Politische Mehrheit für dauerhafte elektronische Schranken auf Pestalozzistraße

Elterntaxis werden ausgesperrt

Die handbetriebene Testsperrung der Pestalozzistraße für Elterntaxis reduzierte im Januar das Verkehrsaufkommen vor Kita und Schulen um fast zwei Drittel. Mit elektronischen Schranken wird die Sperrung für Eltern-Bringdienste nach politischem Willen jetzt zur Dauerlösung. 
Archivfoto: Holthusen
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Die handbetriebene Testsperrung der Pestalozzistraße für Elterntaxis reduzierte im Januar das Verkehrsaufkommen vor Kita und Schulen um fast zwei Drittel. Mit elektronischen Schranken wird die Sperrung für Eltern-Bringdienste nach politischem Willen jetzt zur Dauerlösung. Archivfoto: Holthusen

Oyten – Mit Hilfe von elektronischen Schranken riegelt die Gemeinde Oyten künftig die Pestalozzistraße auf dem Abschnitt vor IGS, Grundschule und Kita zu den Bring- und Abholzeiten für sogenannte Elterntaxis ab. Das neue Verkehrssicherheitskonzept für den Bereich, in dem sich Hunderte Kinder und Jugendliche bewegen, brachten die Ratsvertreter in den Fachausschüssen für Schul- und Kindergartenangelegenheiten in einer gemeinsamen Sitzung am Dienstagabend in der Sporthalle Pestalozzistraße mit den Stimmen der Mehrheitsfraktionen von SPD und CDU auf den Weg. Schul- und Elternvertreterinnen unterstützten die Schrankenlösung. Grüne, FDP und AfD lehnten das Konzept als „zu teuer“ und „überzogen“ ab.

Nach dem allseits als erfolgreich bewerteten zweiwöchigen Testlauf im Januar, als Elterntaxis mit bemannten Absperrgittern an der Zufahrt zur Pestalozzistraße gehindert worden waren, verlief die politische Diskussion über eine Dauerlösung unerwartet kontrovers.

Uneingeschränkte Zustimmung erfuhr die von der Verwaltungsspitze vorgeschlagene Schrankenlösung bei CDU und SPD. Das Ärgernis Elterntaxis sei unstrittig, und diverse Versuche, dem Verkehrschaos vor den Schuleingängen beizukommen, seien bisher gescheitert, erinnerte CDU-Fraktionschef Kai Grönke. Die Probesperrung habe einen zielführenden Weg aufgezeigt, der dem Hauptinteresse gerecht werde: „der Sicherheit von Kindern“. SPD-Sprecher Ralf Großklaus pflichtete dem bei: „Wir stimmen der Lösung gerne zu.“

Erleichtert äußerte sich Antje Hugendick, Leiterin der Grundschule Sagehorn: „Ich bin froh, dass das passiert.“ Sie erlebe seit zehn Jahren, dass die Anzahl der bis vor die Schultür fahrenden Eltern ebenso wachse wie das aggressive Fahrverhalten. Sie sei eine Predigerin des Zufußgehens, so Hugendick: „Ich habe alles probiert, aber es hat keine Wirkung gehabt.“ Der Einfluss von Schule auf das Alltagsverhalten von Familien sei begrenzt. „Deshalb begrüße ich diese martialische Lösung“, sagte die Rektorin. Elternvertreterinnen unterstrichen die Aussagen. Drei Jungen aus der Klasse 4b der Grundschule Sagehorn waren als Zuhörer zu der Sitzung gekommen, um ihre Erfahrungen während der Testsperrung zu schildern: „Ich hab’ mich viel sicherer gefühlt“, erklärte Theo.

„Unser Ziel ist es, ein sicheres Areal für Kinder zu schaffen“, betonte Bürgermeisterin Sandra Röse, „wir verdammen niemanden; jeder kann, wenn er möchte, sein Kind mit dem Auto zur Schule fahren – nur nicht mehr bis vor die Tür.“ Schranken seien der einzige Weg zum Ziel. Was die Wahrscheinlichkeit angehe, Eltern umerziehen zu können, so sei sie „desillusioniert“, sagte Röse.

Auf den Erziehungsgedanken hatte zuvor Hubert Dapper (Grüne) gepocht: Es gebe viele Möglichkeiten – von organisierten Fußgruppen bis zum Verkehrsunterricht –, die von den Schulen nicht ausgeschöpft würden, unterstellte Dapper und wollte für „vier Stunden Disziplinlosigkeit am Tag“ keine 280 000 Euro ausgeben. Die Grünen-Fraktion lehnte die Schrankenlösung ab und plädierte stattdessen für eine Einfahrtsverbotsbeschilderung samt Kontrollen mit hohen Bußgeldern. Auch die FDP hält nach Worten von Fraktionssprecher Thomas Ceglarek-Brockshus „Schranken für völlig überzogen“. Eine gute Beschilderung und genügend Kiss+Ride-Zonen sollten nach Ansicht der Liberalen reichen, um Elterntaxis aus der Pestalozzistraße herauszuhalten. Die AfD-Fraktion lehnt Schranken ebenfalls ab: „Das ist eine zu teure Lösung, das muss kostengünstiger werden“, so Ingo Köhn.

Kosten und Details der Schrankenlösung hatte zu Beginn Vize-Verwaltungschef Axel Junge vorgestellt. Das aus dem Rathaus vorgeschlagene Konzept basiert auf den Ergebnissen der gemeinsam mit Verkehrsplanern, Kita- und Schulleitungen, Eltern und Polizei evaluierten Probesperrung im Januar. Danach werden auf der Pestalozzistraße an der Einfahrt aus Richtung Lindenstraße sowie auf der Stader Straße kurz hinter dem Sportzentrum elektronische Schranken installiert. Mit Hilfe dieser Sperren wird an Schultagen die Einfahrt in die Pestalozzistraße zu den Bring- und Abholzeiten unterbunden – also von 7.15 bis 8.15 Uhr und von 12 bis 15.30 Uhr. Für die Inhaber von Passierscheinen – neben Busfahrern, Anwohnern und Beschäftigten von Kita und Schule auch die Familien der Krippen- und Kindergartenkinder in der Kita Pestalozzistraße – öffnen sich die Schranken durch Kennzeichen-Erkennung automatisch. Außerhalb der besagten Zeiten bleiben die beiden Schranken geöffnet. Autofahrende IGS-Oberstufenschüler müssen laut Konzept am Sportzentrum Stader Straße parken. Auf diesem Parkplatz wird auch eine von zwei Kiss+Ride-Zonen für Eltern-Bringdienste eingerichtet. Standort der zweiten Zone, in der Schulkinder aus dem Elternauto gelassen beziehungsweise wieder eingeladen werden können, ist an der Lindenstraße, wo nach entsprechender Bauleitplanung eine Pkw-Wendeschleife und mögliche zusätzliche Parkplätze angedacht sind. Die Kosten bezifferte Junge für die beiden Schrankenanlagen auf 30 000 Euro, für die Bauleitplanung an der Lindenstraße auf 20 000 Euro und für die eventuelle Umsetzung von dortigen Baumaßnahmen auf 210 000 Euro sowie für eine verbesserte Beleuchtung an der Stader Straße Richtung Grundschule auf 22 000 Euro. Die handbetriebene Testsperrung für Elterntaxis im Januar hatte Junge zufolge das Verkehrsaufkommen auf der Pestalozzistraße um fast zwei Drittel reduziert und das Sicherheitsgefühl der Kinder entsprechend erhöht. Mit den Jahren sei hier eine „nicht mehr erträgliche Verkehrssituation“ entstanden.

Von Petra Holthusen

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