Zirkusfamilie Trumpf in Corona-Krise ohne Auftritte und Einnahmen / Hoffen auf Spenden

Gestrandet in Bassen

Kostüme zieht die Zirkusfamilie Trumpf in diesen Wochen nur zum Üben an – an Auftritte ist während der Corona-Krise nicht zu denken. Aber ohne Gastspiele keine Einnahmen. Weil die in Bassen gestrandete Familie von der Hand in den Mund lebt, hofft Vater Ronny auf Spenden. Foto: Holthusen

Bassen - Von Petra Holthusen. „Richtig froh“ war die siebenköpfige Artistenfamilie Trumpf, endlich aus ihrem Winterquartier in Langwedel aufbrechen und wieder auf Tour gehen zu können. Doch weit gekommen sind Ronny und Katja Trumpf mit ihren fünf Kindern nicht: Nach Absage gleich ihres ersten Engagements in dieser Saison aufgrund der Corona-Krise und des damit verbundenen Ausfalls aller öffentlichen Veranstaltungen ist die Familie in Bassen gestrandet.

Da an Auftritte – geplant waren Gastspiele mit dem Zirkus Minimax – die nächsten Wochen und vielleicht Monate nicht zu denken ist, haben die Trumpfs keinerlei Einnahmen und leben von der Hand in den Mund: „Es fehlt halt hinten und vorne“, sagt Familienvater Ronny. Vor allem fehle es ihnen an Gas zum Heizen und Kochen sowie an Lebensmitteln. Die Unterstützung von Amts wegen reiche nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Deshalb hoffen die Artisten auf Spenden aus der Bevölkerung.

Zunächst hatte die Familie – die fünf Kinder sind fünf bis 18 Jahre alt – ihre Wohnwagen für zwei Wochen auf einer privaten Wiese in Bassen aufgebaut und vor einer Handvoll Leuten sogar kleine Vorstellungen gegeben. Doch die Versorgung vor allem mit Strom gestaltete sich schwierig: Die Leitung habe quer über der Straße gelegen und sei ständig kaputtgefahren worden, erzählt Ronny Trumpf. Also mussten sie umziehen und baten die Gemeinde Oyten um Hilfe. Die sprang ein und stellte den Artisten spontan den Parkplatz gegenüber der – aktuell verwaisten – Bassener Grundschule an der Dohmstraße als Stellplatz zur Verfügung.

„Wir haben Wasser und Strom von der benachbarten Kindertagesstätte zum Wagenplatz 'rübergelegt“, schildert Axel Junge, Vize-Verwaltungschef der Gemeinde, und spricht von schneller und unbürokratischer Hilfe: „In Zeiten wie diesen müssen alle zusammenhalten.“ Dafür ist Ronny Trumpf dankbar: „Die schnelle Hilfe war wirklich sehr nett.“

Wie lange sie auf dem Platz bleiben muss oder kann und wie es überhaupt für sie weitergeht, steht für die Familie in den Sternen. Immer mal wieder werden die Kostüme angezogen und Teile des Programms von Feuerschlucken über Messerwerfen und Seiltanzen bis zu den Clownerien trainiert – ansonsten gibt es für die Artisten nicht viel zu tun: „Wir hocken hier rum.“

Und sie sitzen fest, was dem von Freiheit und Unabhängigkeit bestimmten Lebensgefühl der Schausteller vollkommen widerstrebt. Ronny Trumpf wurde vor fast 40 Jahren in einem Zirkuswagen in Bayern geboren, wie er erzählt, und ist sein Leben lang unterwegs gewesen. Seine Frau Katja, gebürtige Bremerin, schloss sich ihrem Mann und dem Wanderleben vor 20 Jahren an. Ständige Mitreisende sind die finanziellen Sorgen. Rosig sieht es sowieso nie aus, Reserven hat die Familie keine – und jetzt schiebt die Corona-Krise Einnahmen durch Auftritte einen Riegel vor. Es wird knapp. Vor zwei Wochen sei er schon sammeln gegangen, erzählt Ronny Trumpf.

Vor allem das Gas reiche nicht: „Wir haben fünf Wohnwagen zu beheizen und kochen auch auf Gas.“ Familie Trumpf würde sich über Gas-Spenden freuen – „aber auch Essen ist willkommen“, hofft Ronny Trumpf auf Unterstützung durch private Spender.

Kontakt

Wer die in Bassen festsitzende Artistenfamilie Trumpf unterstützen möchte, erreicht Ronny Trumpf unter Telefon 0176 / 36092000.

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