Austausch- und Begegnungsabend von ehrenamtlich Aktiven im Familiengarten

„Die Flüchtlinge bringen Bewegung und Belebung“

Engagierte Flüchtlingshelfer tauschten sich über ihre Begegnungs- und Integrationserfahrungen aus.

Oyten - Unter dem Titel „Gerettet“ hatte der Familiengarten St. Paulus in Oyten am Dienstag zu einem Austausch- und Begegnungsabend von ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit Aktiven eingeladen. „Es kamen engagierte Menschen aus Achim, Oyten und Ottersberg, um sich von gelungenen Begegnungs- und Integrationserfahrungen berichten zu lassen“, schildert der Initiator, Diakon Hendrik Becker.

Untermalt wurde der Abend von traditionellen irischen Volksliedern, die von Armut, Flucht, Krieg und Tragödien auf dem Meer erzählten, sowie von religiösen Stücken, die vom Glauben als Sieger über Tod und Verzweiflung sangen. In einem geistlichen Impuls erinnerte Diakon Becker daran, dass es eine letzte, unverbrüchliche Gerechtigkeit gebe. Diese Gerechtigkeit werde nun wieder spürbar, wo die tragischen Schicksale des weniger privilegierten Teils der Menschheit „einem wieder sehr nahe gehen, im Doppelsinne des Wortes“.

Wie sehr die Schicksale nahe gehen und welche positiven Erfahrungen von interkultureller Begegnung es geben kann, wurde in einer Gesprächsrunde deutlich. Eine Engagierte aus dem Sprachcafé erzählte, dass sie weder Talkshows noch Nachrichten brauche, weil sie die Erfahrungen aus erster Hand habe. Für sie habe sich „kein einziges Vorurteil“ in Bezug auf Geflüchtete bestätigt. Sie kenne auch keine integrationsunwilligen Flüchtlinge. Es tue da gut, sich in die Situation eines geflüchteten Menschen hineinzuversetzen.

In dem Zusammenhang wurde die exzellente Arbeit in der Kommune Oyten hervorgehoben, die Ehrenamtliche und Nachbarschaften aktiv mit einbezieht. „Insgesamt konnte festgestellt werden, dass das ehrenamtliche Engagement außergewöhnlich hoch ist“, so Becker. Diese Erfahrung stünde im Gegensatz zu den Ressentiments, die in Medien einen zu großen Raum einnähmen.

„Die Flüchtlinge bringen Bewegung und Belebung in die Gesellschaft. Wobei Integration keine Einbahnstraße ist und gefragt werden muss, wo hinein eigentlich integriert werden soll. Die deutsche Gesellschaft ist da selbst kein einheitliches Gebilde, sondern in sich bunt, und wird nun eben noch ein wenig bunter“, so Diakon Becker.

Zwischen Helfern und Flüchtlingen entstünden Beziehungen, stellte Becker fest: Erst die ehrenamtlichen Helfer/innen mit ihrer zuverlässigen Arbeit seien es oft, denen sich ein Flüchtling anvertraue und schildere, welcher Not er entronnen sei und wie sie weiterwirke. Von Kindersoldatentum, völliger Entrechtung und Verrohung sei da die Rede. Dies müsse man als Ehrenamtlicher manchmal aushalten können: „Es sind Leidbiografien – und dazu noch die Unsicherheit, ob die eigene Familie überhaupt je wieder zusammenkommen kann.“

Wie eine ehrenamtlich tätige Ärztin herausstellte, könne die staatlich geförderte Sozialarbeit nicht alles abdecken, was an Hilfe nötig sei, vor allem Hilfe, die auch in die Tiefe gehe. Die hohe Kunst der professionellen Distanz, die auch für Ehrenamtliche nötig sei, sei eine stetige Herausforderung.

Jutta Mischendahl-Pape von der Caritas im Landkreis Verden steuerte an dem Abend „Zahlen, Daten und Fakten“ bei. Sie bestätigte, dass die Zahl der Flüchtlinge zurückgehe, aber die Not angesichts der Alternativlosigkeit in den Herkunftsländern bleibe. Kommunen könnten jedoch die momentan entspanntere Lage nutzen, „um sich zu sortieren“.

„Alles in allem blieb ein positives Fazit hinsichtlich der Integrationsarbeit“, resümierte Diakon Becker den Abend. Und die Not in den Herkunftsländern sei wieder einmal zum Greifen nahe gerückt: „Daraus zu lernen, was das mit dem Lebensstil der westlichen Welt zu tun hat, hat gerade erst begonnen.“

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