Student aus Sagehorn

Nils Bothen gewinnt Preis für Masterarbeit bei internationaler Konferenz

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Nils Bothen zu Hause in Sagehorn mit seiner Masterarbeit.

Sagehorn/Berlin - Von Lisa Duncan. Ein Studium mit „sehr gut“ abzuschließen, ist ja schon mal eine Auszeichnung. Der 26-jährige Nils Bothen aus Oyten-Sagehorn hat dies in seinem Masterstudium des Wirtschaftsingenieurwesens bewerkstelligt.

Seine Arbeit „Optimierung eines Rotationstransformators mit elektrischem Stahl-Kern“ ist aber nicht nur sehr gut, sondern wortwörtlich ausgezeichnet: Bothen bewarb sich damit für den „CTI Young Drive Experts Award“ – und gewann den ersten, mit 2000 Euro dotierten, Preis.

CTI steht für „Car Training Institute“. Die Preisverleihung im Hotel Estrel in Berlin-Neukölln war Teil einer Konferenz mit Vorträgen und Galadinner. Auf der Gästeliste: wichtige Vertreter der Automobilindustrie. Für Bothen, der zurzeit in Hannover lebt und an der dortigen Leibniz-Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Elektrotechnik (Fachgebiet: Elektrische Maschinen und Antriebssysteme) angestellt ist, eine fremde Welt.

Der in Bremen geborene und in Sagehorn aufgewachsene Nils Bothen legte nach 13 Schuljahren sein Abitur am Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium in Achim ab. Der vielseitig interessierte junge Mann begeisterte sich schon früh für Technik – nicht zuletzt durch seinen Vater, einem Ingenieur im Bremer Mercedes-Werk, dem er gern in der heimischen Werkstatt über die Schulter schaute. 

Frühes Interesse an Wirtschaft

Sein Leistungsprofil Physik und Mathe gab schon die Marschrichtung vor. Da er sich zudem für Wirtschaft interessierte, sagte ihm das Studienangebot in Hannover zu. „Das sind etwa 60 Prozent Maschinenbau und 40 Prozent BWL“, erklärt Bothen.

Für seine Masterarbeit verwendete Nils Bothen ein vorhandenes Konzept eines Prototypen für einen bestimmten Typ Elektromotor, der sich „elektrisch erregte Synchronmaschine“ nennt. Seine Aufgabe war es, das Konzept zu optimieren. Dieser Elektromotor kann für Automobilmotoren verwendet werden. Dabei wird der Strom konventionell mit Kohlebürsten, die im Schleifkontakt stehen, auf den rotierenden Teil der elektrischen Maschine übertragen. 

Die deutlich wartungsärmere und platzsparendere Variante ist allerdings ein Konstrukt, in dem Strom durch Induktion übertragen wird. Die Teile rotieren dicht beieinander, müssen sich aber nicht berühren. Stattdessen überträgt sich die Energie über einen kleinen Luftspalt durch ein Magnetfeld. Diese Grundlagenforschung sei zudem interessant für Energieversorger, die Synchrongeneratoren zur Stromverteilung nutzen, erklärt Bothen.

Drei Finalisten wurden unter den zahlreichen Einsendungen für den „CTI Young Drive Experts“ ausgewählt. Vor Ort wartete eine weitere Herausforderung: Sie mussten eine kurze Präsentation ihres Masterthemas geben – vor etwa 1000 Zuhörern und in englischer Sprache. „Das hatte ich in dieser Größenordnung noch nie gemacht“, erzählt der Oytener.

Vortragsstil „Pecha Kucha“ als Vorgabe

Dabei kam Nils Bothen zwar seine Auslandserfahrung zugute – im elften Jahrgang hatte er ein halbes Jahr in Vancouver, Kanada, verbracht – „aber technisches Englisch ist etwas ganz anderes als sich alltäglich zu verständigen“, sagt der 26-Jährige. Zudem war ein bestimmter Vortragsstil gefragt: „Pecha Kucha“ heißt die aus Japan stammende Methode, bei der ein Referat nicht mehr als 6 Minuten und 40 Sekunden umfasst. Gezeigt werden 20 Bilder in je 20 Sekunden. 

Nils Bothen präsentiert seiner Masterarbeit beim „CTI Symposium“. Aufmerksam hören ihm der Getriebeexperte und Vorsitzende Prof. Ferit Küçükay (Universität Braunschweig) und Moderator Ulrich Walter (v.l.) zu. Währenddessen wird der Referent vor rund 1000 Zuschauern auf die Leinwand projiziert.

„Es war schwer, die Erklärungen ebenfalls auf 20 Sekunden zu beschränken. Wenn man länger braucht, kommt man in Zeitstress.“ Die Grundlage, eine Masterarbeit von 80 Seiten, musste auf das Wesentliche reduziert, übersetzt und dann immer und immer wieder geübt werden. Ganz schön stressig sei das gewesen, denn von der Einladung zur Finalrunde bis zum Symposium hatte Nils Bothen nur fünf Tage Zeit.

Über die Finalisten entschied eine Jury, den Gewinner bestimmte das Publikum mit seinem Applaus. Das Herz klopfte vor Aufregung, nach nur drei Minuten war alles vorbei. Mit seinem Vortrag hatte der junge Wissenschaftler die Automobilexperten im Auditorium offenbar überzeugt. Der Gewinner bekam einen Blumenstrauß und den obligatorischen Riesenscheck in die Hand gedrückt. „Es kamen auch ein paar Leute mit Visitenkarten auf mich zu“, erzählt Bothen, PR-Leute baten um ein kurzes Interview.

Ob diese Auszeichnung ihm eine Karriere in der Industrie geebnet hat? „Die Anerkennung ist das, was mich dabei am meisten freut“, sagt Nils Bothen bescheiden. Würde sich jemand mit einem Stellenangebot an ihn wenden, würde er jedoch nicht grundsätzlich Nein sagen – vorausgesetzt, es wäre in Bremen. „Das Soziale ist mir nämlich viel wert“, betont der Wirtschaftsingenieur. Nicht nur Bothens Freundin wohnt in der Hansestadt, auch Familie und Freunde leben vor Ort. Neben seinen Hobbys Fitnesstraining und Gitarrespielen geht er hin und wieder zum Fußball ins Weserstadion.

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