Aus baurechtlichen Gründen

Nie wieder Moyn Moyn? Kreis stoppt Festival am Backsberg – Veranstalter zieht vor Gericht

Mehr als 3000 Techno-Fans feierten voriges Jahr das Moyn-Moyn-Festival am Backsberg. Für dieses Jahr hat der Landkreis die Großveranstaltung aus baurechtlichen Gründen untersagt. Die Festivalveranstalter klagen gegen das Verbot. Archivfoto: Abro Team GmbH
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Mehr als 3000 Techno-Fans feierten voriges Jahr das Moyn-Moyn-Festival am Backsberg. Für dieses Jahr hat der Landkreis die Großveranstaltung aus baurechtlichen Gründen untersagt. Die Festivalveranstalter klagen gegen das Verbot.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass diesen Sommer Tausende am Oytener Backsberg die vierte Auflage des Elektromusik-Festivals Moyn Moyn feiern. Nicht nur, weil wegen der Coronavirus-Pandemie Großveranstaltungen dieser Art bis Ende August verboten sind, sondern auch und vor allem, weil der Landkreis Verden das Moyn Moyn 2020 aus baurechtlichen Gründen grundsätzlich untersagt hat.

  • Das Festival Moyn Moyn in Oyten ist in Gefahr
  • Nicht nur wegen der Corona-Krise kann das Festival im Sommer 2020 nicht stattfinden
  • Der Landkreis Verden hat das Moyn Moyn aus baurechtlichen Gründen untersagt

Oyten - Dagegen hat der Festivalveranstalter, die Abro Team GmbH aus Hannover, Klage beim Verwaltungsgericht in Stade eingereicht. Mit einer Gerichtsentscheidung rechnet Rolf Thies, stellvertretender Fachdienstleiter Bauordnung bei der Landkreisverwaltung in Verden, jedoch nicht vor 2021. Derweil haben die Moyn-Moyn-Veranstalter wegen der Corona-Krise zwar den Online-Ticketverkauf für das vom 20. bis 23. August geplante Festival am Backsberg gestoppt, die Veranstaltung jedoch noch nicht abgesagt. Sie verfolgen die Lageentwicklung und schließen eine Verlegung des Events auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr nicht aus, wie sie den Techno-Fans auf ihrer Internetseite erklären. Für eine Stellungnahme zum Klageverfahren war das Abro-Team bisher nicht erreichbar.

Moyn Moyn: Veranstalter legt Widerspruch beim Landkreis Verden ein

Der Landkreis hat das Moyn-Moyn-Festival für dieses Jahr bereits im Dezember verboten. Nach Worten von Rolf Thies habe seine Behörde die Veranstalter schon vor der dritten Auflage im vergangenen Sommer darauf hingewiesen, dass die wiederkehrende Nutzung eines Geländes als Festplatz baugenehmigungspflichtig sei. Passiert sei daraufhin nichts: „Eine solche Genehmigung liegt nicht vor und kann derzeit aufgrund der Außenbereichslage des Grundstücks auch nicht in Aussicht gestellt werden.“

Als das Abro-Team dennoch Ende vorigen Jahres mit dem Kartenvorverkauf für 2020 losgelegt habe, schritt die Bauordnungsbehörde Thies zufolge ein und untersagte die Veranstaltung. Der Eventveranstalter aus Hannover legte dagegen Widerspruch beim Landkreis Verden ein – jedoch ohne Erfolg. Das Verbot will die Abro Team GmbH aber so nicht hinnehmen und erhob jetzt im nächsten Schritt vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen den Landkreis.

Backsberg Oyten: Festgelände in den Wümmewiesen

Das Festgelände, das auch regelmäßig für andere Veranstaltungen wie Motorrad-, Oldtimer- und Treckertreffen genutzt wird, befindet sich in den Wümmewiesen an der Gaststätte Thran am Backsberg  an der Kreisstraße zwischen Sagehorn und Fischerhude. Was sich dort seit vielen Jahren veranstaltungsmäßig abspielt, wurde von Amts wegen mit anderthalb zugedrückten Augen immer allseits geduldet. Bauordnungsrechtliche Vorgaben, die beispielsweise den Brandschutz regeln, gab es offenbar bisher nicht, höchstens ordnungsrechtliche Auflagen seitens der Gemeinde Oyten – wie etwa die Lärmbegrenzung beim Moyn Moyn.

Gemeine Oyten müsste Flächennutzungsplan ändern

Damit Festveranstalter künftig vom Landkreis die erforderliche Baugenehmigung erhalten könnten, müsste die Gemeinde Oyten ihren Flächennutzungsplan ändern und das ans Landschaftsschutzgebiet grenzende Wiesenareal bauplanungsrechtlich als Festplatz ausweisen. Dieses Verfahren hatte angesichts großer Oytener Planungsprozesse wie Bahnhofsumfeld und Ortskernentwicklung bisher aber keine Priorität im Rathaus, wie Vize-Verwaltungschef Axel Junge einräumt. Mit der Großveranstaltung Moyn Moyn, bei der sich vier Tage lang 3500 Leute am Backsberg tummeln, sei das Thema Bauordnungsrecht aber nun massiv „aufgeploppt“. 

Moyn Moyn: Droht Events am Backsberg selbes Szenario?

Aufgrund der aktuellen Entwicklung mit dem ersten Veranstaltungsverbot kommt die Gemeinde Oyten nicht mehr umhin, sich mit der Schaffung von Planungsgrundlagen für das Festgelände am Backsberg zu beschäftigen: Eine mögliche Flächennutzungsplanänderung soll Junge zufolge demnächst in den Gremien des Gemeinderates diskutiert werden. Ob sich für eine Bauleitplanung auf den Wümmewiesen eine politische Mehrheit findet, ist allerdings völlig offen. „Das ist abzuwarten“, so Junge.

Bleibt das Moyn Moyn wegen fehlender rechtlicher Grundlagen dauerhaft verboten, droht das selbe Szenario den Traditionsveranstaltungen am Backsberg – etwa dem Lanz-Bulldog-Pfingsttreffen 2021. „Wir messen nicht mit zweierlei Maß“, betont Rolf Thies von der Bauordnungsbehörde.

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