Freigelegte Verdachtsobjekte auf Bahnbaustelle nur Altmetall / Evakuierung unnötig

Zum Glück alles Schrott

Rolläden runter und ein Handtuch an der Türklinke, das das Haus als geräumt kennzeichnet: Gewissenhaft bereiteten sich Anwohner in Sagehorn auf die mögliche Evakuierung vor, die dann zum Glück nicht nötig war. Fotos: Holthusen

Sagehorn - Von Petra Holthusen. Morgens um sieben war die Welt wieder in Ordnung: „Störfunde geborgen, nur Altmetall, keine Evakuierung nötig“, gab die Gemeinde Oyten über Online-Kanäle und Telefonketten zügig Entwarnung.

Mehr als 1000 Menschen im Umkreis der Bahnbaustelle in Sagehorn, darunter die Bewohner von zwei Alten- und Pflegeheimen, hätten von einer Evakuierung betroffen sein können, wenn sich die im Boden georteten Metallobjekte als zu entschärfende Kampfmittel herausgestellt hätten. „Gefunden wurde aber nur Metallschrott“, sagte Oytens Bürgermeisterin Sandra Röse am Montagvormittag erleichtert.

Am frühen Morgen hatte der niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst wie angekündigt die insgesamt acht metallischen Verdachtsobjekte auf dem Gelände an der Sagehorner Dorfstraße freigelegt. Hier hat die Deutsche Bahn mit dem Neubau der Oytener Bahnstation begonnen, und während der Baugrundsondierung waren Auffälligkeiten im Boden festgestellt worden, bei denen es sich um Kriegsmunition aus dem Zweiten Weltkrieg hätte handeln können.

„Weil sich die Funde alle dicht an der Oberfläche befanden, konnten sie schneller als erwartet freigelegt werden“, berichtet Röse. Falls es Kampfmittel gewesen wären, die umgehend hätten entschärft werden müssen, wäre der minutiös vorbereitete Evakuierungsplan für das Wohnumfeld angelaufen. „Wir standen alle parat und waren komplett durchgetaktet“, schildert die Bürgermeisterin – äußerst froh, „alle wieder nach Hause schicken zu können“.

Gut 40 Vertreterinnen und Vertreter von Gemeindeverwaltung, Bauhof, DRK, Freiwilliger Feuerwehr, Polizei, Pflegeheimen, Gesundheitsamt, Deutscher Bahn und Landkreis Verden standen am frühen Montagmorgen bereit für die Umsetzung des Evakuierungsplans. Die Aufgaben waren exakt verteilt, um Straßen zu sperren, Häuser zu räumen, Menschen zu den vorbereiteten Unterkünften zu transportieren und dort zu versorgen. Was möglicherweise auf sie zukommt, darüber waren die Sagehorner Anwohner per Hauswurfsendung im Detail informiert worden. Für Nachfragen hatte die Gemeinde übers Wochenende eine Info-Hotline geschaltet. Die wurde nach Röses Worten vor allem für die Klärung spezieller Fälle genutzt – etwa den erforderlichen Krankentransport für körperlich beeinträchtigte Anwohner oder den Verbleib von Haus- und Nutztieren. Oder die Kennzeichnung des eigenen Hauses als geräumt mittels eines Handtuchs an der Klinke, wenn jemand schon in der Nacht zur Arbeit aufbrechen musste.

Als Notunterkünfte für die Altenheimbewohner waren die Gäststätten der Familien Thran, Bitter und Segelken vorbereitet, als Sammelstellen für alle anderen die Schützenhallen in Oyten und Schaphusen sowie das Bassener Blocks Huus. Gastronomen und Vereinsvorständen sprach die Bürgermeisterin großen Dank aus, dass sie ihre Räume und Hallen sofort und ohne Zögern zur Verfügung gestellt hätten: „Das hat schon einen wirklich hohen Wert, wenn Menschen und Vereine im Notfall so unkompliziert reagieren.“ Alles in allem hätten alle Beteiligten wie eine Einheit funktioniert – „wirklich toll“.

Und auch wenn der Evakuierungsplan am Montag nicht greifen musste – umsonst waren die umfassenden Vorbereitungen keineswegs: „Ich bin wirklich froh, jetzt eine Schablone in der Schublade zu haben“, sagte Bürgermeisterin Röse mit Blick auf noch kommende Herausforderungen: Auf dem Gelände rund um das ehemalige Bahnwärterhaus „Villa Rotstein“, wo die Gemeinde den Bau eines Bahnhofsvorplatzes plant, wurden 40 metallische Störfunde geortet, die noch in diesem Jahr freigelegt und untersucht werden sollen. Dann muss sich Sagehorn wieder für eine mögliche Evakuierung rüsten. Auf dem Areal am Schwarzen Weg, wo die große P+R-Anlage entstehen soll, findet die Baugrundsondierung übrigens erst noch statt – Metallfunde nicht ausgeschlossen.

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