Heino Wehe fehlt Genehmigung für eigenes Grabmal auf Bassener Friedhof

Ein Stein des Anstoßes

Heino Wehe an seinem eigenen Grabstein
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Seinen eigenen Grabstein hat Heino Wehe vorsorglich schon mal inmitten der Familiengrabstätte auf dem kirchlichen Friedhof in Bassen postiert – allerdings ohne die erforderliche Genehmigung der Kirchengemeinde, mit der er deshalb im Streit liegt.

Bassen – Der Stein des Anstoßes ist nicht zu übersehen. Fast mannshoch ragt der Block aus weiß-gelblichem Elbsandstein in die Höhe. Postiert hat ihn Heino Wehe mittig auf der großen Familiengrabstätte, die ziemlich zentral auf dem kirchlichen Friedhof in Bassen liegt. Das Grabmal hat der 72-Jährige im Vorgriff auf seinen eigenen Tod für sich selbst aufgestellt, was manche Friedhofsbesucher irritiert.

Das Sterbedatum fehlt logischerweise noch bei der Beschriftung. Was außerdem fehlt, ist die erforderliche Genehmigung für die Errichtung dieses Grabsteins – weshalb Heino Wehe im Clinch mit der evangelischen Kirchengemeinde St. Petri Oyten liegt.

Die ist Eigentümerin und Trägerin des Friedhofs neben dem Bassener Gemeindezentrum. In der vom Kirchenvorstand beschlossenen Friedhofsordnung, die auf der allgemeinen Rechtsverordnung zur Verwaltung kirchlicher Friedhöfe fußt, ist unter anderem festgelegt, dass „die Errichtung von Grabmalen der vorherigen schriftlichen Genehmigung des Kirchenvorstandes bedarf“. Dass er für seinen Stein eine Erlaubnis hätte beantragen müssen, war Heino Wehe nach eigenen Worten nicht bewusst.

Auch nach Standsicherheitsvorschriften und Größenbegrenzungen hatte er sich nicht weiter erkundigt. Der Streit mit der Friedhofsverwaltung war also programmiert, nachdem der Bassener Anfang September seinen gewaltigen Steinblock mit einem Bagger und einem Helfer eigenmächtig und höchstpersönlich auf den Friedhof gekarrt und auf dem Familiengrab abgesetzt hatte.

Das blieb der Kirchengemeinde natürlich nicht verborgen. Allerhand Schriftverkehr und Telefonate folgten, und Wehe regte sich fürchterlich auf über die Kirche, deren Regeln er „diktatorisch“ nennt. Er hat kein Verständnis dafür, dass von ihm verlangt wird, umgehend einen Antrag auf Genehmigung nachzureichen und das große Grabmal vorschriftsmäßig von einem Fachbetrieb fundamentieren zu lassen. Das aber ist laut Schreiben der Friedhofsverwaltung unerlässlich für die Unfallverhütung und Standsicherheit.

Stehende Grabmale aus Naturstein dürfen auf dem Bassener Friedhof für ein Einzelgrab höchstens 60 Zentimeter breit und 1,40 Meter hoch sein. Wehes Stein ist deutlich größer und wäre wohl selbst für ein Doppelgrab zu üppig. Weshalb er nun nach seinen Worten auf ein nachträgliches Erlaubnisverfahren verzichten will. „Der Stein kommt wieder weg“, sagt er. Aufstellen will er ihn dann bei sich auf dem Grundstück.

Da stand der 500-Kilo-Koloss schon die letzten vier Jahre. Erworben hatte ihn Wehe bei den Sandsteinwerken im sächsischen Pirna. „Fertig geschliffen für 660 Euro – ein echtes Schnäppchen“, meint der Bassener. Und außerdem, so sei ihm gesagt worden, ein Überbleibsel vom Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden.

Seinen Namen und Konfirmationsspruch sowie Geburtsdatum und -ort hatte er gleich in Pirna eingravieren lassen. „Ich wollte einen vernünftigen Grabstein“, erklärt er seinen Antrieb, für sich selbst entsprechend Vorsorge zu treffen. „Das ist wichtig“, findet Heino Wehe. Nach seiner Meinung „wird allgemein viel zu wenig über den Tod und die diesbezüglichen eigenen Wünsche gesprochen“.

Für die Planung seiner letzten Ruhestätte muss er nun umdenken. In dem Gräberfeld seiner Familie, in dem seine Vorfahren seit 1872 beigesetzt wurden und das nach dem Begräbnis seiner Mutter vor fünf Jahren noch eine Laufzeit bis 2046 hat, will der der 72-Jährige jetzt jedenfalls nicht mehr beerdigt werden.

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