Aussage auf Wahlkampf-Flyer

Feuerwehr-Mitglied oder nicht? Bürgermeisterkandidat Marten bestreitet Vorwurf der Lüge

Zu einem klärenden Gespräch kamen Montag im Rathaus Bürgermeister Manfred Cordes, Fachbereichsleiter Axel Junge, Ortsbrandmeister Jens Rebers und Bürgermeisterkandidat Jens Marten zusammen.

Oyten - Die Vorwürfe wiegen schwer: Über seine Mitgliedschaft in der Ortsfeuerwehr soll Jens Marten, Einzelbewerber für das Bürgermeisteramt in Oyten, wissentlich falsche Angaben gemacht haben – und zwar schwarz auf weiß. Dazu gab es Montag mit den Beteiligten (Jens Marten, Ortsbrandmeister, Bürgermeister und Gemeindeverwaltung) ein Aufklärungsgespräch im Rathaus.

Wie berichtet, warb Jens Marten in einem Flyer, den er zur Bürgermeisterwahl in vielen Haushalten verteilte, dass er „Verantwortung als ehrenamtliches Mitglied unserer Freiwilligen Feuerwehr in Oyten“ übernehme. Doch das ist aktuell nicht der Fall.

Dazu nahm die Feuerwehr am Freitag Stellung auf Facebook: „Herr Marten ist seit einigen Jahren kein aktives Mitglied mehr in unserer Wehr.“

Genaugenommen hat er seit 2012 nicht mehr am aktiven Feuerwehrdienst teilgenommen, teilt die Gemeindeverwaltung in einem Schreiben an die Presse im Anschluss an das Gespräch im Rathaus mit. Weiter heißt es: „Aufgrund der letzten Schreiben und der Tatsache, dass Herr Marten nicht mehr am Feuerwehrdienst teilgenommen hat, ist die Feuerwehr davon ausgegangen, dass die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr einvernehmlich beendet worden ist.“

„Ich habe definitiv nicht gelogen“

Jens Marten hielt sich auf Nachfrage bedeckt, betonte aber: „Ich habe definitiv nicht gelogen.“ Vielmehr habe er erst aus der Zeitung erfahren, dass er kein Mitglied mehr ist.

Dabei stand die juristische Trennung wohl noch aus: Laut Gemeindeverwaltung Oyten kann ein formeller Ausschluss aus der Feuerwehr nur durch einen Bescheid der Gemeinde erfolgen. „Aufgrund der Tatsache, dass die Feuerwehr von einer einvernehmlichen Beendigung der Mitgliedschaft ausgegangen ist, ist ein Antrag an die Gemeinde für einen formellen Ausschluss nicht erfolgt“, schreibt die Gemeinde. Erst in der Besprechung Montagabend habe Jens Marten nun seinen sofortigen Austritt aus der Freiwilligen Feuerwehr Oyten erklärt.

Dienst mit Verantwortung in Celle?

Wenn schon nicht aktuell, war Marten dann früher als Feuerwehrmann in Celle aktiv? Dort will er, wie berichtet, sogar Führungserfahrung gesammelt haben. Als prägendes Erlebnis nannte er gegenüber unserer Zeitung das Zugunglück von Eschede 1998, wo er „mehrere Tage in der Einsatzleitung vor Ort“ gewesen sei.

Kai-Uwe Pöhland, Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Celle, weiß anderes zu berichten: „Herr Marten war nicht in der Feuerwehr Celle aktiv und auch nicht in der Einsatzleitung der Feuerwehr Celle eingesetzt; dies weiß ich sicher, da ich dort selbst war.“ Das hatte SPD-Bürgermeisterkandidat Heiko Oetjen auf Nachfrage erfahren. Oetjen zufolge hat auch der vielfach geehrte Gerd Bakeberg, der zu Zeiten der Zugkatastrophe Gesamteinsatzleiter der Feuerwehr war, nie von Jens Marten gehört. Jürgen Borek, heute wie damals Leiter der Feuerwehrleitstelle des Landkreises Celle, kennt ihn demnach ebenfalls nicht. Oetjen erinnert sich, auch über berufliche Kontakte als Redakteur der Walsroder Zeitung, noch gut an das Schreckensszenario von Eschede: „Ich kenne Feuerwehr-Kameraden, die damals zum Einsatz kamen. Sie sind zum Teil immer noch in psychologischer Behandlung.“

„Mein Jagdrevier“: Nutzungsrecht ist nicht Eigentum

Marten bleibt indes bei der Behauptung, er sei bei der Celler Feuerwehr aktiv gewesen. „Aber nicht in einer Führungsposition, das ist falsch.“ Zu der Frage, wie und wo er in Eschede eingesetzt war, machte er keine Angaben.

Weniger Ehrenamt – mehr Zeit für Hobbys. Zu Jens Martens Steckenpferden zählt die Jagd, die er gelegentlich in drei Teilgebieten des Jagdreviers Oyten-Oyterdamm ausübt. Dass er dafür einen Jagderlaubnisschein hat, bestätigt einer der drei Pächter, Hans-Joachim Blohme (CDU-Ratsmitglied in Oyten), auf Nachfrage. Nutzungsrecht ist nicht gleich Eigentum: Jens Marten hatte zuvor im Gespräch mit unserer Zeitung den Ausdruck „mein Jagdrevier“ verwendet.

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