Ausstellung an IGS Oyten eröffnet

Flucht und Ankommen: Das älteste Thema der Menschheit

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Volksbund-Bildungsreferent Karl-Friedrich Boese (li.) führte Zehntklässler und Gäste an der IGS Oyten in die Ausstellung „geflohen – vertrieben – angekommen?!“ ein.

Oyten - Die Rückseite der Visitenkarte von Karl-Friedrich Boese vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist englischsprachig – und hier wird die angegebene Funktion Bildungsreferent zu „Peace Education“: „Friedenserziehung“. Das bringt seine Mission auf den Punkt.

Aus dem, was gewesen ist, Lehren zu ziehen, Zusammenhänge zu begreifen und mit dem Ziel einer friedlicheren Welt den Bogen ins Heute zu spannen – „das ist“, so Boese, „der Sinn von Geschichte“. Und somit auch der Sinn von Geschichtsunterricht.

Am Montag baute Boese die Ausstellung „geflohen – vertrieben – angekommen?!“ des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf Initiative von Lehrerin Maria Schmidt in der IGS Oyten auf, wo sie bis zu den Weihnachtsferien Unterrichts- und Gesprächsstoff bietet und nach Absprache auch von außerschulischen Interessierten besucht werden kann. 

Die Dokumentation auf drei Faltwänden spannt den Bogen von Aspekten der Gewaltmigration (des erzwungenen Verlassens der Heimat aufgrund kriegsbedingter, politischer, religiöser oder rassistischer Verfolgung) im 20. und 21. Jahrhundert und insbesondere im Sog des Zweiten Weltkriegs über die Lösung der Flüchtlingsproblematik in den Jahren nach 1945 bis zum heutigen Aufnahmeland Deutschland und den Flüchtlingsalltag.

Bildungsreferent Boese und IGS-Lehrerin Maria Schmidt (v.re.) im Gespräch mit Zehntklässlern, die die Ausstellung anhand von Fragebögen systematisch erkunden.

„Das Thema Flucht ist ein Dauerthema; ein Thema, das die Welt permanent beschäftigt“, sagte Schulleiter Reinhard Ries zur Ausstellungseröffnung im Kreis des 10. Jahrgangs der IGS Oyten. Die Frage sei: „Wie gehen wir damit um?“ Dafür sei es wichtig zu wissen: „Wie haben die Leute das früher gelöst?“ Flucht und Vertreibung würden so lange Thema sein, bis es den Menschen gelinge, Ursachen und Gründe dafür abzustellen. „Es sieht schlecht aus damit, aber wir müssen da ran“, betonte Ries und wünschte sich von seinen Schülerinnen und Schülern, „dass ihr euch damit befasst“.

Wie weit sie schon ins Thema eingestiegen sind, zeigen die Zehntklässler mit einer umfangreichen Wandzeitung neben der Volksbund-Ausstellung im langen großen Flur des IGS-Neubaus.

„Von Trümmern und eisernen Vorhängen“

Unter dem Titel „Von Trümmern und eisernen Vorhängen – eine Friedensgeschichte?“ hat sich der Jahrgang 10 durch die Nachkriegszeit gearbeitet. Die auf Plakaten thematisierte Geschichte reicht bis zum heutigen Nordkorea-Konflikt und den Aufgaben der Vereinten Nationen. Das Thema Flucht wird auch an Einzelschicksalen deutlich – wie an dem eines neuen Mitschülers aus Syrien.

Zur Eröffnung der Ausstellung „geflohen – vertrieben – angekommen?!“ war auch Landrat Peter Bohlmann gekommen, der kraft Amtes automatisch den Kreisvorsitz beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge führt. Bohlmann lobte den Ausbau der Bildungsarbeit beim Volksbund, der nach dem Ersten Weltkrieg vor fast 100 Jahren mit dem Ziel der europaweiten Pflege von Soldatengräbern gegründet worden war. 

Flucht, Vertreibung und Neuankommen seien das älteste Thema der Menschheit, wie schon in der biblischen Geschichte nachzulesen sei, erinnerte Bohlmann. Auch im Landkreis Verden sei dieses Thema nicht erst seit der Flüchtlingswelle 2015/16 präsent, sondern schon nach 1945 ein sehr großes gewesen: Von den 88.000 Einwohnern in den 50er Jahren seien 26.000 Heimatvertriebene gewesen. Dieser Teil der Geschichte wirke bis heute in die Familien und den Alltag hinein. Weltweit seien aktuell 60 bis 70 Millionen Menschen auf der Flucht – für den Verdener Landrat „die größte humanitäre Aufgabe, die zu bewältigen ist“. Dazu leiste die Ausstellung einen Beitrag.

Die Ausstellung „geflohen – vertrieben – angekommen?!“ beginne inhaltlich 1945/46, als 14 Millionen Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten im Westen ankamen – „und hier nicht mit wehenden Fahnen aufgenommen wurden“, wie Volksbund-Bildungsreferent Karl-Friedrich Boese erinnerte. Damals lag Deutschland in Trümmern und am Boden. Den 14 Millionen von damals stellte Boese die Zahl von einer Million Flüchtlingen gegenüber, die Deutschland zuletzt aufgenommen habe – in einer Zeit wirtschaftlichen Wohlstands.

pee

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