Nur 32 von 355 fahren 30

Messung am Behlingsee zeigt Verkehrsdilemma auf

Oyten - Ein ganz normaler Montag auf der Straße Zum Behlingsee/Höhe Seeweg im Oytener Ortsteil Meyerdamm: 355 Autos zählt das verdeckte Messgerät von 7 bis 19 Uhr allein in einer Fahrtrichtung – auf einer Anliegerstraße. 323 davon fahren in dieser Tempo-30-Zone schneller als 30 km/h – die allermeisten zwischen 31 und 50, eines auch knapp 80 km/h.

Nur 32 von 355 Autofahrern halten das Tempo-30-Limit ein. „Das ist viel zu viel Verkehr für eine Anliegerstraße – und mit zu hohen Geschwindigkeiten“, sagt SPD-Ratsherr Marcus Neumann. Und weil er im Berufsleben Polizeibeamter ist, hat er auf dem kurzen Dienstweg die zuständigen Kollegen auch schon gebeten, am Behlingsee öfter mal nach dem verbotenen Durchgangsverkehr aus Richtung Bremer Bultenweg zu gucken...

Auslöser der Debatte über die Verkehrssituation auf den einspurig ausgelegten Straßen Seeweg und Zum Behlingsee ist ein Antrag von Anwohnern. Sie fordern von der Gemeinde Oyten die Durchsetzung der geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h, das Unterbinden der häufigen Nutzung der Anliegerstraße Zum Behlingsee durch nicht Ortsansässige und regelmäßige Kontrollen. Mit dem Anwohner-Antrag befasste sich am Mittwochabend im Rathaussaal der zuständige Fachausschuss des Oytener Gemeinderates.

„Durch den ständig anwachsenden Durchgangsverkehr auf den Straßen Zum Behlingsee und Seeweg werden Fußgänger, Radfahrer, vor allem Kinder und ältere Personen zunehmend gefährdet, da sich nur die wenigsten Autofahrer an das vorgeschriebene Tempo 30 halten“, stellen die Anwohner in ihrem Antrag fest. Fußgänger und Radfahrer müssten die Straße nutzen, weil sich daneben nur ein schmaler und ausgefahrener Randstreifen befinde. Dass die Straße Zum Behlingsee kurz nach der Einmündung Seeweg eine reine Anliegerstraße sei, werde von sehr vielen Autofahrern ignoriert: „Besonders viele Bremer nutzen diese Straße als Abkürzung.“

Unterfüttert wurden die Aussagen der Anwohner durch besagte Ergebnisse der Messung der Gemeinde am Montag.Was aber tun? An Regelungen und Beschilderungen fehlt es ja nicht, an Anstand von Autofahrern, die Ver- und Gebote ignorieren, sehr wohl. Denen aber steht die Politik recht hilflos gegenüber, wie der Diskussionsverlauf zeigte. Abgesehen von der Aufforderung an Polizei und Verkehrsbehörde, den Bereich öfter zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden, empfahl der Ausschuss auf Anregung von Norbert Neisen (CDU) und Reena Saschowa (Grüne) den Ankauf eines Geschwindigkeitsmessgeräts durch die Gemeinde, das im betroffenen Bereich fest installiert werden soll.

Fußweg von Böhmermann zum Kreisel wird geprüft

Keine Mehrheit fand im Ausschuss der Grünen-Antrag, auf der Straße Am Berg die Tempo-50-Zone auszuweiten, um die Nutzer der beiden Schulbushaltestellen besser zu schützen. Die liegen in der 70-km/h-Zone und hier war voriges Jahr ein Schulbuskind angefahren und schwer verletzt worden. Die politische Mehrheit schloss sich jedoch der erklärten polizeilichen Auffassung an, dass eine Beschränkung auf 50 km/h im besagten Bereich laut Straßenverkehrsordnung nicht zulässig, weil aufgrund des Unfall- und Gefahrenlagebildes an der Stelle nicht zu rechtfertigen sei.

Dass die Gemeinde auch keine Fußgängerüberwege bauen kann, wie und wo sie will, machte das bescheiden anmutende Ergebnis des interfraktionellen Arbeitskreises „Querungshilfen“ deutlich. Vorgegebene Fußgänger- und Fahrzeugzahlen müssen erreicht werden, um die verkehrsbehördliche Genehmigung zu erhalten. Die Chance darauf haben laut Arbeitskreis zwei Zebrastreifen auf der Kreisstraße Am Triften – in Höhe Heimathaus und in Höhe Neubaugebiet Bertolt-Brecht-Straße. Die sollen nun, so die einstimmige Empfehlung des Ratsfachausschusses, beantragt und installiert werden – 50 000 Euro hat die Gemeinde Oyten dafür im Haushalt 2018 eingeplant. Ohne Genehmigungs- chance wäre eine Dunkelampel in Höhe Seniorenhaus Böhmermann an der Großen Straße in Bassen – weshalb nun der Bau eines Fußweges von Böhmermann bis zum Kreisel geprüft werden soll: „Das macht Sinn und wird als notwendig angesehen“, fasste Vorsitzender Bodo Becker (CDU) die Ausschussmeinung zusammen. Auch Lösungen für den Bassener Ortseingang Höhe Heidort sollen weiter untersucht werden. 

 pee

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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