In Bassen festsitzende Artistenfamilie Trumpf freut sich über jede Auftrittsmöglichkeit

Der Zirkus kommt in den Garten

Ronny und Katja Trumpf
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Ronny und Katja Trumpf freuen sich über Anfragen nach Open-Air-Zirkusvorstellungen.

Bassen – Der Auftritt neulich im Garten des Pflegeheims Haus Hasch in Sagehorn war ein echtes Ereignis. „Alle waren glücklich: die Bewohner und wir. Es war supertoll“, erzählt Zirkuschef Ronny Trumpf. Endlich wieder vor Publikum jonglieren, Feuer spucken, balancieren, eine Hundedressur vorführen, Späße im Clownskostüm machen... – danach hatte sich die Artistenfamilie Trumpf monatelang gesehnt.

Noch immer sitzt der kleine Zirkus in seinem Notquartier in Bassen fest, „aber wenigstens können wir jetzt mal draußen auftreten“. Jedes Engagement ist willkommen: Auf Schulhöfen, an Altenheimen, bei Kindergeburtstagen – „man kann uns für alles buchen, auch kurzfristig“, sagt Ronny Trumpf. Hauptsache, die Zirkusfamilie hat endlich wieder Arbeit.

Wie lange die Corona-Pandemie das normale Leben ausbremsen würde, hätte im März vorigen Jahres niemand gedacht. Auch nicht Ronny und Katja Trumpf. Das Zirkus-Ehepaar war gerade mit seinen fünf Kindern, einigen Tieren und dem kleinen Zelt im Gepäck aus dem Winterlager in Richtung erste Gastspiele aufgebrochen, als der erste Lockdown alle Pläne zunichte machte. Die Artistenfamilie strandete mit ihren Wohnwagen, die ihr Zuhause sind, in Bassen. Das ist 15 Monate her, und noch immer können die Trumpfs nicht auf Tour gehen.

„Die Kollegen mit den größeren Zelten legen jetzt los und sind schon wieder unterwegs“, weiß Katja Trumpf. Ihre Familie hat nur ein kleines Zelt. Dicht gedrängt passen an die 100 Leute hinein, „aber mit dem vorgeschriebenen Abstand nur etwa 15“, hat Katja Trumpf ausgerechnet. Und „dafür lohnt sich das Reisen mit Auf- und Abbau nicht“. Da hätte die Familie mehr Kosten als Einnahmen. Aufgebaut hat sie das Zelt jetzt nur als wetterfeste Trainingsstätte.

Dreimal sind die Trumpfs inzwischen innerhalb von Bassen umgezogen. Zuletzt stand die kleine Wagenburg beim Feuerwehrhaus, aber mit dem Neubeginn der Übungsdienste brauchten die Feuerwehrleute den Platz wieder selber. Einen neuen Stellplatz für die Familie fand die Gemeinde hinter dem Sportplatzgelände am Ende des Tulpenwegs. Weil sie seit 15 Monaten so gut wie keine Einnahmen erarbeiten können, sind Ronny Trumpf und seine Frau dankbar für jede Hilfe. Ohne die großherzige Unterstützung der Bassener, die besonders in der ersten Zeit mit Lebensmittel- und Sachspenden in die Bresche sprangen, wäre es gar nicht gegangen. Unbezahlbar ist der Einsatz von zwei Bassener Fahrzeugtechnikern, die für Ronny Trumpf zu Freunden wurden: Tatkräftig arbeiten sie daran, seinen alten Bulli, der als Zugmaschine gebraucht wird, nochmal durch den TÜV zu bringen. Ein neuer wäre fällig, aber „den können wir nicht bezahlen“.

Die Familie ist weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Nachdem sie ihre lange bei Freunden untergebrachten Ziegen, Ponys, Enten, Hühner und Meerschweinchen wieder zu sich geholt haben, freuen sich die Trumpfs besonders über Tierfutterspenden – „vor allem Hafer und Heu“. Wer übrigens hart gewordenes Brot oder Mohrrüben selber an die Vierbeiner verfüttern möchte, ist jederzeit willkommen. Und auch sonst freut sich die gastfreundliche Zirkusfamilie immer über Besucher.

Neben der wohltuenden Aufnahme und Anteilnahme im Dorf hat der ungeplante lange Aufenthalt in Bassen noch eine „schöne Seite“, wie Ronny Trumpf erzählt: „Unsere Kinder sind zum ersten Mal längere Zeit in ein und derselben Schule und haben hier Freunde gefunden.“

Trotzdem, die Sehnsucht der Zirkusfamilie nach dem Reisen bleibt: „Wir sind dankbar, dass wir hier stehen dürfen – aber sobald es geht, fahren wir...“

Kontakt

Wer die Artistenfamilie Trumpf für einen Open-Air-Auftritt buchen oder mit Tierfutterspenden unterstützen möchte, erreicht Ronny Trumpf telefonisch unter 0176/36092000.

Von Petra Holthusen

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