Schweinestau sorgt für Krise in der Landwirtschaft / Carsten Mattfeld erwartet keine Besserung

„Du gehst in den Stall und verbrennst Geld“

Bassen – 20 Euro Verlust bei jedem Schwein. Das ist die aktuelle Bilanz auf dem Hof von Carsten Mattfeld in Bassen. Gründe dafür gibt es mehrere. Die Corona-Pandemie ist wohl der größte Faktor, warum sich die Schweinemast seit einiger Zeit für die Landwirte nicht mehr lohnt.

„So etwas haben wir in der Landwirtschaft noch nicht erlebt“, erzählt der 39-Jährige Mattfeld. Er muss es wissen, denn seine Familie ist seit vielen Generationen in der Landwirtschaft tätig. Er selbst führt den Hof hauptverantwortlich seit 2007.

Der sogenannte Schweinestau begann mit der Coronakrise. Die Schlachthöfe haben weniger Schweine als üblich schlachten können, und die Tiere stauten sich bei den Bauern. Der Lockdown führte außerdem dazu, dass die Restaurants keine oder deutlich weniger Ware benötigten. Dazu kam der positive Befund eines Wildschweins an der polnischen Grenze auf die afrikanische Schweinepest. Das führte dann zu einem Exportstopp für die deutschen Schweine ins Ausland. „Ich geh’ davon aus, dass wir 2021 nicht mehr exportieren können“, befürchtet Mattfeld.

Nachdem der Kilopreis für Schweine 2019 noch bei „sehr guten zwei Euro“ lag, sank er seit Beginn der Corona-Pandemie Stück für Stück. Inzwischen liegt er bei 1, 19 Euro. 1, 65 Euro braucht Carsten Mattfeld mindestens, um auf jeden Fall kein Minusgeschäft mit den Tieren zu machen. Sein aktueller Verlust von etwa 20 Euro pro Schwein, Löhne nicht eingerechnet, sei noch wenig: „Kollegen mit größeren Höfen und mehr Mitarbeitern trifft es noch viel schlimmer. Meine Eltern, meine Geschwister und meine Frau Melanie unterstützen mich, soweit es geht.“ Zusammen mit einem Azubi kümmern sie sich täglich etwa sechs Stunden um die 1 500 Mastschweine und 900 Ferkel.

Der Weihnachtsbaumverkauf, den er im Dezember betrieben hat, sorgt zumindest teilweise dafür, dass der Hof in Bassen diese Krise bis jetzt einigermaßen durchgestanden hat. Aufgrund der fehlenden Weihnachtsmärkte habe er aber deutlich weniger Bäume verkauft als sonst. Wie es weitergehen soll, weiß Carsten Mattfeld allerdings nicht: „Du gehst in den Stall und verbrennst Geld. Solange die Restaurants nicht wieder aufmachen, ist keine Besserung in Sicht.“

Aber nicht nur der Stau selbst sorgt für Probleme bei den Bauern. Dadurch, dass die Schweine häufig länger als geplant auf dem Hof sind, werden sie schwerer als das optimale Schlachtgewicht, das bei etwa 120 Kilogramm liegt. Das führt auch dazu, dass die Futterkosten steigen, weil die Tiere statt 90 Tagen Mast notgedrungen bis zu 120 Tage im Stall verbringen, bis sie geschlachtet werden. Somit bekommen die Landwirte noch weniger Geld pro Schwein. Der Preis für zu schwere Tiere liegt bei lediglich 80 Cent pro Kilo.

Trotz der niedrigen Erlöse für die Landwirte sei der Preis für Schweinefleisch im Supermarkt nicht gesunken. „Von Dezember 2019 bis Dezember 2020 beträgt der Preisverfall bei den Landwirten im Bereich Schweinefleisch 40 Prozent. Im gleichen Zeitraum sind die Ladenpreise um 17 Prozent angezogen“, ärgert sich der 39-Jährige. Mattfeld weiter: „Viele landwirtschaftliche Betriebe werden die Krise nicht überstehen. Noch nie war die Stimmung in der Landwirtschaft so schlecht wie heute. Es wird massenhaft Eigenkapital verbrannt.“ Die Kombination aus Corona-Krise und Schweinepest sei für die Bauern besonders dramatisch. „Ohne die Schweinepest hätte ich vielleicht ein Nullgeschäft, aber würde nicht mit jedem Tier so viel Verlust machen“, schätzt Mattfeld.

Trotz der schwierigen Situation, lief das vergangene Jahr nicht nur schlecht, wie Carstens schwangere Frau Melanie bemerkt: „Ich musste trotz meiner Schwangerschaft auf nicht viel verzichten, weil nichts los war. Wir freuen uns jetzt auf unser erstes Kind, das uns vielleicht auch etwas von dem beruflichen Stress ablenkt.“

Von Max Schirmacher

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