Plan für neu aufgestelltes Gemeindezentrum steht

Trägerverein nimmt Kirche die „Baulast Bassen“ ab

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Tina de Boer, Jens Blohme und Pastor Benjamin Will (v.li.) laden für den 7. Januar zum Tag der offenen Tür ins neu konzipierte Bassener Gemeindezentrum ein. An dem Tag stellt sich der Trägerverein vor und wirbt um MItglieder. Gleichzeitig wird der „Familienraum“ im Haus eröffnet.

Bassen - Um das Gemeindezentrum Bassen für die kirchliche Nutzung zu erhalten, gibt die ev.-luth. St.-Petri-Gemeinde das Gebäude ab... – das klingt paradox, ist aber ein ausgeklügelter Plan.

Der hat landeskirchenweit Modellcharakter: Die Gebäudeunterhaltung samt aller laufenden Kosten übernimmt ein Trägerverein, dessen Finanzierungsplan für das neu konzipierte Gemeindezentrum Bassen auf den Säulen Mitgliedsbeiträge und Mieteinnahmen fußt. Das Modell erklärten gestern Pastor Benjamin Will, Kirchenvorstand Jens Blohme und Tina de Boer, die mit dem „Familienraum“ die Ankermieterin im Haus ist.

Seit rund zwei Jahren bastelt der „Arbeitskreis Zukunft“ der St.-Petri-Gemeinde an einer Lösung für den Erhalt beider kirchlicher Standorte – also sowohl des Gemeindehauses in Oyten als auch des Gemeindezentrums in Bassen. Das vor dem Hintergrund, dass die Landeskirche, die die Bauunterhaltung von Gemeindehäusern bezahlt, restriktiv ihr Berechnungsmodell dafür geändert hat. Danach stehen der St.-Petri-Gemeinde mit ihren rund 7000 Mitgliedern nur noch 490 qm Gemeindehausfläche zu. Tatsächlich ist es in Oyten und Bassen aber fast die doppelte Quadratmeterzahl.

Vom ersten Beschluss, das Gemeindezentrum Bassen zu verkaufen, rückte der Kirchenvorstand schnell wieder ab, als die Bassener Sturm liefen und vehement den Erhalt ihres kirchlichen Zentrums vor Ort forderten, das gleichzeitig Friedhofskapelle ist.

Segen vom Vorstand des Kirchenkreises

Beide Standorte erhalten und gleichzeitig die landeskirchlichen Vorgaben einhalten – dieses Problem will und kann das Konzept lösen, das Blohme und Will federführend erarbeiteten und das jetzt auch vom Vorstand des Kirchenkreises Verden den Segen erhielt: „Die tragen das ohne Einwände eins zu eins mit“, freut sich Blohme.

Erster Schritt der Umsetzung ist nun die Herausnahme der „Baulast Bassen“ aus der kirchlichen Finanzierung. Die Immobilie bleibt kirchliches Eigentum – für Bauunterhaltung und Betrieb aber zeichnet künftig der Trägerverein verantwortlich, in dem Jens Blohme den Vorsitz übernehmen will. Für laufende Kosten und Rücklagen muss der Trägerverein 10 000 bis 12 000 Euro jährlich erwirtschaften. Das vor allem aus Mitgliedsbeiträgen. 36 Euro im Jahr soll der Vereinsbeitrag kosten – 300 Mitglieder sind das Ziel, „dann ist alles in trockenen Tüchern“, so Blohme. An sich kein Problem, wenn sich alle die, die einst für den Erhalt ihres Gemeindezentrums in Bassen demonstriert haben, jetzt als Mitglied dem Trägerverein anschließen. Weitere Einnahmen generiert der Verein aus Vermietungen im Haus.

Ankermieterin ist die Bassenerin Tina de Boer, die aus einem der vier Räume im Gemeindezentrum den „Familienraum“ macht: Ein Ort der Begegnung für Eltern und Kinder, die hier auf vielfältige Weise mit- und voneinander lernen können. Das Angebot besteht aus „beziehungs- und bindungsorientierten Eltern-Kind-Kursen“, sagt Tina de Boer. Sie selbst ist Referentin für „babySignal – mit den Händen sprechen“. Dazu kommen Seminare für (werdende) Eltern von der „Familienwerkstatt“, Babytragekurse und Tanzangebote für Kinder sowie eine Vortragsreihe der Familienpädagogin Silke Krumbeck.

Parallel soll der kirchliche Betrieb im Haus weiterlaufen – aber hier und da zu veränderten Zeiten. So sind für Beerdigungen statt fünf nur noch drei Tage die Woche reserviert. Alle Räume sollen gut ausgelastet sein, die Nutzerinteressen sich aber nicht ins Gehege kommen. Dennoch sind Parallelveranstaltungen wie Altenkreis und Kinderspielgruppe möglich.

Bassen muss laufen, damit Oyten klappt

Dass das Bassener Konzept aufgeht und die Kirchengemeinde diese Baulast auf Dauer los wird, ist zwingende Voraussetzung für die Entwicklung in Oyten: Hier plant der Kirchenvorstand einen Ersatzbau für das zu große und stark sanierungsbedürftige Gemeindehaus am Kirchweg. Sanierungskosten von 712 000 Euro – „das kann die Kirchengemeinde nicht wuppen“, so Blohme. Ein Neubau mit 400 qm Nutzfläche käme zwar ähnlich teuer – würde aber zu zwei Dritteln von Landeskirche und Kirchenkreis bezuschusst. Ihren Drittel-Eigenanteil könnte die St.-Petri-Gemeinde laut Konzept des Kirchenvorstands finanzieren, indem sie von dem großen Areal zwei Baugrundstücke abteilt und verkauft. Das zusätzliche Bauland würde sich durch den Abriss des alten Gemeindehauses und den versetzten Neubau eines kleineren Gemeindehauses ergeben. „Aber das“, so Blohme, „passiert erst, wenn klar ist, dass Bassen läuft.“ 

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Vorgemerkt: Tag der offenen Tür

Zu einem Tag der offenen Tür laden das neu konzipierte Gemeindezentrum Bassen und der integrierte „Familienraum Bassen“ für Sonntag, 7. Januar, von 10.30 bis 17 Uhr ein. Zum Auftakt gestaltet Pastor Benjamin Will ab 10.30 Uhr eine kurze Familienandacht. Die offizielle Begrüßung übernehmen um 11 Uhr Tina de Boer („Familienraum Bassen“) und Jens Blohme (Kirchenvorstand von St. Petri). 

Von 11.30 bis 17 Uhr gibt es Vorträge und Präsentationen von Beraterinnen und Kursleiterinnen im „Familienraum“, die über das Angebot an Workshops, Kursen, Seminaren und Vorträgen informieren. Antworten auf die Frage „Wie geht es weiter mit dem Gemeindezentrum in Bassen und dem Gemeindehaus in Oyten?“ geben interessierten Besuchern den ganzen Tag über Pastor Benjamin Will und der designierte Trägervereinsvorsitzende Jens Blohme. 

Die Kirchengemeinde bietet den Besuchern dazu Kaffee und selbstgebackenen Kuchen an. Nähere Informationen gibt’s im Internet unter www.familienraum-bassen.de und unter www.gemeindezentrum-bassen.de.

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