Schausteller Louis Koenig überbrückt Krisenzeit / Verkaufsstand in Gewerbegebiet Oyten

Fernab vom Trubel der Volksfeste

Da gewinnt der Satz „Der Kunde ist König“ eine ganz neue Bedeutung: Dirk Koenig spielt fürs Foto den Kunden und lässt sich von seinem Sohn Louis eine Tüte Schmalzkuchen über den Tresen reichen. Foto: Duncan

Oyten - Von Lisa Duncan. Normalerweise wäre Louis Koenig jetzt wohl auf der Verdener Domweih. Der 25-jährige Oytener ist Schausteller von Beruf – genau wie seine Eltern Silke und Dirk Koenig. Die Corona-Krise traf die Familie hart, die sonst nahezu pausenlos von März bis Dezember mit ihren drei Gewerben auf Volksfesten in ganz Norddeutschland unterwegs ist. Stattdessen hat Louis Koenig seinen Schmalzkuchen-Stand auf einem Parkplatz aufgebaut, denn nicht nur die Domweih ist abgesagt. Weitab vom Trubel der Volksfeste, aber immerhin gut sichtbar, steht die Bude mit den Backwaren gegenüber vom Restpostenmarkt „Jawoll“ im Oytener Industriegebiet. Geöffnet ist mittwochs bis samstags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr.

Die Idee, mit diesem Verkauf auf Sparflamme die schlimmste Krisenzeit zu überbrücken, hatte Silke Koenig, die ihrem Sohn auch am Stand aushilft. „Meine Mutter wollte schon länger mal einen festen Laden aufmachen“, erzählt Louis Koenig. Aber außerhalb der Saison sei die Zeit dafür immer zu knapp gewesen. Die Winterpause nutzen die Schausteller zur Instandhaltung ihrer Verkaufsstände „und man möchte, wenn man das ganze Jahr gearbeitet hat, auch mal ein bisschen ausruhen“. Nun ist nicht nur genügend Zeit vorhanden – auch der wirtschaftliche Druck steigt. „Unser letztes Geld haben wir auf dem Weihnachtsmarkt verdient“, berichtet Louis Koenig, der zeitweise von Grundsicherung lebte und im Elternhaus wohnt. „Außerdem können wir Schausteller nicht den ganzen Tag rumhängen“, ergänzt Silke Koenig. „So hat man wenigstens was um die Ohren.“

Erschlossen hat das neue Betätigungsfeld Vater Dirk Koenig über persönliche Kontakte. Er ist hin und wieder Gast in „Linda’s Bistro“, wo er sich mit Sven Lorenz unterhielt. Der wiederum vermittelte ihn an Bodo Renne, Inhaber des Grundstücks, auf dem sich „Jawoll“ befindet, und des gegenüberliegenden Areals. Renne, der vor vielen Jahren selbst einen Restpostenmarkt dort betrieb, bot den Koenigs an, ihren Verkaufsstand auf seinem Grundstück aufzubauen. Die Koenigs druckten Flyer und Plakate, sie schalteten Anzeigen in der Tageszeitung und warben auf Social-Media-Plattformen. Mit Erfolg: „Man hört ganz oft von Kunden, dass sie das toll finden und wir durchhalten sollen“, so Dirk Koenig.

Auf ähnliche Weise haben andere Schaustellerkollegen in Krisenzeiten umdisponiert. Die Koenigs kennen auch den Betreiber des Riesenrads, das gerade in den Bremerhavener Havenwelten steht. „Der hat das gerade neu und musste es wegen der TÜV-Abnahme sowieso aufbauen“, erzählt Louis und fügt hinzu: „Ich hoffe noch sehr stark auf den Freimarkt.“ Laut Dirk Koenig ist bislang keine Absage erteilt, und die Bewerbungsfristen für die Großveranstaltung im Oktober laufen. Denn Schausteller müssen sich für jedes Volksfest im darauffolgenden Jahr neu bewerben. Das bedeutet im Umkehrschluss: Kein erfolgreich bewältigter Markt wird im nächsten Jahr automatisch zur Einnahmequelle. Und oft gibt es viel mehr Bewerber als Standplätze. Die Koenigs haben sich mit ihrem Angebot, das neben Schmalzkuchen und Quarkbällchen auch Belgische Pommes frites umfasst, auf vielen Märkten einen Namen gemacht: Auf der Verdener Domweih, der Tarmstedter Ausstellung, dem Bremer Schlachtezauber und vielen mehr sind sie regelmäßig vertreten – „ich krieg’ schon Gänsehaut, wenn ich nur daran denke“, sagt Dirk Koenig. „Wenn der Freimarkt nicht stattfindet, haben wir ein Problem“, gibt auch seine Frau offen zu. Bereits im März hätten sie sich wegen der zu erwartenden finanziellen Durststrecke von der Bank beraten lassen.

Während die Einnahmen ruhen, haben die Koenigs investiert. Denn die Verkaufsstände müssen Auflagen genügen, etwa energietechnisch auf dem neuesten Stand sein. Zudem war dieses Jahr ein neuer Kühlwagen fällig. „Der wurde im Mai geliefert. Und jetzt steht er da“, sagt Dirk Koenig.

Eine Kundin kommt auf den Stand zu, kauft Quarkbällchen und Schmalzkuchen, und bedankt sich durch ihren Mund-Nasen-Schutz. Elke Zeiss aus Achim ist auf dem Weg zum Einkaufen „und ich habe davon in der Zeitung gelesen“. Die 71-Jährige erinnert sich, dass früher („das war noch zu Bodo Rennes Zeiten“) schon mal ein Stand aus Ottersberg dort Schmalzkuchen verkaufte. „Ich glaube, das wird auch jetzt gut angenommen.“

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