafür aus – mehr als viele andere Kommunen“, betont Junge, und nennt eine Hausnummer: Die Pflasterung am Grenzweg koste einige 10 000 Euro.

Die Anwohner kritisieren die Umgestaltung indes als vollkommen unnötige Ausgabe, weil der Bedarf gar nicht vorhanden sei: Dass sich Fußgänger auf dem Fußweg begegnen, geschehe kaum, weil überhaupt nur sehr wenige Passanten in dem abgeschlossenen Wohngebiet unterwegs seien. Außerdem nutzten sie in der Regel, wegen des geringen Verkehrsaufkommens, sowieso die Straße, meint Andreas Ulrich.

Manchmal seien die Fußwege beengt, weil überhängende Büsche der Gärten oder Anpflanzungen auf den Grünstreifen bis auf die Wege reichten. „Würde man das ordentlich zurückschneiden, könnte man sehr schnell mehr Platz gewinnen“, argumentiert Ulrich. „Auch können wir uns überhaupt nicht vorstellen, dass die Unterhaltungskosten der Wege durch die Baumaßnahme geringer werden“, sagen Sandra Kublenz und Andreas Ulrich. Sie fordern „einen sofortigen Stopp der Arbeiten und eine Diskussion darüber, ob man weitere Flächen versiegeln muss“.

Werner Schmidtke sieht sich ebenfalls als Betroffener. Als langjähriger Anwohner des Grenzwegs habe er mit einem Rhododendron ebenfalls eine kleine Bepflanzung geschaffen. Er kann zudem nicht verstehen, warum dort Bäume bis auf den Stumpf gekappt worden seien, ohne die Baumstümpfe zu entfernen. „Seitdem kann ich dort nicht mehr mähen.“ Er räumt zwar ein, dass der Fußweg an einigen Stellen sehr schmal ist, findet aber: „Auf der anderen Straßenseite ist genug Platz zum Gehen.“ Dort befinde sich kein Grünstreifen.

An der Sitzung, in der der Grenzweg im AUGE auf der Tagesordnung stand, hat Schmidtke nicht teilgenommen. „Wir wurden nicht informiert“, sagt er, und fügt hinzu: „Klar wird sich da jemand beschwert haben. Die meisten Nachbarn sind aber für eine Erhaltung der Grünflächen.“ Ein Mitarbeiter des Rathauses habe ihm erzählt, dass es zur Versiegelung eine Alternative gegeben hätte. Nämlich, den Gehweg an der Stelle ganz wegzunehmen und „alles grün zu machen“, da der Gehweg auf der anderen Seite genug Platz böte.

 sch/ ldu

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Meistgelesene Artikel

Misshandelte Kaninchen: Tierheim Verden päppelt blinde Böcke auf

Misshandelte Kaninchen: Tierheim Verden päppelt blinde Böcke auf

Stimmungsvolle Dekorationsideen

Stimmungsvolle Dekorationsideen

Kreisarchäologie kann Fund aus Achim datieren: „Diese Runen sind ein Knaller“

Kreisarchäologie kann Fund aus Achim datieren: „Diese Runen sind ein Knaller“

Lehrer für „Wegweisendes Projekt“ ausgezeichnet

Lehrer für „Wegweisendes Projekt“ ausgezeichnet

Kommentare