Einwohner-Infoabend zur Flüchtlingssammelunterkunft in Tennishalle Sagehorn

„Wir müssen diese Aufgabe gemeinsam schultern“

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Oytens Polizeistationsleiter Michael Schwieger, der Achimer Kommissariatsleiter Thorsten Strier, Landrat Peter Bohlmann, Bürgermeister Manfred Cordes, sein Vertreter Axel Junge und Sachbearbeiter Reinhold Oelkers (v.li.) informierten in einer Einwohnerversammlung über die in der Tennishalle Sillinger in Sagehorn entstehende Sammelunterkunft für Flüchtlinge.

Oyten - Von Petra Holthusen. „Was wir alle seit zwei Jahren tagtäglich im Fernsehen sehen, kommt auch bei uns an“: 2500 geflohene Menschen, so Landrat Peter Bohlmann, hat der Landkreis Verden in seinen acht Städten und Gemeinden bisher dezentral in 300 Wohneinheiten untergebracht – „aber seitdem die Zuweisungszahlen des Landes immer höher werden, müssen wir auf größere Einheiten zurückgreifen.“ Wie die leer stehende Tennishalle Sillinger in Oyten-Sagehorn, die (wie gestern berichtet) kurzfristig als Sammelunterkunft hergerichtet wird für die morgen erwarteten 177 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, darunter 41 Kinder.

Über die Einrichtung der ersten großen Flüchtlingssammelunterkunft in der Gemeinde Oyten informierte Bohlmann am Montagabend im Rathaussaal zusammen mit Gemeinde- und Polizeivertretern rund 140 Bürgerinnen und Bürger. Die waren der kurzfristigen Einladung zu einer Einwohnerversammlung gefolgt, stellten Fragen zu den Flüchtlingen und der Alltagsstruktur in der Unterkunft, äußerten Sorgen aufgrund der Einrichtungsgröße, brachten aber auch nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft zum Ausdruck.

„Wir haben uns lange bemüht, Sporthallen auszuklammern, aber das geht jetzt nicht mehr“, schilderte der Landrat. Anfang Dezember habe das Land dem Landkreis mitgeteilt, „dass wir bis Weihnachten jede Woche 200 Flüchtlinge unterbringen müssen“. Bisher waren es laut Regelzuweisung 50. „Ich habe sofort interveniert – wir sind an unserer Grenze angelangt“, so Bohlmann, „der Zuzug muss in eine planbare Schiene kommen, um auch die Integration gewährleisten zu können.“

Dass Kreis und Gemeinde am Limit sind, war in der Veranstaltung spürbar, aber nichtsdestotrotz stehen die 177 Flüchtlinge, die in der Erstaufnahme in Fallingbostel registriert wurden, morgen vor der Tür. Um Schul- und Vereinssport nicht zu beeinträchtigen, hatte Oyten beschlossen, statt einer Turn- lieber die leer stehende Tennishalle zur Verfügung zu stellen, die seit dem Wochenende von Feuerwehr, THW und Bauhof als Sammelunterkunft hergerichtet wird. Vor der Halle werden Dusch- und WC-Container aufgebaut. Das Essen kommt aus der Achimer Klinikküche. 200 Menschen können in der Halle unterkommen, 177 sind fürs Erste angekündigt. Das DRK übernimmt mit jeweils zwei Mitarbeitern die Rund-um-die-Uhr-Betreuung und vier Sicherheitskräfte sind laut Bohlmann permanent als Ansprechpartner und Aufsicht vor Ort. Der Landrat sprach von einer humanitären Aufgabe, die es zusammen zu bewältigen gelte, vor allem mit Blick auf die erwarteten Kinder: „Die können nun gar nichts dafür, in welche Welt sie geboren wurden.“

„Wir haben keine Wahl als Gemeinde“, ergänzte Bürgermeister Manfred Cordes, „wir müssen und wollen die Flüchtlinge unterbringen – wir müssen diese Aufgabe gemeinsam schultern.“ Sein Stellvertreter Axel Junge appellierte an die Versammlung: „Wir sind dringend auf Ihre Unterstützung angewiesen.“ Der Applaus im Saal darf wohl als Signal der Bereitschaft gewertet werden.

Unproblematische polizeiliche Erfahrungswerte mit Sammelunterkünften schilderte Thorsten Strier, Leiter des Polizeikommissariats Achim: Wenn es Auffälligkeiten gebe, dann seien es zwischenmenschliche Konflikte von Flüchtlingen untereinander, die nicht verwunderlich seien, wenn so viele Menschen so beengt zusammen lebten. Dass es darüber hinaus keine Probleme gebe, ist laut Strier drei Faktoren zu verdanken: Dem guten Netzwerk von Kommunen und Polizei, die die Unterkünfte präventiv jeden Tag aufsuche; den vielen Ehrenamtlichen, die sich in Betreuung und Integration engagierten, und den Sicherheitsdiensten in den Objekten, die bei Problemlagen als Ansprechpartner für die Flüchtlinge da seien. Den Bürgern bot der Polizeichef an: „Wenn Sie konkrete Anhaltspunkte für Probleme haben, informieren Sie uns – sprechen Sie uns an!“

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