Fäll-Antrag führt zu Fehde zwischen Behindertenbeauftragtem und SPD-Chef / „Ein Dorn im Auge“

Kampf um Bäume in Oyten eskaliert

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Wurzel- kontra Mauerwerk.

Oyten - Von Petra Holthusen. Die geplante Fällung von vier alten Bäumen an der Hofstelle Thünen 49 in Oyten wächst sich zu einem Politikum aus – und zu einer Fehde zwischen dem Hofeigentümer Peter Müller und dem SPD-Vorsitzenden Ralf Großklaus. Der holte Freitag die moralische Keule raus, um Müller von der – rechtlich unstrittigen – Fällung der 85 Jahre alten Bäume abzubringen. Müller fühlt sich in dieser Sache nur deshalb so unter Druck gesetzt, weil er als ehrenamtlicher Oytener Beauftragter für Menschen mit Behinderung mit seiner unbequemen und peniblen Art Rat und Verwaltung ein Dorn im Auge sei.

Der Großvater von Müllers Frau pflanzte 1930 die drei Eichen und eine Esche an der Hofeinfahrt. Damals auf seinem Grund und Boden. Neuere Vermessungen verschoben Grenzen am Thünen; seitdem stehen die Bäume offiziell auf Straßengrund beziehungsweise auf der Grundstücksgrenze. Weshalb Müller ganz korrekt bei der Gemeinde Oyten die Fällung beantragte. Die über Jahre gereifte Entscheidung hätten er und seine Familie sich nicht leicht gemacht, sagt Müller, aber das Wurzelwerk der mächtigen Laubbäume hebe nicht nur das Pflaster im Hof an mit der Folge von Stolperfallen, sondern auch das Fundament des historischen schmiedeeisernen Grundstückszauns sowie des Nebengebäudes, das bereits Risse im Mauerwerk zeige.

Rechtlich ist die Sache klar: Die Bäume beschädigen Müllers Eigentum und er hat ein Anrecht auf die Beseitigung dieser Störung. Die Kosten – nach seinen Worten rund 4000 Euro mit Ausfräsung der Stubben – bot er an, selbst zu übernehmen. Im August erklärte die Gemeinde schriftlich den Verzicht ihrer Rechte an den Bäumen und genehmigte Müller die Fällung.

Das Bekanntwerden dieser Angelegenheit löste aber offensichtlich hinter den Kulissen ein kleines Erdbeben bei den Parteien aus, in dessen Folge die Gemeindeverwaltung die Genehmigung Anfang Oktober wieder zurücknahm und juristischen Rat einholte. Der bestätigte Müllers Recht, was am Mittwochabend im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des für Umweltfragen zuständigen Ratsfachausschusses wieder für Aufregung und Empörung gesorgt haben soll. Sein Anruf beim Bürgermeister am nächsten Tag brachte nach Müllers Worten die Information, dass nun die Rücknahme der Rücknahme der Genehmigung erfolge.

Da die Fällung der Bäume rechtlich nicht zu verhindern ist, versuchte es Ralf Großklaus gestern in seiner Funktion als stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde mit moralischem Druck in einem offenen Brief: „Oyten ist nicht mit Waldreichtum gesegnet. Deshalb ist es umso wichtiger, schützende Hände über ortsbildprägende alte Bäume zu halten“, erklärt Großklaus und „will an dieser Stelle, auch im Namen vieler Bürgerinnen und Bürger, noch einmal inständig an den Antragsteller appellieren: Bitte bewahren Sie diese alten Lebensräume, bitte bewahren Sie die ortsbildprägende Wirkung im alten Ortsteil Thünen und bitte verzichten Sie auf eine Fällung dieser vier Bäume“.

Er kenne mindestens vier Fälle in Oyten, so Müller, in denen Grundeigentümer alte Bäume gefällt hätten, ohne dafür von der Politik gegeißelt worden zu sein: „Da hat kein Mensch was gesagt.“ Dass ausgerechnet er derart angefeindet werde, erklärt er sich mit seiner Tätigkeit als Behindertenbeauftragter. Der Beweis sei eine E-Mail an ihn von Ralf Großklaus vom 8. Oktober: Darin erinnert der SPD-Chef an Müllers Kompromisslosigkeit, „durch die es manchmal zu ärgerlichen Nachbesserungen kommt wie zum Beispiel bei der nachträglichen Anhebung der taktilen Leitstreifen im Bereich der Hauptstraße, was heute zu unschönem Absacken der Pflasterung führt“. Ebenso „kleinkariert“ sehe er Müllers Antrag auf Fällung der vier völlig gesunden Bäume, schreibt Großklaus und appelliert an den Eigentümer, auf die Durchsetzung seines Rechts zu verzichten und „die ortsbildprägenden Bäume nicht zu vernichten“.

Müller jedoch hat in Bezug auf die Bäume sein Vorgehen „eingehend überlegt“ und erwägt jetzt rechtliche Schritte gegen Großklaus.

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