Muttizettel und Wodka-Energy

Erinnerungen ans Capitol: „Mama, können wir heute ausnahmsweise bis 2?“

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Never forget: Das einzig wahre Capitol in Oyten.

Von Mara Schumacher. Neulich lief mal wieder „Dance with somebody“ von Mando Diao im Radio. Und ich hatte schlagartig einen Flashback – zurück ins Capitol in Oyten, zurück in die Schlager, mit einem Wodka-Energy-Tower im Arm. Was waren das noch für herrliche Abende. Du fehlst uns, Capitol!

Anfang 2012 legte ein Feuer die Disco komplett in Schutt und Asche – damit verglühten so viele Teenie-Herzen, für die das Capitol ein zweites Zuhause war. „Lass mal am Wochenende ins Cap, ist All4One!“ war somit Geschichte. Wie gut, dass Erinnerungen nicht so schnell verbrennen.

Fast alle Partys waren im Capitol ab 16 Jahren – ein Segen für die Dorfjugend, die nun endlich in einer richtigen Disco feiern konnte, anstatt mit Wodka in der Bushaltestelle zu sitzen.

Allerdings war ein Cap-Abend immer mit viel Planung verbunden: Ein Fahrer (im besten Fall mit Führerschein) wurde gebraucht sowie der nervige Muttizettel – und Alkohol zum Vortrinken musste auch noch heimlich irgendwo beschafft werden. Was für ein Aufwand.

Meistens wurde der Keller der Eltern geplündert, wo noch uralter Schnaps oder irgendein Fruchtsekt rumstand. Damals war es einem ja völlig egal, was man sich reingekippt hat. Hauptsache, man ist nicht gestorben.

Die Mädels haben Asti-Sekt getrunken, „Infinity“ gehört und sich beim Vortrinken noch die Haare geglättet, während die Jungs FIFA gezockt und literweise Wodka-Energy runtergespült haben.

Der bemitleidenswerte Fahrer war entweder der genervte Vater von irgendwem oder ein volljähriger Kumpel, der es geschafft hat, sieben Leute in seinem Opel Corsa unterzubringen. (Kofferraum-Fahrten waren auf dem Dorf an der Tagesordnung).

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Auf dem Capitol-Parkplatz war dann erst mal Muttizettel-Mafia angesagt: Wen kann ich denn heute mal überreden, die Verantwortung für mein unkontrollierbares Ich zu übernehmen?

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Meistens musste der große übercoole Bruder von irgendwelchen Freunden herhalten, der den Wisch widerwillig unterschrieben hat und dann irgendwann abgetaucht ist. Sehr verantwortungsvoll.

Ab und zu hat man natürlich auch versucht, mit einem gefälschten Schülerausweis (den man nur fürs Capitol beantragt hat!) auf Ü18-Partys zu kommen.

Die ultrastrengen Türsteher ließen sich allerdings so gar nicht verarschen. Vor versammelter Mannschaft flog man dann im hohen Bogen wieder auf den Boden der Tatsachen.

An der Tür hatten die Security-Leute eine schöne Liste von Leuten, die Hausverbot haben. Es gab natürlich immer ganz „coole“ Spezialisten in der Schule, die mit ihrem Hausverbot geprahlt haben. „Jo Digga, Hausverbot im Cap, Alter!!“ Echt cool.

Damals war es irgendwie super angesagt, einfach immer Wodka-Energy zu trinken. Hat sich besonders gelohnt, wenn All4one oder Ladies Night war. Das Taschengeld musste ja auch weg! Das Zeug leuchtete im Disco-Licht immer aggressiv grün und hat unnormales Herzrasen verursacht. Richtiges Premium-Getränk. Enorm wichtig war auch, den Sangria-Gutschein einzulösen. Schmeckte umsonst direkt besser, das Zeug!

In der Schlager liefen Schlager, 80er – und AC/DC. Dort tobte sich meistens die Dorfjugend aus und bestellte einen Cola-Korn nach dem anderen.

In die Black-Area hat man sich meistens nur aus Versehen verirrt und hat kaum wieder raus gefunden, weil es so dermaßen verqualmt darin war.

In der Main waren hauptsächlich die coolen Kids am Start. Also Männer mit Halstüchern und Mädels mit extrem geglätteten Haaren und zu viel Bräunungscreme im Gesicht. Grundsätzlich lief in der Main immer „Pokerface“ von Lady Gaga, wenn man gerade rein kam.

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Ein Klassiker war auch der siffige Pool, in dem generell Strohhalme und Zigarrenkippen lagen. Angeblich sollen da auch sooo viele Leute schon reingefallen oder gar reingesprungen sein. Das waren die, die vorne auf der Hausverbot-Liste standen. Einige andere waren einfach gefühlt jeden Tag beziehungsweise Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag im Capitol. Haben die jemals Tageslicht gesehen?

Am Pool konnte man aber ziemlich lässig auf den Sofas chillen, um erstmal die Lage zu checken. Weißte Bescheid.

Natürlich kam man selbst auch öfter mal auf die super Idee, mitten in der Woche ins Cap zu gehen. Das hat sich dann mit einem Mega-Schädel am nächsten Tag gerächt, wenn man gerade eine Religionsklausur schreiben musste.

Sobald man 17 war, fühlte man sich definitiv viel zu cool und zu alt fürs Capitol: „Oh Gott, Leute, hier sind nur noch Kinder!“

Vermutlich hat jeder schon mal seinen ollen Jackenchip im Capitol verloren und musste ernsthaft so lange an der Garderobe warten, bis jeder andere seine Jacke abgeholt hatte. Oder man musste frierend ohne Jacke nach Hause und sie peinlich berührt in der nächsten Woche nach der Schule abholen.

Als minderjähriger Partyfuchs hat man von Muddi meistens ein Zeitlimit mitbekommen: „Um 1 Uhr steh ich auf dem Parkplatz und hol euch ab!“ 1 Uhr war natürlich ein peinlicher Witz. Deswegen war es auch wichtig, gegen 0.30 Uhr eine SMS zu schreiben: „Mama, können wir heute ausnahmsweise bis 2?!“ Hat meistens nicht geklappt.

Aber ganz egal, wann man ins Bett musste, niemals durfte ER fehlen: Der Nachtschwärmer-Burger im Diner um die Ecke!

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