Zu früh gefreut 

Energiekontor verneint Rückbau des Windrad-Standorts nahe Behlingsee

+
Seit Monaten ruht die Baustelle für das Windrad hinter der Straße am Behlingsee.

Oyten - Die Gegner der geplanten 176 Meter hohen Windenergieanlage im Überschwemmungs- und Landschaftsschutzgebiet zwischen Bremer Bultensee und Oytener Behlingsee schöpfen neue Hoffnung. Seit Monaten liegt die Baustelle der Bremer Energiekontor AG, die das umstrittene Windrad an der Grenze zu Oyten bauen und betreiben will, wegen der Insolvenz des nicht lieferfähigen Anlagenherstellers Senvion brach (wir berichteten). Jetzt tut sich was auf dem Areal, das Nachbarn optimistisch als erste Anzeichen eines möglichen Rückbaus des Standorts deuten. Das jedoch ist völlig verfrüht. „Die Entscheidung ist definitiv noch nicht gefallen. Es ist abwegig zu glauben, dass wir den Standort nicht mehr nutzen werden – diese Wahrscheinlichkeit liegt unter zehn Prozent“, erklärt Torben Möller, Vorstandsmitglied der Energiekontor AG, auf Nachfrage.

Werner Martin, Anwohner vom Behlingsee und Sprecher der Bürgerinitiative „Keine Windräder am Bultensee“, beobachtet die im Frühjahr eingerichtete und mit einer geschotterten Zufahrt durch Oytener Wiesen erschlossene Baustelle mit Argusaugen. Und er ist sich sicher, „dass das vor Ort lagernde Eisen für das Fundament jetzt mit einem Gabelstapler zurück in einen Container verladen wurde“. Wenig später transportierte ein Lkw besagtes Eisen an Martins Haus vorbei ab. Für den Oytener ein Indiz, dass Energiekontor den Standort räume und möglicherweise aufgebe.

Energiekontor-Vorstand Möller bestätigt den Abtransport des Materials: „Wir hatten dort 50 Tonnen Stahl lagern gehabt, das musste weg.“ Dieser Stahl sei ganz speziell für das geplante Fundament angefertigt worden, für das der Bauherr jetzt jedoch mit veränderten Komponenten rechne: „Ein neues Fundament-Design“, so Möller, „ist wahrscheinlich.“ Egal, ob Energiekontor die Anlage von einem möglichen Senvion-Nachfolger beziehe oder von einem ganz anderen Hersteller. Ansonsten habe sich am „Sachstand nichts geändert“.

Der wieder abtransportierte Stahl fürs Fundament lässt die Gegner des Windrads Bultensee auf einen kompletten Rückbau des umstrittenen Standorts hoffen. Bauherr Energiekontor hat jedoch nicht vor, das Projekt aufzugeben.

Besagten Sachstand zur ruhenden Windrad-Baustelle hatte Möller Anfang Juli auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Danach strebt Investor Energiekontor zwar die weitere Zusammenarbeit mit Senvion beziehungsweise dem möglicherweise übernehmenden Konzern an – denn das würde die geringste Zeitverzögerung bedeuten –, hält aber vorsorglich auch nach Alternativen unter den Windradherstellern Ausschau. Bei einem Anbieterwechsel müsste jedoch das ganze Planverfahren neu aufgerollt werden: Die vom Bremer Gewerbeaufsichtsamt erteilte Bau- und Betriebsgenehmigung für das Windrad am Bultensee gilt laut Möller nur für das beantragte Senvion-Modell – nicht für eine Alternative, auch wenn sie baugleich wäre. Dazu kämen bei der Beauftragung eines anderen Herstellers Lieferzeiten von neun bis zwölf Monaten.

Wie genau es mit dem Windrad am Bultensee weitergeht, entscheidet sich nach Möllers Worten erst nach der Gläubigerversammlung bei Senvion am 10. September. Da die Energiekontor AG bis heute schon „eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich“ in Planung und Vorbereitung der Anlage gesteckt habe, kommt eine Aufgabe des Standorts für Möller nicht in Frage: „Soweit ist es Gott sei Dank noch lange nicht“, sagte der Unternehmensvorstand im Juli, und daran hält er weiter fest.

Der insolvente Windradhersteller Senvion aus Schleswig-Holstein kann nicht liefern.

Die Bürgerinitiative um Werner Martin, die mit all ihren Aktivitäten und Verbündeten im Kreis das Bremer Windrad nicht hatte verhindern können, setzt jetzt auf den Faktor Zeit: „Sollten sich unsere dreieinhalb Jahre Kampf gegen dieses Windrad doch gelohnt haben? Wurden die Bauverzögerung, die durch unseren unerbittlichen Kampf entstanden ist, und die Senvion-Insolvenz durch Gottes Fügung und ganz viel Glück zusammengeführt?“ Martin hegt die Hoffnung, dass das Energiekontor-Projekt doch noch scheitert. Wegen des wahrscheinlichen neuen Antrags- und Ausschreibungsverfahrens mit veränderten Kosten und Konditionen – und wegen der neuen Erneuerbare-Energien-Verordnung, nach der der produzierte Strom dann bezahlt würde: „Und ob sich das rechnet, ist die Frage“, mutmaßt der Bürgerinitiativler. Außerdem: „Nach der neuen Verordnung sollen ja keine Einzelwindräder mehr genehmigt werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Immer in Verbindung für Komfort und Sicherheit

Immer in Verbindung für Komfort und Sicherheit

Welches Tier darf ich im Garten begraben?

Welches Tier darf ich im Garten begraben?

Dämpfer gegen Arsenal: Eintracht verliert zum Europa-Auftakt

Dämpfer gegen Arsenal: Eintracht verliert zum Europa-Auftakt

619. Großmarkt Diepholz - die Eröffnung am Donnerstag

619. Großmarkt Diepholz - die Eröffnung am Donnerstag

Meistgelesene Artikel

Politik und Verwaltung suchen nach Abhilfe für Kita-Platz-Not

Politik und Verwaltung suchen nach Abhilfe für Kita-Platz-Not

Gasgeruch in Oyten: Mann in Not

Gasgeruch in Oyten: Mann in Not

„Möchte nicht, dass wir die Erde zerstören“

„Möchte nicht, dass wir die Erde zerstören“

Vorschlag beim Thänhuser Abend: Sex statt Bio

Vorschlag beim Thänhuser Abend: Sex statt Bio

Kommentare